Öffentliche Schelte für Take-That-Star Gary Barlows Steuerdebakel

Gary Barlow muss um seine gesellschaftliche Reputation kämpfen. Der Take-That-Star soll gemeinsam mit Bandkollegen Millionen am Fiskus vorbeigeschleust haben. Kritiker fordern den Musiker auf, seine höchste Auszeichnung zurückzugeben.

AFP

London - Eigentlich kann es für einen britischen Popmusiker keine höhere Auszeichnung geben: Take-That-Sänger Gary Barlow durfte vor zwei Jahren nicht nur beim 60. Thronjubiläum von Queen Elizabeth II. auf der Bühne stehen. Im selben Jahr noch wurde er zudem von ihr mit dem "Order of the British Empire" (OBE), vergleichbar mit dem Bundesverdienstkreuz, ausgezeichnet. Doch nun ist sein Image durch eine Steueraffäre angeknackst - und Barlow muss um die hohe Ehrung bangen.

Was ist passiert? Über Jahre soll der Musiker zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern der Boy-Band, Mark Owen und Howard Donald, Millionensummen aus CD-Verkäufen und Tour-Erlösen am britischen Finanzamt vorbeigeschleust haben. Sie sollen das Geld in mehrere Fonds gespeist haben, die offiziell zur Unterstützung der Musikbranche deklariert waren. In Wahrheit sei das Ganze aber ein Steuersparmodell gewesen, urteilte am Freitag ein Richter. In den Fonds seien hohe Verluste angehäuft worden, die gegen die Steuerlast aus Verdiensten gegengerechnet worden seien.

Neu sind die Vorwürfe nicht, allerdings hatte ein Richter das Verfahren vor wenigen Tagen als Steuervermeidung deklariert - und damit eine erneute Debatte ausgelöst. Juristisch haben sich die Musiker zwar nichts zuschulden kommen lassen, Steuervermeidung ist auf der Insel kein Straftatbestand. Das Schlimmste, was den Take-That-Musikern passieren kann, ist daher eine Steuernachzahlung in Millionenhöhe. Das geht einigen Politikern aber nicht weit genug.

"Steuersystem ernsthaft missbraucht"

So forderte die Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses im britischen Unterhaus, Margaret Hodge, dass Barlow "Reue zeigen" und seinen OBE-Ehrung zurückgeben solle. Der konservative Charlie Elphicke sagte laut "Guardian": "Menschen, die unser Steuersystem ernsthaft missbraucht haben, sollten ihre Ehrungen zurückgeben."

Premierminister David Cameron stellte sich am Montag hinter Barlow. Er müsse seine Auszeichnung nicht zurückgeben, sein Steuerverhalten sei aber falsch. Cameron steht vor einem Dilemma: Er selbst hatte im vergangenen Jahr öffentlich massiv Steuerflucht angeprangert.

In Großbritannien tragen zahlreiche Menschen, die im Verdacht der - nicht strafbaren - Steuervermeidung stehen, vom Königshaus verliehene Ehrentitel. So haben die zu Rittern geschlagenen Gebrüder Barclay für ihr Nobelhotel Ritz in London 17 Jahre lang keine Unternehmensteuern bezahlt.

Vor nicht einmal zwei Jahren hatte Barlow seinen Umgang mit den eigenen Finanzen im "Guardian"-Interview noch so geschildert: "Es ist Jahre her, dass Geld mir etwas bedeutet hat. Es war immer einfach da."

vks/dpa



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Seite 1
jamon 12.05.2014
1. ...
Zitat von sysopAFPGary Barlow muss um seine gesellschaftliche Reputation kämpfen. Der Take-That-Star soll gemeinsam mit Bandkollegen Millionen am Fiskus vorbeigeschleust haben. Kritiker fordern den Musiker auf, seine höchste Auszeichnung zurückzugeben. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/gary-barlow-take-that-star-oeffentlich-fuer-steuervermeidung-gescholten-a-968887.html
wer hat.....gibt offensichtlich nicht so gern. wer nicht teil einer Gesellschaft sein möchte, der möchte doch bitte schön seinen ausweis abgeben und in ein land auswandern, welches z.b. die infrastruktur kostenlos anbietet. wenn ich an die kürzliche aussage von herrn hoeneß denke und das gesabber mit seinen spenden, dann darf er gerne auch gehen....
bubamara80 12.05.2014
2.
Zitat von jamonwer hat.....gibt offensichtlich nicht so gern. wer nicht teil einer Gesellschaft sein möchte, der möchte doch bitte schön seinen ausweis abgeben und in ein land auswandern, welches z.b. die infrastruktur kostenlos anbietet. wenn ich an die kürzliche aussage von herrn hoeneß denke und das gesabber mit seinen spenden, dann darf er gerne auch gehen....
Ich glaube nicht, dass jemand, der hat, grundsätzlich nichts abgeben will. Ich glaube, dass der kleine Mann brav Steuern zahlt, weil er "bloß keinen Ärger mit Behörden" will. Jemand der hat, der glaubt, dass er die Strafe, die er bekommt, falls er erwischt wird, locker zahlen kann. Oder dass er sie mit Geld verhindern kann. Dann geht er gern schon mal ein Risiko ein. Und das ist egal, ob es um Steuerhinterziehung oder um andere Straftaten geht. Vor Gericht sollten endlich alle gleich behandelt werden, dann erst würde sich so manch ein Promi mal eher überlegen, was er da so tut...
felisconcolor 12.05.2014
3. wenn das brittische Steuersystem
so etwas zu lässt, dann ist es wohl in Ordnung. Nicht fair aber ok. Jetzt mitten im Spiel die Regeln zu ändern ist aber auch nicht fair. Nicht der Steuervermeider ist hier der Kranke sondern wie immer das Steuersystem welches so etwas zulässt
kopfballungeheuer 12.05.2014
4. Und bei uns...
... wohnen oder haben sie z. B. in der Schweiz gewohnt und sich das Bundesverdienstkreuz umhängen lassen. Netzer, Westernhagen etc. pp. Schon das läßt einen als steuerehrlichen Bürger, der hier arbeitet und versteuert, fassungslos zurück. Belohnt wird man, wenn man betuppt. Und es sage jetzt keiner, die hätten alle auch nur einen Tag schlechter gelebt, wenn sie ihr Geld hier ans Finanzamt gezahlt hätten.
jamguy 12.05.2014
5. schamlos!
Den Ärmeren,Die Ihm die fette Kohle bringen gönnt Der nix?
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