Gallup-Umfrage Zwei Drittel der US-Amerikaner befürworten Todesstrafe

Trotz Pannen-Exekutionen und hitzig geführter Debatte weltweit: Die Todesstrafe hat einen breiten Rückhalt in den USA - einer neuen Umfrage zufolge wird sie von 65 Prozent der Amerikaner befürwortet. Fast die Hälfte der Befragten findet gar, es werde zu selten hingerichtet.


Washington - Am Dienstag veröffentlichte das Gallup-Institut die Ergebnisse seiner repräsentativen Umfrage unter 1013 erwachsenen US-Bürgern. Demnach befürworten rund 65 Prozent die Bestrafung schwerer Verbrechen mit dem Tod. Gegen Hinrichtungen sprachen sich 31 Prozent der Befragten aus.

Die Zahlen überraschen nicht, denn die Zustimmung zur Todesstrafe liegt in den USA seit vielen Jahren stabil über 50 Prozent. Mitte der neunziger Jahre waren sogar bis zu 80 Prozent der Amerikaner dafür.

Erstaunen mag die Tatsache, dass fast die Hälfte der Amerikaner meinen, die Todesstrafe werde nicht oft genug angewendet - obwohl 59 Prozent einräumen, dass in den vergangenen fünf Jahren wahrscheinlich mindestens ein unschuldiger Mensch hingerichtet wurde.

Republikaner sind mit rund 80 Prozent Zustimmung deutlich stärker für die Todesstrafe als Demokraten, bei denen sich der Umfrage zufolge 48 Prozent für Hinrichtungen aussprechen.

Seit Beginn des Jahres sind in den USA 40 Todesurteile vollstreckt worden. Im September sorgte der Fall des Todeskandidaten Romell Broom für Aufsehen. Brooms Hinrichtung musste abgebrochen werden, weil das Team zwei Stunden lang keine Vene für die Todesspritze fand. Es war das erste Mal in 60 Jahren, dass ein zum Tode Verurteilter nach misslungener Exekution lebend in seine Zelle zurückgebracht wurde.

Der Vorfall hatte die nationale Debatte über tödliche Injektionen erneut angeheizt. In einem Grundsatzurteil hatte der oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten am 16. April 2008 die Hinrichtung per Giftspritze für grundsätzlich rechtens erklärt. Es handele sich nicht um eine "grausame und ungewöhnliche Bestrafung", die Anwendung der tödlichen Injektion verstoße somit nicht gegen den achten Zusatz der amerikanischen Verfassung, hieß es in der Begründung.

Ted Strickland, Gouverneur des US-Bundesstaats Ohio, setzte nach dem Debakel um Romell Broom zwei für Oktober und November geplante Exekutionen per Giftspritze aus. Man werde nach Alternativen zur Giftspritze zu suchen, teilte der Demokrat mit.

Erst am 5. Oktober 2009 hatte ein Gericht in Oklahoma City zwei wegen Mordes zum Tode verurteilte Männer freigelassen, nachdem ein wichtiger Zeuge 15 Jahre nach der Urteilsverkündung als unglaubwürdig eingestuft worden war.

Tragisch endete das Leben eines 43-Jährigen aus dem US-Bundesstaat Texas, der im September nach zehn Jahren im Todestrakt wieder freigelassen worden war: Wie die Polizei am Montag mitteilte, starb Michael Tony am Samstag bei einem Autounfall. Er war 1999 wegen Dreifachmordes zum Tode verurteilt worden, hatte aber stets seine Unschuld beteuert. Anfang September kam Tony auf freien Fuß, nachdem ein Berufungsgericht das Urteil gegen ihn aufgehoben hatte.

ala/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.