Protest-Demo Pizzabote kämpft sich durch G20-"Hölle"

In sozialen Medien wird ein Pizzabote aus Hamburg gefeiert: Er war mit seinem Roller mitten durch das Chaos nach der aufgelösten "Welcome to hell"-Demo gefahren. Der 28-Jährige blieb dennoch entspannt.

Pizzabote wird von der Polizei aufgehalten
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Pizzabote wird von der Polizei aufgehalten


Bis zu 12.000 Menschen demonstrierten kurz zuvor noch gegen den G20-Gipfel, ehe die Polizei rigoros gegen die Teilnehmer vorging, Wasserwerfer und Pfefferspray einsetzte und die Demonstration auflöste. Etliche Menschen rennen weg, die Lage ist chaotisch. Genau in diesen Minuten erreicht ein Pizzabote auf einem Roller die Hafenstraße. Auf einem Video ist zu sehen, wie der Mann zwischen den Wasserwerfern hindurch und im Slalom um die Menschenmenge herum fährt.

Auf Twitter sind schnell Bilder und Videos von der kuriosen Szene im Umlauf. "Ich musste eine Pizza in der Hopfenstraße ausliefern. Auf dem Rückweg in die Filiale in der Jessenstraße bin ich allerdings nicht mehr richtig durchgekommen", sagte der Pizzabote dem Onlinemagazin "Fink.Hamburg".

Es hatten sich also weder Demoteilnehmer noch Polizisten Pizzen bestellt - wie einige Twitter-User vermutet hatten. Der Transportkoffer war bereits leer.

Während Demonstranten weggestoßen wurden, die versuchten, durch die Polizeikette zu kommen, wurde der Pizzabote durchgelassen. Offenbar weil er höflich gefragt hatte. "Der Polizist meinte, ich würde mit meinem Roller schon durchkommen."

Etliche Menschen jubelten dem Pizzaboten zu, obwohl dieser für eine global agierende Kette arbeitet und diese für Globalisierung und Kapitalismus steht. Trotzdem: "Es war richtig gefährlich. Dort flogen auch Steine." Der Pizzabote und sein Roller blieben jedoch unversehrt und kamen wieder wohlbehalten in der Filiale in der Jessenstraße an.

Laut "Fink.Hamburg" hat der 28-Jährige am Telefon nicht besonders aufgeregt gewirkt. Vielleicht lag es aber auch daran, dass er danach Feierabend hatte.

max

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insgesamt 3 Beiträge
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awilling 07.07.2017
1. Unverantwortlich: Panik wird in Kauf genommen
Live Übertragung der G20 Demo auf N24: Nach einigen Minuten friedlicher Demo, hat die Polizei den Zug gestoppt und alle Demonstranten eingekesselt. Es war und blieb friedlich und die Presse vor Ort konnte sich die Taktik der Polizei nicht erklären. Nach einiger Zeit wurde als Grund vermummte Demonstranten genannt. Abgesehen davon, dass man aufgrund von Vermummung keine Demo stoppen muss (legal aber kann), konnte ich bei 90% des schwarzen Blocks (insgesamt ca 600-1000 von insgesamt 12000) keine "Vermummung" sehen. Die meisten trugen Hut und Sonnenbrille, keine Maske/Schal vorm Gesicht. Dann passierte wieder nichts, tausende Menschen auf engem Raum eingekesselt, wartend. Die Presse kommentierte die Stimmung sei angespannt, man frage sich wie die Polizei diese Situation auflösen möchte. Statt einer Auflösung wurden dann Wasserwerfer in die Menge gefahren, der Raum wurde noch enger und dann hat man weiter gewartet... bis irgendwer dann etwas geworfen hat, ich glaube da war so eine Stunde rum... Für mich war unfassbar, dass vom Polizeichef riskiert wurde, dass eine Panik ausbricht und Menschen ernsthaft zu Schaden kommen. Man konnte live im Fernsehen beobachten wie die Situation eskaliert.... als dann die Wasserwerfer zum Einsatz kamen: Menschen versuchen in panisch zu entkommen, Mauern hoch zu klettern, Bilder wie von der love Parade... furchtbar! Der Vermummungsgrund muss auf den Prüfstand und der Polizeichef zu Rechenschaft gezogen werden. Neben der Gefährdung von Menschenleben, schadet so ein Hardliner den demokratischen Grundwerten und dem Ansehen der Polizei.
Mach999 07.07.2017
2.
Kurios daran ist lediglich, dass die Polizei ihn durchgelassen hat. Gefährlich war das meines Erachtens auch nicht. Vor meiner Haustür gab es auch schon ein paarmal Krawalle in den letzten Jahrzehnten. 95% der Zeit während solcher Krawalle passiert gar nichts, und in den anderen 5% der Zeit machen 95% der Leute gar nichts außer herumzustehen. Und die 5%, die was tun, greifen keine Pizzaboten an. Die 5% während 5% der Zeit reichen völlig, um massive Sachschäden und auch Köperverletzungen zu verursachen. Aber man kann ganz gut einschätzen, ob es gefährlich ist. Im Fernsehen sieht das immer gefährlicher aus, weil die Kameras immer nur die Aktionen zeigen und nicht das Drumherum. Ich wäre da auch durchgefahren, wenn die Polizei mich gelassen hätte. Ist nicht besonders aufregend.
m.sielmann 07.07.2017
3. Pizzaboten steht für globalen Konzern?
Der Autor vermittelt den Eindruck, dass der Pizza-Bote Glück hatte, keinen Ärger zu bekommen, obwohl er doch für einen globaeln Konzern arbeite. Das erscheint mir eine Fehlannahme zu sein. Die G20-Kritiker kritisieren doch nicht die Lohnabehängigen, die versuchen in unserer Welt ihr Auskommen zu haben.
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