Zweites G7-Treffen auf Schloss Elmau Garmisch hat genug vom Gipfel

Ein weiteres G7-Treffen ist nach Ansicht der Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen in ihrer Gemeinde nicht wünschenswert. Das Treffen blieb zwar friedlich, doch die Einschränkungen waren »an der Grenze des Zumutbaren«.
Frau mit Rollator in Garmisch-Partenkirchen: 10.000 Polizisten waren tagelang rund um den Ort im Einsatz

Frau mit Rollator in Garmisch-Partenkirchen: 10.000 Polizisten waren tagelang rund um den Ort im Einsatz

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Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Mit Trachtenkapellen und jeder Menge Brauchtum versuchte Ministerpräsident Markus Söder die Gäste des G7-Gipfels von Bayern zu begeistern. Ob die Masche verfängt, ist unklar – vom Drumherum des Treffens der Staats- und Regierungschefs auf Schloss Elmau wollen viele Bayern selbst aber nichts mehr wissen.

Die Bürgermeisterin des betroffenen Orts Garmisch-Partenkirchen etwa, Elisabeth Koch, wünscht sich in ihrer Region keinen weiteren G7-Gipfel – zumindest nicht in dieser Form. »Denkbar ist alles, wünschenswert wäre ein dritter G7-Gipfel in diesem Format in meinen Augen nicht«, sagte die CSU-Politikerin. Ihr Ort ist nach 2015 bereits zum zweiten Mal Austragungsort geworden.

»Der Gipfel ist gottlob friedlich und harmonisch verlaufen«, sagte sie. Dennoch habe sie die Einschränkungen in ihrer Gesamtheit als »eher grenzwertig« empfunden. Die Bewegungsfreiheit der Anwohner sei massiv eingeschränkt worden – »das diente zwar zu unser aller Sicherheit, war aber dennoch an der Grenze des Zumutbaren für die Bevölkerung«. Die massive Präsenz von Einsatzfahrzeugen über Wochen und Monate war nach ihrer Einschätzung der größte Störfaktor in dem sonst bei Touristen beliebten Ort. In Garmisch hatten Geschäfte und Gaststätten teils tagelang dichtmachen müssen.

Das Treffen der Staats- und Regierungschefs an sich hatte Koch angesichts des Kriegs in der Ukraine mehrfach als wichtiger denn je bezeichnet. »Leider wurde durch die Kostendiskussion und die spürbaren Belastungen für die Bevölkerung der unschätzbare Wert dieses Gipfels und die Relevanz der Gespräche und Inhalte überschattet«, sagte sie.

Innenminister Herrmann dankt den Menschen

»Unabhängig davon, dass Garmisch-Partenkirchen auch vorher schon in aller Welt bekannt war, dokumentieren diese Bilder nochmals die Schönheit unserer Region, die wir Einheimischen seit Generationen hegen, pflegen und hoffentlich auch bewahren können«, sagte sie.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann weiß um die Belastungen für die Anwohnerinnen und Anwohner – und hat ihnen für ihre Geduld gedankt. »Das ist eine Zumutung«, sagte der CSU-Politiker mit Blick auf den Polizeieinsatz, Straßensperrungen und Kontrollen. »Jetzt können die Menschen in Garmisch wieder das Leben genießen.« Eventuell könnten sich die Touristiker in der Region infolge des Gipfels auch über steigende Umsätze freuen, sagte Herrmann.

Laut Landespolizeipräsident Michael Schwald waren rund um den Tagungsort auf Schloss Elmau bis zu 10.000 Polizistinnen und Polizisten täglich im Einsatz. Insgesamt seien rund 18.000 Beamte wegen des G7-Gipfels vor allem in München und in der Region Garmisch-Partenkirchen aktiv gewesen. In diesem Zusammenhang habe es 37 Festnahmen gegeben. 1400 Personalien seien aufgenommen worden, in elf Fällen seien Menschen in Gewahrsam genommen worden.

Innenminister Herrmann zufolge waren alle festgenommenen Demonstranten zum Ende des Gipfels aber wieder auf freiem Fuß. Die Demonstrationen in München und Garmisch-Partenkirchen rund um den Gipfel seien »weitestgehend störungsfrei und friedlich« geblieben.

Anders als etwa beim G20-Gipfel in Hamburg, bei dem sich Autonome teils heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei lieferten und ganze Straßenzüge zerstörten, war in Garmisch-Partenkirchen deutlich weniger los. Der nur geringe Andrang an Demonstranten führt dazu, dass die Bundespolizei in den vergangenen Tagen Kräfte in ostdeutsche Waldbrandgebiete verlegen konnte.

Deutschland war Gastgeber des G7-Gipfels mit Frankreich, Italien, Japan, Kanada, den USA und Großbritannien, EU-Vertretern sowie weiteren Gaststaaten. Offiziell dauerte das hochrangige Treffen mit scharfen Sicherheitsvorkehrungen, darunter Straßensperrungen und Polizeikontrollen, von Sonntag bis Dienstag. Bereits am 14. Juni begann die Bundespolizei jedoch nach eigenen Angaben mit verstärkten Kontrollen an Grenzen, Flughäfen, Bahnhöfen und in Zügen, um »gewaltbereite Störer« aufzuhalten.

apr/dpa
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