WM-Party in Berlin Mustafi nennt Kritik am Gaucho-Tanz "respektlos"

Noch einmal #Gauchogate: Nationalspieler Shkodran Mustafi hat sich Kritik an der Tanzeinlage bei der WM-Party verbeten. Er empfinde es als "lächerlich und respektlos", was über ihn und die DFB-Elf geschrieben werde.
Ärgert sich über Kritik an seinem Auftritt: Nationalspieler Shkodran Mustafi

Ärgert sich über Kritik an seinem Auftritt: Nationalspieler Shkodran Mustafi

Foto: Matthias Hangst/ Getty Images

Berlin - Im Austeilen spitze, im Einstecken weniger: Nach der Kritik am "Gaucho-Tanz" bei der großen WM-Party am Brandenburger Tor zeigen sich einige Nationalspieler verschnupft. "Ich finde das einfach lächerlich und respektlos uns gegenüber, dass man so was dann in den Medien schreibt", sagte Abwehrspieler Shkodran Mustafi am Mittwoch dem Radiosender hr3. Seine Kollegen und er hätten niemanden lächerlich machen wollen: "Wir sind Weltmeister geworden. Wir wollten feiern. Für uns war das einfach ein Gesang."

Auch Lukas Podolski, der selbst nicht an dem Tanz teilgenommen hatte, meldete sich zu Wort: "Es gibt immer Leute, die was zu meckern haben", sagte der Nationalspieler.

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Angeführt von Vorsänger Miroslav Klose hatten Torhüter Roman Weidenfeller, Shkodran Mustafi, André Schürrle, Mario Götze und Toni Kroos bei der Siegerparty vor dem Brandenburger Tor einen beliebten Fangesang auf die unterlegenen Argentinier umgedichtet. In gebeugter Haltung sangen sie "So geh'n die Gauchos", um später aufgerichtet hinzuzufügen: "So geh'n die Deutschen".

Danach wurde Kritik an dem Verhalten der Weltmeister laut. Mehrere deutsche Medien kritisierten den "Gaucho-Tanz" unter anderem als "Schnapsidee " ("Welt.de") oder als "üble Persiflage " (Faz.net). Auf SPIEGEL ONLINE hieß es in einem ersten Bericht am Dienstagmittag, die Nationalspieler hätten die Argentinier "verhöhnt" (Das internationale Presseecho zum Gaucho-Tanz finden Sie hier). Argentinische Spieler und Verantwortliche äußerten sich nicht kritisch zu der Aktion.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach verteidigte das Verhalten der Spieler: "Es tut uns leid, wenn dies bei einigen falsch und missverständlich rübergekommen ist", wird Niersbach in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zitiert . Er will Argentiniens Verbandschef Julio Grondona demnach "einen Brief schreiben und noch mal deutlich machen, dass die Aktion in keinster Weise despektierlich gemeint war. Wir haben größten Respekt vor Argentinien, beste Beziehungen zum dortigen Verband und freuen uns auf das baldige Wiedersehen beim Länderspiel in Düsseldorf." Die Neuauflage des WM-Endspiels von Rio de Janeiro findet am 3. September statt.

In Argentinien hatte die Szene geteiltes Echo hervorgerufen. Während einige Zeitungen Verständnis für den Überschwang der deutschen Spieler äußerten, schrieb etwa "Diario Olé" von einer "polemischen" Geste. "Sie schauen von oben herab und sehen sich als andere Rasse", hieß es dort. Der in Argentinien bekannte uruguayische Sportjournalist Victor Hugo Morales bezeichnete die Gaucho-Tänzer in seiner Sendung als "ekelhafte Nazis". Der Uruguayer ist für seine pointierten politischen Kommentare bekannt; während der WM hatte er gemeinsam mit dem argentinischen Fußball-Idol Diego Maradona eine Fußballsendung im venezolanischen Fernsehsender Telesur moderiert.

In den sozialen Netzwerken wurde die Aktion auch am Mittwoch hitzig diskutiert. Unter dem Hashtag #gauchogate überwogen dabei allerdings bei Weitem jene Kommentare, die die Nationalspieler in Schutz nahmen. "Armes Presse-Deutschland .... Wie kann man selbst den größten Erfolg kaputt machen wollen?", fragte etwa der ehemalige Weitsprung-Europameister Sebastian Bayer. "Unsportlich, aber kein neuer Nationalismus", twitterte der Grünen-Politiker Jürgen Trittin. (Einen Überblick über die Reaktionen im Netz finden Sie hier.)

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jbe/dpa/