Friseur-Wettbewerb Dresdnerin schnitt am besten ab

Erstmals hat eine Frau den deutschen Friseur-"Oscar" gewonnen. Madlen Wenerski aus Dresden entschied den bis dahin von Männern dominierten Wettbewerb "German Hairdressing Award" für sich. Den Trend-Bob der Konkurrenz konterte die 33-Jährige mit weichen Fransen.

Von Alexandra Sillgitt


Hamburg - Blutrot die Lippen, schneeweiß die Haut - zum perfekten Schneewittchen fehlt dem blonden Model von Friseurmeisterin Madlen Wenerski nur das Haar, schwarz wie Ebenholz. Die Dresdnerin mag eben keine Klischees und widersetzt sich gerne den Trends.

Beim Fotowettbewerb "German Hairdressing Award 2007" konterte sie die extravaganten Flechtfrisuren und trendigen Bobs der Konkurrenz mit weichen, fransigen Konturen. Wenerskis Bild vom blonden Schneewittchen setzte sich durch. Als erste Frau gewann sie den Titel "German Hairdresser of the Year 2007".

Wenerskis Job ist wie kein anderer der Mode unterworfen, und das nicht nur, was das Ergebnis anbelangt: Einst legte der Friseur Hand an Haupt und Haartracht, dann der Coiffeur. Heutzutage schneidet der Hairdresser die Spitzen.

Der "Oscar der Friseurbranche"

Über 90 Prozent der deutschen Friseure sind Frauen, es färben, föhnen und frisieren also im Land fast ausschließlich Frauen. Frappierend deshalb, dass gerade die Männer den Fotowettbewerb "German Hairdressing Award", den selbsternannten "Oscar der Friseurbranche", seit Jahren dominieren.

2005 waren zwei Drittel der Teilnehmer Frauen, doch nur zwei von ihnen gewannen in einer der zehn Kategorien. "Vielleicht trauen sich die Männer mehr", sagt Bettina Galindo vom Mitveranstalter Schwarzkopf Professional. "Männer können sich besser vermarkten", glaubt hingegen Deutschlands beste Friseurin.

Weiblich und schlicht

In diesem Jahr konnte Wenerski, bei ihrem dritten Anlauf, schließlich die Jury überzeugen. "Die Fotos waren professioneller aufgenommen", sagt die Dresdnerin. Von den Haaren, über Make-up und Outfit - "weiblich und schlicht war das Ziel."

Mehr als 3500 Bilder waren von deutschen Haarkünstlern eingereicht worden, der Wettbewerb fand bereits zum fünften Mal hierzulande statt. Neben der Haartracht selbst bewerteten die 18 Juroren, darunter Stylisten und Journalisten, auch die Wirkung der Aufnahme. "Die Konkurrenz war sehr groß", sagt Wenerski. Sie liebe jedoch die Herausforderung, beruflich wie privat, und habe deshalb teilgenommen.

"Für mich ist es ein Kunsthandwerk"

Die Mutter zweier Kinder besitzt zwei Friseursalons in Dresden und schneidet von klassisch bis ausgefallen, mal mehr mal weniger trendig. "Das hängt vom Typ ab. Für mich ist der Job ein Kunsthandwerk", sagt die 33-Jährige.

Der "Hairdressing Award" hat seinen Ursprung in Großbritannien, wo er 1985 erstmals vergeben wurde. Mittlerweile findet er in 17 Ländern statt, im kommenden Jahr erstmals in Russland. 2008 will Wenerski wieder an der deutschen Konkurrenz teilnehmen und ihren Titel verteidigen.

Und noch etwas gibt es von der deutschen Haarschneide-Meisterschaft zu vermelden: Starfriseur Udo Walz wurde ausgezeichnet - für sein Lebenswerk.



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