Verhütung Melinda Gates fordert den Vatikan heraus

Melinda Gates ist gläubige Katholikin und Mutter von drei Kindern. Das hält sie aber nicht davon ab, sich in Sachen Verhütung mit dem Vatikan anzulegen. Auf einem Familienplanungsgipfel in London erklärte sie die Hilfe für Frauen in Entwicklungsländern zu einer Lebensaufgabe.
Melinda Gates und Premier David Cameron auf dem Familienplanungsgipfel in London

Melinda Gates und Premier David Cameron auf dem Familienplanungsgipfel in London

Foto: SUZANNE PLUNKETT/ REUTERS

London - 560 Millionen Dollar stellte Melinda Gates in Aussicht. Auf dem internationalen Familienplanungsgipfel in London kündigte sie am Mittwoch an, die Gates-Stiftung wolle mit dem Geld Frauen in den ärmsten Ländern der Welt einen besseren Zugang zu Verhütungsmitteln verschaffen. Insgesamt sollen zu diesem Zweck 4,3 Milliarden Dollar von der britischen und verschiedenen afrikanischen Regierungen zur Verfügung gestellt werden.

Derzeit leben geschätzte 7.057.608.000 Menschen auf der Erde. Allein in Afrika soll sich die Zahl noch in diesem Jahrhundert auf 3,5 Milliarden verdreifachen, prognostiziert die "Stiftung Weltbevölkerung". Grund sei vor allem die große Zahl ungewollter Geburten.

Auf dem Gipfel in London wurde ein Programm verabschiedet, das sich an die geschätzt 120 Millionen Frauen wendet, die verhüten möchten, aber aus verschiedenen Gründen nicht können. Die Unterstützer der Initiative gehen davon aus, dass es allein im laufenden Jahr zu 80 Millionen unerwünschten Schwangerschaften in Entwicklungsländern kommen wird.

Demnach sterben jeden Tag 800 Frauen an den Folgen von Schwangerschaftskomplikationen - bei heranwachsenden Mädchen und Frauen in den armen Ländern die häufigste Todesursache. Gates bezeichnete es als ein Verbrechen, dass in den ärmsten Regionen der Welt Verhütungsmittel nicht zu bekommen seien und sich internationale Programme aus Scheu vor Konflikten von dem Thema abgewendet hätten.

"Wenn ich reise und mit den Frauen in aller Welt rede, sagen sie mir, dass der Zugang zu Verhütungsmitteln über Leben und Tod entscheiden kann", erklärte Gates in London. Man müsse diesen Frauen eine Stimme und die Möglichkeit geben, sich und ihren Familien ein besseres Leben aufzubauen.

Die Kosten sind enorm: Allein um die Abgabe von Verhütungsmitteln an 260 Millionen Frauen in 69 Ländern für die kommenden acht Jahre zu garantieren, sind zehn Milliarden Dollar nötig.

Vertreter der Regierungen und Hilfsorganisationen begrüßten, dass die von Microsoft-Gründer Bill Gates und seiner Frau ins Leben gerufene Stiftung endlich eine Debatte neu eröffnete, die seit den Zwangssterilisationen in Indien in den Siebzigern und der Einführung der Einkindpolitik in China nichts an Brisanz eingebüßt habe.

"Ich bin katholisch, aber ich glaube an Verhütung"

In den Vereinigten Staaten wurde Gates für ihr Engagement von katholischen Hardlinern kritisiert. Die Position des Vatikans in Sachen Empfängnisverhütung ist eindeutig. Auf die Frage, wie die Kampagne die katholische Kirche für ihr Programm einnehmen könne, sagte der britische Premierminister David Cameron: "Die Antwort liegt in der Stärke unserer Argumente."

Seit sie angekündigt habe, sich verstärkt dem Programm widmen zu wollen, hätten sie Tausende E-Mails und Blog-Einträge von katholischen Frauen erreicht, unter ihnen auch Nonnen, erklärte Gates. Einhellig sei die Meinung gewesen: "Ich bin katholisch, aber ich glaube an Verhütung."

"Eine Kirche besteht aus ihren Mitgliedern und eines, was diese Kampagne erreichen kann, ist, dass Frauen ihren Mund aufmachen." Die Diskrepanz zwischen dem, was Bischöfe im Westen sagen und die Gläubigen denken, sei groß. "In meinem Land sagen 82 Prozent der Katholiken, Empfängnisverhütung sei moralisch akzeptabel. Lassen wir also die Frauen in Afrika selbst entscheiden."

Natürlich habe sie mit einer Konfrontation gehadert. "Aber ich muss dafür sorgen, dass Frauen überleben. Dies wird mein Lebenswerk sein."

ala/Reuters