Fundbüros im Datencheck Jung und schusselig - was die Deutschen verlieren

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In deutschen Fundbüros lagern Zehntausende Schätze. Unsere Datenanalyse zeigt, wo besonders viele Smartphones lagern, welche Altersgruppe am häufigsten den Ausweis liegen lässt - und wo ein Schaf und ein Dildo auf ihre Besitzer warten.

Die Fundbüros der Kommunen und Verkehrsbetriebe sind oft die letzte Hoffnung, wenn Schlüssel, Portemonnaie oder Handy verloren gegangen sind. Die Einrichtungen müssen Fundstücke für ein halbes Jahr aufbewahren.

In vielen Städten und Gemeinden lässt sich das Sammelsurium auch online durchsuchen: Mehr als 500 Gemeinden stellen ihre Fundstücke in die gemeinsame Datenbank "Bürgersuche". Neben den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sind vor allem Gemeinden in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern in dem Suchportal vertreten.

88.420 Fundsachen enthielt das Portal in der vergangenen Woche. Immer, wenn ein neuer Gegenstand dazu kommt, durchläuft er das gleiche Prozedere: Das Fundbüro ordnet ihn einer von 39 Kategorien zu - etwa "Handy". Außerdem vermerkt der Mitarbeiter, wann und wo der Gegenstand gefunden wurde - zum Beispiel am 23. November in der Heilbronner Badstraße, Nähe "Food Court". Und schließlich trägt er eine genauere Beschreibung des Gegenstands ein: "iPhone (Apple), O2, weiß mit grauer Schutzhülle". Holt der Besitzer seinen verlorenen Gegenstand ab, wird dieser aus der Datenbank wieder gelöscht.

Wir haben uns für zehn Städte angesehen, welche Gegenstände wie oft im Fundbüro auf ihre Besitzer warten. Bei den Schlüsseln beispielsweise führt Berlin die Statistik an - zumindest in absoluten Zahlen. Bezogen auf die Einwohnerzahl hat Freiburg im Breisgau die Nase vorn. Welche Gegenstände wo besonders häufig gefunden und noch nicht abgeholt wurden, erfahren Sie in unserer Karte:

Werden Führerscheine und Personalausweise im Fundbüro abgegeben, tragen viele Mitarbeiter in der Gegenstandsbeschreibung auch den Geburtstag des Besitzers ein. Wer seinen Ausweis verliert, kann ihn so online schneller wiederfinden. Nimmt man all diese Geburtsdaten zusammen, ermöglichen sie eine Aufschlüsselung nach Jahrgängen. Vergangene Woche war bei 2096 Ausweisen und Führerscheinen ein Geburtstag angegeben.

Das Vorurteil, Alter mache vergesslich, kann durch diese Auswertung nicht gestützt werden. Im Gegenteil. Grob lässt sich sagen: Je jünger ein Mensch, desto häufiger verliert er seinen Ausweis.

In den Zehntausenden Einträgen der Datenbank verstecken sich auch allerhand kuriose Fundstücke. So ging etwa im niedersächsischen Flüsschen Lune ein 13 Meter langes Dreier-Ruderboot verloren. In Berlin-Baumschulenweg ist ein herrenloser Akku-Rasenmäher aufgetaucht, und auf einem Parkstreifen in Fulda haben ehrliche Finder einen roten Dildo entdeckt.

Auch besorgte Haustierbesitzer sollten einen Blick ins Onlinefundbüro werfen: Viele entlaufene Katzen, aber auch vermisste Hunde und Kanarienvögel werden hier aufgelistet. Dazu kommen mehrere Schildkröten, ein Schaf in Bonn und eine ungiftige Kornnatter in Fürstenfeldbruck.

Bei manchen Fundstücke wüsste man gern mehr über ihre Geschichte: Wann hat der Tubaspieler in Landshut bemerkt, dass sein Instrument verschwunden ist - samt Geschirrtuch für die Kondensfeuchtigkeit? Wie hat die Trägerin oder der Träger die Zahnprothese in Biberach verloren? Und zeugen die gefundenen Rollstühle, Krücken und das Sauerstoffgerät in Freiburg von tragischen Episoden oder aber von Wunderheilungen?

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Dieser Artikel ist im Rahmen des Hamburger Transparenztags entstanden. Mitgewirkt haben Achim Tack und Johannes Kröger.

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