Staatsgewalt in Rio de Janeiro Militär rückt vor der WM in weiteren Favelas ein

Vor der Fußball-Weltmeisterschaft will Brasilien mit allen Mitteln den Eindruck eines sicheren Landes vermitteln. Armee und Militärpolizei marschierten nun in eine weitere Elendssiedlung in Rio ein, um sie zu "befrieden". Doch viele Bewohner fürchten die Polizei mehr als die Drogengangs.

AP/dpa

Rio de Janeiro - Die Befriedungsstrategie geht weiter, Rio will mit aller Macht die Kontrolle über seine Elendsviertel zurückgewinnen. Im Vorfeld der im Juni beginnenden Fußball-WM soll Brasilien sicherer werden - oder zumindest so wirken. Seit zwei Jahren besetzt der Staat systematisch Favelas und richtet dort Polizeistationen ein. Am Donnerstag drang das Militär nun in den Complexo da Maré ein, ein Ensemble von 16 Favelas mit insgesamt 130.000 Bewohnern nahe dem internationalen Flughafen von Rio de Janeiro.

Wie der Fernsehsender Globo News berichtete, diente der eintägige Vorstoß der Sicherheitskräfte zunächst der Erkundung des Complexo, die endgültige Einnahme des Komplexes ist nach Behördenangaben für Anfang April vorgesehen.

In Maré sollen Rauschgift- und Waffenhändler Unterschlupf gefunden haben, die aus anderen Favelas verjagt worden sind. Außerdem wurde in dem Armenviertel in der Vorwoche ein Polizist erschossen. Daraufhin kündigte Brasiliens Justizminister Eduard Cardozo am Dienstag den Einsatz des Militärs zur Vertreibung der herrschenden Drogenbanden und anderer krimineller Gruppen aus dem Problembezirk an.

Polizei hat einen schlechteren Ruf als die Drogenbosse

Elitepolizisten (Bope) besetzten bereits zahlreiche Armenviertel. Seit 2008 wurden in 174 der rund 300 Favelas in Rio 38 Einheiten der Befriedungspolizei (UPP) stationiert, die 39. Einheit soll in Maré folgen. Seit Jahresbeginn wurden acht Polizisten von mutmaßlichen Mitgliedern des organisierten Verbrechens getötet - vier in sogenannten befriedeten Distrikten.

Rios Polizisten genießen bei vielen Favela-Bewohnern einen schlechteren Ruf als die Verbrecher der Drogengangs: Sie gelten als Schläger und Mörder. Oft zu Recht, wie auch Sicherheitsminister Beltrame einräumt.

Brasilien rechnet während der Fußball-WM vom 12. Juni bis 13. Juli mit 600.000 ausländischen Besuchern. In Rio, einem von zwölf Austragungsorten, finden sieben Spiele statt, unter anderem das Endspiel. 2016 werden in Rio außerdem die Olympischen Sommerspiele ausgetragen, die ersten in Südamerika.

mia/sid/AFP

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Karlsson auf dem Dach 27.03.2014
1. Der
Kern des Problems ist die verfehlte und völlig unsinnige Drogenpolitik der USA und seiner Verbündeten, auch Deutschlands. Ganz Lateinamerika leidet unter der Gewalt, die durch den Drogenmarkt entsteht. Hat sich in den letzten 40 Jahren irgend etwas verbessert? Nein, es wird immer schlimmer. Lateinamerika geht vor die Hunde, weil ein paar heuchlerische Politiker es egal ist. Traurig.
tomy1983 27.03.2014
2. Klingt fair.
Sie fürchten ja gem. Bericht die Polizei mehr als die Drogengangs. Aber geschickt wurde ja das Militär.
krasmatthias 27.03.2014
3.
Zitat von sysopAP/dpaVor der Fußball-Weltmeisterschaft will Brasilien mit allen Mitteln den Eindruck eines sicheren Landes vermitteln. Armee und Militärpolizei marschierten nun in eine weitere Elendssiedlung in Rio ein, um sie zu "befrieden". Doch viele Bewohner fürchten die Polizei mehr als die Drogengangs. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/fussball-wm-2014-militaer-befriedet-favelas-in-rio-a-960988.html
Die Armee und Polizei geht gegen das unzufriedene Volk vor. Schwerbewaffnet werden andersdenkende eingeschüchtert und auf Linie gebracht. Wer nicht lacht, macht sich verdächtig Mitglied der unterdrückten Opposition zu sein. Berichte über Umweltzerstörungen und Korruption während der Baumaßnahmen zur WM werden unter Androhung von Gewalt unterdrückt. Ach nein, so berichtet man über Russland, in Brasilien bekämpft man Drogenbanden. Und in Katar verteidigt die Regierung europäische Menschenrechtsnormen?
Flying Rain 27.03.2014
4. Pfa
Fußball hin oder her, die Fifa richtet bei denjenigen aus die zahlen und sie Geld waschen lässt, da is die Fia noch gutmütig...
auf_dem_Holzweg? 27.03.2014
5. ein Land ohne Hoffnung...
Zitat von sysopAP/dpaVor der Fußball-Weltmeisterschaft will Brasilien mit allen Mitteln den Eindruck eines sicheren Landes vermitteln. Armee und Militärpolizei marschierten nun in eine weitere Elendssiedlung in Rio ein, um sie zu "befrieden". Doch viele Bewohner fürchten die Polizei mehr als die Drogengangs. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/fussball-wm-2014-militaer-befriedet-favelas-in-rio-a-960988.html
... es ist Wahnsinn dass Privatvereine wie dei FIFA ihre Sportturniere überall austragen lönnen wo es ihnen gerade beliebt. Besonders in Brasilien herrscht eine dermaßen hohe Korruption, sodaß man sich fragt WER welchen Vorteil am Stattfinden dieser WM hat. Brasilien versucht seit Jahren eine Mittelschicht zu bilden und selbst ein wenig auf die Beine zu kommen - durch WM und Olympiade werden sie um Jahrzehte zurückgeworfen. Allein die Preissteigerungen seit Ankündigung der WM und Olympiade sind der reine Wahnsinn. Gehälter wurden natürlich keinesfalls angepasst. Reis, Obst und Gemüse kosten seit 2 Jahren fast das doppelte. Luxusartikel sind auch für uns Europäer kaum erschwinglich. Besonders der Norden des Landes - Recife und Umfeld - werden stark unter den WM-Folgen leiden. Ob der Süden sich noch einmal berappelt ist fraglich. Es steht zu befürchten daß die anstehenden und sehr berechtigten Ausschreitungen des brasilianischen Volkes die komplette WM lahmlegen. Aber nur so geht es. Ansonsten hört die Welt nicht zu. Brasilien ist bald wie viele Teile Afrikas - leider ohne Hoffnung, und der Westen micht kräftig daran mit dass es auch so bleibt. Ich hoffe für Brasilien daß die WM nicht stattfinden wird und die Weltpolitik mal dort einlenkt wo es nötig ist. Auch wenn Brailien kein Öl vorweist st es doch wichtig für den Westen: bislang leider nur um weiter ausgebeutet zu werden.
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