SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

14. Juni 2017, 19:15 Uhr

Katholische Kirche

Fronleichnam - was wird da eigentlich gefeiert?

In den südlichen Bundesländern haben die Menschen an diesem Donnerstag frei - weil Fronleichnam dort ein gesetzlicher Feiertag ist. Was hat es mit dem katholischen Fest auf sich?

Fronleichnam ist ein katholisches Fest, das immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten begangen wird. Die Bezeichnung leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen ab. "Vron" steht für "Herr", "lichnam" für "Leib". Der Begriff meint also "Leib des Herrn" und hat nichts mit Leichen zu tun, wie etwa die Verballhornung "Happy Kadaver Day" suggeriert.

Fronleichnam ist in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ein Feiertag. Außerdem bleiben in einzelnen katholischen Regionen Sachsens und Thüringens die Geschäfte und Schulen geschlossen.

Was wird mit Fronleichnam gefeiert?

Mit dem "Fest des Leibes und Blutes Christi" erinnern die Katholiken an das letzte Abendmahl Jesu. Er hatte laut Bibel den Aposteln Brot und Wein gereicht und dabei "Das ist mein Leib" und "Das ist mein Blut" gesagt. In den katholischen Messen wird dies in der Eucharistie (Kommunion) nachgefeiert - und an Fronleichnam noch einmal mit einem besonderen Fest. Es soll demonstrieren, dass Christus und damit Gott gegenwärtig ist.

Für die Katholiken ist Fronleichnam also ein Fest der Zuversicht. Weil in die traditionell stille Zeit vor Ostern keine aufwendigen Zeremonien passten, wurden sie am Ende der österlichen Zeit begangen. In vielen katholischen Gemeinden wird noch heute in bunten Prozessionen eine geweihte Hostie in einem goldverzierten Gefäß, der Monstranz, als Leib Christi durch die Straßen getragen. Seltener gibt es auch Schiffsprozessionen, etwa auf dem Rhein. Die Prozession steht sinnbildlich für das wandernde Gottesvolk in der Welt mit Christus in seiner Mitte.

Was sind die historischen Ursprünge des Festes?

Fronleichnam geht auf eine Vision der Augustinernonne Juliana von Lüttich im Jahr 1209 zurück, die der Legende nach während eines Gebetes einen kleinen schwarzen Fleck im Mond sah. Sie deutete das als Weisung dafür, dass es auch zur Feier der Eucharistie ein Fest geben müsse. Der Mond stehe für das Kirchenjahr und der Fleck zeige, dass ein solches Fest im christlichen Turnus fehle. Nach ihrem Tod machte Papst Urban IV. 1264 ein allgemeines Kirchenfest daraus. In den Jahren danach gab es dann die ersten Prozessionen, etwa in Köln.

Welche Bedeutung hat Fronleichnam in nicht-katholischen Gebieten?

Bei den evangelischen Christen wird Fronleichnam in der Regel nicht gefeiert. Dort herrscht grundsätzlich ein anderes Verständnis des Abendmahls vor. Martin Luther bezeichnete das Fest 1527 als "allerschädlichstes Jahresfest", das keine Grundlage in der Bibel habe. Die Prozessionen sah er als götzendienerische Gotteslästerung. Unter dem Eindruck der Reformation bekamen die Fronleichnamsprozessionen für die Katholiken auch einen kämpferischen, rebellischen Charakter: Sie sollten besonders den Protestanten die Stärke des katholischen Glaubens demonstrieren.

aci

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung