Luxushunde in Thailand Gassi mit Gucci

Relaxen im Spa, gemeinsames Dinner im Wellness-Restaurant: Mit Inbrunst verhätscheln reiche Thais ihre Hunde. Mehr und mehr werden Chihuahuas, Corgis und Mastiffs in Thailand zu Statussymbolen - und das, obwohl Hundefleisch in manchen Ecken des Landes noch immer als Delikatesse gilt.

Doch, der gehört so: Boss, ein prächtiger Bichon Frisé, bei einer Hundeschau in Bangkok
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Doch, der gehört so: Boss, ein prächtiger Bichon Frisé, bei einer Hundeschau in Bangkok

Von Karl-Ludwig Günsche, Bangkok


In den Knopfaugen von Lotusblume steht die nackte Angst. Hektisch versucht sie, die Treppe ans rettende Ufer zu erreichen, doch es gibt kein Entrinnen: Auf dem Tagesplan der Yorkshire-Dame ist eine Stunde Schwimmen angesagt. Da muss sie durch. Zum Glück hat man ihr eine Schwimmweste angelegt, vorsichtshalber. Frauchen lässt sich derweil in ihrem SUV zum Shoppen fahren.

Es ist nicht immer leicht, das Leben von Thailands Luxushunden. Sie heißen Gucci, Coco oder Conchita, tragen Designerschleifchen und Halsbänder von Swarovski oder Cartier. Sie werden onduliert, pedikürt und massiert. Und zur Erholung vom Alltagsstress bringen Bangkoks Schöne und Reiche ihre Hunde in Schwimmbäder wie Doggy Doo, iTube oder Pet Paradise Park - ob sie wollen oder nicht.

Diese Hundepools würden jeder Kleinstadtvilla in Deutschland Ehre machen: Bis zu 15 mal 4 Meter groß, aufwendig gefliest, mit einer Hightech-Pumpenanlage. Eine Stunde Relaxen unter Palmen im kristallklaren Wasser kostet je nach Hundegröße ab 300 Baht (ca. 7,50 Euro) - so viel verdienen manche Arbeiter in Thailand am Tag. Im Pet Paradise Park kommt schnell nochmal so viel hinzu, wenn sich Hund und Herrchen im Spa-Restaurant jeweils ein Menü aussuchen, das sie dann an kleinen Tischen gemeinsam verzehren können.

1,5 Millionen Dollar für einen Mastiff

Wie überall auf der Welt, wo sich übersättigte Eliten gebildet haben, werden Hunde mehr und mehr zum Statussymbol - selbst in Ländern wie Thailand oder China, wo Hundefleisch gebietsweise noch immer als Delikatesse gilt. In einer von "China Daily" im März veröffentlichten Hitliste der Statussymbole rangiert der Luxushund bereits auf Platz vier - nach der standesgemäßen Nebenfrau, der Edelkarosse und dem Pilotenschein.

Bei einer Hundeschau in Baoding, einige Autostunden von Peking entfernt, brachte ein tibetanischer Mastiff seinem Züchter im März 800.000 US-Dollar ein. Vor zwei Jahren erzielte ein anderes Exemplar dieser Rasse sogar 1,5 Millionen Dollar. Züchter Zhang Ming zuckt die Achseln: "Die Leute brauchen einfach etwas Neues, um ihren Reichtum zu zeigen."

Auch in Thailand, das jährlich Tausende Hunde in die Kochtöpfe Vietnams und Chinas liefert, wächst parallel der Markt für teure Rassehunde. Und all diese Chihuahuas, Corgis oder Basenjis müssen sich natürlich standesgemäß erholen.

Schicke Cafés, Boutiquen und viel Grün

Mitten in der Hauptstadt Bangkok gibt es deshalb einen exklusiven Club für sie. Auf über 8000 Quadratmetern bietet der Petropolis Park alles, was der moderne Hund und seine Besitzer brauchen: Schicke Cafés, Boutiquen und viel Grün. Im Aqua Dog Salon & Spa kümmert sich ein japanischer Masseur um Coco und Gucci, während es sich Frauchen nebenan bei einem Latte Macchiato und einer Fußpflege gutgehen lässt. Auf einer abgetrennten Parkanlage dürfen die Hunde frei und ungestört spielen - anders als sonst in Bangkok üblich.

Dieser Luxus hat seinen Preis: Für eine Jahresgebühr von umgerechnet 525 Euro können Herrchen und Frauchen zweimal in der Woche mit ihrem Liebling in den Club gehen. Früher, sagt Besitzer Danesha Kittikanokkul, seien vor allem Ausländer gekommen. Mittlerweile seien allerdings Thais die Hauptkundschaft.

Der Trend habe sich umgekehrt, vermerkt das Fachmagazin "Shamu": Während wohlhabende Thais sich gern mit teuren Hunden präsentieren, adoptieren westliche Ausländer inzwischen lieber "Soi-Dogs" - kunterbunte Mischungen aus aller Herren Länder, die auf Bangkoks Straßen ums Überleben kämpfen.

Selbstverständlich wird der Oberklassehund in Bangkok auch entsprechend gekleidet. Ein Rucksack - wer sich's leisten kann, nimmt einen von Louis Vuitton - gehört zur Grundausstattung. Echte Hunde-Diven ernähren sich außerdem holistisch aus Designerschüsseln und haben eine eigene Duftnote im Parfumzerstäuber. Ihr Spielzeug - kleine Elefanten, Bären oder Nilpferde - ist umweltfreundlich hergestellt, mit recyceltem Innenleben und aus reiner Wolle.

Gewohntes Mineralwasser immer dabei

Auch "Wee-Wee", das kleine Stück Kunstrasen, auf dem sich der reinliche Hund in der Wohnung erleichtern kann, ist wiederverwertbar. Wenn das Tier auf Reisen geht, rät "Shamu" den Besitzern, nicht nur sein gewohntes Mineralwasser mitzunehmen, sondern auch einen auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Erste-Hilfe-Kasten. Sollte der Edelhund doch einmal krank werden: In hippen Stadtvierteln Bangkoks wie Thonglor gibt es Kliniken, die oft besser ausgestattet sind als die für die Menschen auf dem Land.

Bevor der Bangkoker Luxushund dann am Abend erschöpft in die Kissen seines Himmelbetts fällt, kann er noch einen Abstecher in die Innenstadt machen. Dort haben Thanasut Vudthivichai und seine Partnerin Nantana Sukitjai für Hund und Herrn gerade das Restaurant Coffee & Puppy eröffnet. Zwischen zehn Gerichten können Coco und Gucci, Lotusblume und Frühlingswind dort wählen. Für Herrchen ist die Speisekarte wesentlich schmaler.



insgesamt 5 Beiträge
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Altesocke 20.04.2013
1. Haben wollen, ja. Aber kuemmern?? LoL
Genausogerne, wie Thais 'schaut, ich hab nen Handtaschenhund' spielen, genausowenig kuemmern sie sich um Erziehung der Vierbeiner. Solange der Hund pflegeleicht ist, nett aussieht, und keinen grossen (persoenlichen) Aufwand erfordert, 'eidaida, eidaidai. Wenn Huendchen aber etwas aelter wird, oder nicht mehr so gut riecht, wird es ein Hundeleben. Das dann haeufig die Nachbarn mit 'Extrafutter' beenden, weil sie wirklich keine lust haben, auf das ganztaegige Geklaeffe eines Wadenbeissers, der zwischen Haustuer und Garten, eh, Parkplattor lebven muss, und sich etwas vernachlaessigt fuehlt!
blob123y 20.04.2013
2. Asoziales, kaputtes Pack,
Zitat von sysopAPRelaxen im Spa, gemeinsames Dinner im Wellness-Restaurant: Mit Inbrunst verhätscheln reiche Thais ihre Hunde. Mehr und mehr werden Chihuahuas, Corgis und Mastiffs in Thailand zu Statussymbolen - und das, obwohl Hundefleisch in manchen Ecken des Landes noch immer als Delikatesse gilt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/gassi-mit-gucci-wie-reiche-thais-in-bangkok-ihre-hunde-verwoehnen-a-894385.html
in Thailand muessen etwa 80% der Bevoelkerung mit unter Euro 200,- im Monat auskommen, Schulgeld fuer die Kinder zahlen und billiges Gemuese und manchmal ein Huhn essen da die sich etwas Anderes nicht leisten koennen. Wenn man sich das so ansieht wuenscht man sich manchmal das dieses Pack wegefegt wird denn die wenigstens haben das Geld erarbeitet sondern nur ueber kriminelle und korrupte Kanaele dem Staat gestolen und die schlimmsten Diebe ist die Politkaste.
boeseHelene 20.04.2013
3.
Zitat von blob123yin Thailand muessen etwa 80% der Bevoelkerung mit unter Euro 200,- im Monat auskommen, Schulgeld fuer die Kinder zahlen und billiges Gemuese und manchmal ein Huhn essen da die sich etwas Anderes nicht leisten koennen. Wenn man sich das so ansieht wuenscht man sich manchmal das dieses Pack wegefegt wird denn die wenigstens haben das Geld erarbeitet sondern nur ueber kriminelle und korrupte Kanaele dem Staat gestolen und die schlimmsten Diebe ist die Politkaste.
ach und sie geben alles was sie mehr brauchen als das Existenzminimum an kranke und arme ab? Bevor dies nicht der Fall haben sie keinerlei Recht andere dafür zu kritisieren was mit ihrem Geld tun.
spotmakesmyday 20.04.2013
4. Jössas!
Ich brauchte 3-4 Sekunden, bis in mir der Verdacht überhaupt aufkeimte, daß das auf dem Bild ein ECHTER Hund sein könnte! Und nicht ein monströses Plüschtier! Was haben die mit dem armen Vieh angestellt, jede Katze lacht sich doch kaputt, wenn der an ihr vorbeikommt!
sannaluna 21.04.2013
5. Das leidige Thema
ich selbst war schon 8 mal in Thailand, liebe so einige Dinge an diesem Land, aber das Hundethema tut einem schon etwas weh - die Thais lieben Schoßhunde, von lackierten Krallen ( !!!! ) über das gleichfarbige Halsband , sowie der selben Krone auf dem Haupt eines Pudels, ist der Fantasie keinerlei Grenzen gesetzt. Geht man in BKK auf den Weekend Market, findet man viele kleine Hundebabys, die an den Mann / Frau gebracht werden. Und daneben, überall im Land die Soi Dogs. Verletzt, unterernährt, von der Reute geplagte Haut, kahle Stellen, die durch die Sonneneinstrahlung oft mit verheerendem Hautkrebs überzogen ist. Diese Hunde gelten in Thailand als Abschaum, obwohl der König persönlich eine solche Straßenhündin hat und dafür wirbt, wie toll diese Hunde sind. Ich habe selbst ein Straßenexemplar aus Thailand zuhause, das seit drei Jahren und ich muss sagen, dass ich mich immer wieder dazu entscheiden würde. Er ist durch seine Straßenvergangenheit sozialisiert, das Einleben nach viermonatiger Quarantäne war schnell vorbei, er gehört zu uns und wir lieben diesen Hund, denn er ist schlicht ein cooler Bursche. Er war ei Jahr alt, als wir uns begegneten, er entschied sich für uns, war drei Wochen unser Begleiter, die Entscheidung ihn nicht seinem Schicksal zu überlassen trafen wir kurz vor der Abreise. Wir schipperten auf die Insel Koh Samui, dort kümmert sich Brigitte Gomm um Straßenhunde, dort war er auch in Quarantäne. Nach der Saison passiert eines und das ist : die Regierung stellt Rattengift zur Verfügung, die Köder werden ausgelegt, die Soi´s fressen diese Köder, verenden langsam und werden dann eingesammelt und verbrannt, da es auf nur wenigen Inseln "Geburtenkontrollen" mittels Kastration / Sterilisation gibt. Ich habe das mit eigenen Augen gesehen. Die Thais lieben die Schoßhunde, geben viel Geld aus , aber die Straßenhunde, die Soi Dogs gelten als dreckig, gefährlich, ect. Übrigens : mein Hund ist sehr freundlich, bellt kaum, ist offen und aufgeschlossen, bis auf eine Ausnahme : sieht er einen Thai, stellt er den Kamm und Knurrt und ich muss sehen, dass er bei mir bleibt. Gemachte Erfahrung ? Das sagt schon einiges......
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