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Namen von Friseursalons Verhairendes Haar-a-kiri

"Headhunter", "Haarmonie", "pony & clyde" - Friseure mögen offensichtlich Wortspiele. Eine Analyse von 22.000 Salonnamen aus ganz Deutschland offenbart die schrägsten Kreationen.

Es ist ein schmaler Grat, auf dem die Betreiber von Friseursalons mitunter wandeln. Bei der Namensfindung greifen sie gern zu doppeldeutigen Begriffen oder gewagten Neukreationen. Im schlimmsten Fall landen sie dabei direkt in der Wortspielhölle. War es wirklich eine so gute Idee, den Salon "Vorhair Nachhair" zu nennen? Oder "Kammbäck"?

Doch ganz egal wie gelungen die Wortspiele auch sein mögen - in jedem Fall erregen die schrägen Namen Aufmerksamkeit. Und erreichen so schon mal ein wichtiges Ziel für die Betreiber.

"Bei Friseuren sind Wortspiel-Namen besonders häufig", hat Mark Leiblein beobachtet. Er berät mit seiner Agentur Namestorm  Unternehmen bei der Wahl passender Namen. Man sehe Wortspiele oft bei kreativen Berufen, etwa an Tattoo-Läden oder Bars.

Egal ob "Hairtie", "SchEHRENsache" oder "Scheitelkeiten" - die Germanistin Nina Janich findet das "sehr amüsant". Janich leitet die Jury zum "Unwort des Jahres"  und erforscht an der TU Darmstadt Alltagssprache. Letztlich gehe es darum, originell zu sein, sagt sie. Der schlichte Name Friseur klinge für manche eben schon etwas altbacken.

"Heidis Frisierstübchen" oder "Haar-ley"?

Wie häufig aber sind die schrägen Kreationen? SPIEGEL ONLINE hat einen Datensatz mit 21.818 Salons aus Deutschland ausgewertet - eine gute Stichprobe der offiziell fast 81.000 Friseurbetriebe hierzulande . Die Daten stammen von Openstreetmap . Ähnlich wie bei Wikipedia sammeln Freiwillige Informationen für diese öffentlich nutzbare Karte. Vereinzelte Fehler können daher nicht ausgeschlossen werden. Wir haben OpenStreetmap-Daten vom Stichtag 23. Oktober des Kartendienstleisters Geofabrik  verwendet und nach dem Marker "hairdresser"  gefiltert.

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Friseurnamen: Well-Kamm!

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Die Analyse zeigt: Ja, es gibt tatsächlich eine Vielzahl von mehr oder weniger gelungenen Wortspielen. Knapp acht Prozent der Geschäfte tragen einen Namen, der entweder in die Kategorie Wortspiel fällt oder zumindest als mehr oder weniger kreativer Sprachgebrauch gelten darf - das sind 1718 Läden. Angefangen bei "Atmosphair" und "Chaarisma" über "Barberossa", "Elementhaar" und "Haar zwei O" bis zu "Haar-a-kiri" und "Well-Kamm".

Eine klare Kategorisierung der Namen ist allerdings nicht immer leicht. "Cut Club" haben wir beispielsweise als Wortspiel eingestuft - wegen der Anspielung auf Kit Cat Club. Auch "Cutting Crew" werten wir als kreativen Sprachgebrauch, schließlich gab es in den Achtzigerjahren eine gleichnamige Band mit dem Hit "I Just Died in Your Arms". Das gängige "Cut & Go" hingegen gilt nicht als Wortspiel, weil hier Anspielungen wie auch Doppeldeutigkeiten fehlen.

Die Daten zeigen, dass schräge und unkonventionelle Friseurnamen in der Großstadt und in kleineren Gemeinden etwa gleich häufig vorkommen. Auffällig ist allerdings ein gewisses Ost-West-Gefälle und eines von Nord nach Süd - siehe folgende Karte:

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In Baden-Württemberg liegt der Wortspiel-Anteil nur bei 6,4 Prozent - im Norden und Osten Deutschlands sind es zwischen 8 und 11 Prozent. Spitzenreiter ist übrigens Mecklenburg-Vorpommern mit 11,1 Prozent - mehr als drei Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt von 7,9 Prozent.

Die Deutschlandkarte zeigt die Lage der mehr als 1700 Friseurgeschäfte mit Namen, die wir der Kategorie Wort- und Sprachspiel zugeordnet haben. Sie können darin gezielt nach bestimmten Orten und Postleitzahlen suchen und auch zoomen - der Name eines Salons wird angezeigt, wenn Sie auf den Punkt klicken.

Besonders beliebt bei den Wortspielen sind folgende Begriffe:

  • Haar: Haarwaii, Haarchitekten, Haarem, Haarmonie, Haar-ley, Haarstadt, Krehaartion, Liebhaarber, Mata Haari, Sahaara, Szenhaario, Vielhaarmonie, Vier Haareszeiten

  • Hair: Haircules, Hairgott, Haireinspaziert, Hairtie, Look Hair, Mac Hair, Millionhair, RundHairRum, Schau Hair, Schick Hair, Schmetthairling, Solithair, Tilos Hair Berge, Vanity Hair, Vorhair Nachhair, Wundhairschön

  • Cut: Cutbusser, Cutting Crew, Cut Club, CutWalk, Director's Cut, Final Cut, First Cut, Haarem Cut

  • Schnitt: Abschnitt, Mitschnitt, Schicke Schnitte, Schnittchen, Schnitt-echt, Schnittpunkt, Schnittstelle, Sahne-Schnitte, Schnittwerk, Schnittzeiten, Schnittzone

  • Schneiden: FairSchneiden, Schneidbar, Schneideplatz, Schneideraum, Schneiderei, Schneidwerk

  • Kamm: Alpenkamm, Kamm 2 cut, Kamm to style, Kammäleon, Kamm back, Kammbäck, Kamm in, Kammpus, Kämmbar, Kämmerei, Well-Kamm

  • Föhn: Föhnix, Fön-X, Fön-x Cut, Fön und Form, Glatzenföhner, Klön und Föhn

  • Kopf: Doppelkopf, Kopfarbeit, Kopfgärtnerei, Kopfgeld, Kopfkultur, Kopfsache, Kopfsalat, Kopf und Kragen, Kopf sei Dank, Pro Kopf, Reine Kopfsache

  • Head: Head Attack, Head Factor, Headfighter, Headhunter, Head Line, Headquarter, Headwork, Talking Head

  • Locke: Lockenbude, Locken Roll, Lock 'n' Roll, Lockschuppen, Lockvogel, Rheinlocken, Schillerlocke, Verlockend

  • Welle: Kaiserwelle, Meisterwelle, Wellenlänge, Wellenreiter, Well-Kamm

  • Pony: Ponyhof, Ponylounge, Pony Club, Pony & Clyde, Pony & Kleid

  • Schick: Schicke Schnitte, Schickeria, Schick Hair, Schick-Saal, Schicky Micky

  • Chic: ChicHaaria, Chicolores, Chic-Saal, Pott-Chic

  • Barber: Ali Barber, Barberossa, Barber Brothers, Barberella, Barbylon, Inglorious Barbers

Besonders findigen Ladenbesitzern ist es sogar gelungen, zwei Branchenbegriffe in einem Wortspiel unterzubringen. Beispiel: die Salons "Chaarakthair"  in Dresden oder "Schick Hair"  in Kehl.

Haar und Hair sind übrigens auch die Wörter, die am häufigsten in den Namenskreationen vorkommen. Das folgende Diagramm zeigt die Häufigkeiten der verwendeten Wortstämme:

Wie aber kommen solche Kreationen bei Sprach- und Marketingprofis an? Das Echo ist geteilt. "Haartistik" finde sie "sehr gelungen", sagt die Germanistin Janich. Die Anspielung auf Artistik passe gut, weil es in beiden Fällen um etwas Künstlerisches gehe. "Kamm in" gefalle ihr hingegen nicht so gut. "Der Name funktioniert ja eigentlich erst, wenn man ihn laut ausspricht."

"Sehr cool"

Christine Stark von der Namensagentur Endmark  hält auch den Kontext für wichtig. "Ein 'Hairport' könnte an einem Flughafen Sinn machen", sagt sie, wirke in einem ostfriesischen Dorf aber eher unauthentisch. Ohnehin sei Authentizität entscheidend. "Wenn Sie Ihren Friseurladen 'Sahaara' nennen und im maghrebinischen Design präsentieren, kann das Erfolg haben."

Und was ist mit "pony & clyde" , einem Geschäft aus Hamburg? Namensberater Leibling findet den Namen "sehr cool". Die Linguistin Janich hat dagegen Zweifel. "Ich weiß nicht, ob jüngere Menschen den Film 'Bonnie und Clyde' überhaupt noch kennen." Obendrein habe das Verbrecherpärchen mit Haaren ja nichts zu tun.

In jedem Fall können Friseure mit einer gezielten Namenswahl Akzente setzen, um bestimmte Zielgruppen zu erreichen. "Anglizismen sprechen zum Beispiel eher junge Leute an", sagt Janich. Nach ihren Erfahrungen kommt sogenanntes Denglisch bei älteren Menschen hingegen nicht gut an. Gleiches gelte für Formulierungen mit falscher Grammatik wie "Das König der Biere".

Haarmonie schlägt Haargenau

Manches Wortspiel wird inzwischen von so vielen Friseurgeschäften genutzt, dass es höchstens noch ein müdes Lächeln hervorruft. Absoluter Spitzenreiter dabei ist "Haarmonie": Das Wort taucht in diversen Schreibweisen bei 195 Salons der bundesweiten Stichprobe auf. "Haargenau" kommt auf 135 Geschäfte, "Haarscharf" auf knapp 100.

Bleibt die Frage, ob die Namen etwas bringen. Germanistin Janich hat da Zweifel. Entscheidend sei wohl letztendlich die handwerkliche Qualität. Wem die neue Frisur gut steht, dem ist ein an den Haaren herbeigezogenes Wortspiel auch egal.

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