Gedenkfeier für getötete Polizisten in Kusel »Die Fassungslosigkeit gemeinsam tragen«

In einer ökumenischen Trauerfeier haben in Kusel Hunderte Menschen der beiden getöteten Polizisten gedacht. Es gehe darum, die Gefühle von Angst und Wut auszuhalten, sagt die Pastorin.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Gedenkens für die getöteten Polizisten vor der Stadtkirche von Kusel

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Gedenkens für die getöteten Polizisten vor der Stadtkirche von Kusel

Foto: Harald Tittel / dpa

Zwei Kerzen brennen auf dem Altar der Stadtkirche Kusel, sie sollen die Lebenslichter der getöteten Polizisten symbolisieren. Als um 19 Uhr die Trauerfeier für die beiden beginnt, ist in der Kirche schon seit gut einer Stunde kein Platz mehr frei. Mehrere Hundert Menschen haben sich auf dem Marktplatz vor der Kirche versammelt, per Lautsprecher wird die Veranstaltung nach draußen übertragen.

Keine Predigt gibt es hier an diesem Abend, auch die eindrucksvolle Orgel schweigt. »Die Stille soll wirken können«, sagte die evangelische Pfarrerin Isabell Aulenbacher, 48 Jahre alt, kurz vor der ökumenischen Feier.

Es ist die Stille nach dem Tod zweier junger Menschen, Polizeianwärterin Yasmin D., 24 Jahre alt, und Oberkommissar Alexander K., 29 Jahre alt. Sie wurden nur wenige Kilometer entfernt erschossen. Dass sie hier in der Gegend starben, war letztlich ein furchtbarer Zufall, bei der Kontrolle eines Fahrzeugs auf einer Kreisstraße verloren sie ihr Leben. Aber deshalb findet die Trauerfeier am Donnerstagabend in der klassizistischen Kirche von 1832 im Ortskern von Kusel statt.

Aulenbacher gehörte wie der Dekan Lars Stetzenbach zum Notfallseelsorgeteam, das die Beamten der Polizeidienststelle Kusel nach der Tat betreute. »Fassungslosigkeit, eine tiefe Schockiertheit angesichts der Brutalität und eine unheimliche Bedrückung« hätten sie bei den Beamten der Polizeidienststelle empfunden, sagt Stetzenbach. »Wir haben uns bemüht, diese Gefühle gemeinsam mit den Beamten zu tragen und auszuhalten.«

Die Taten auszuhalten, darum geht es in diesen Tagen viel in Kusel. Es ist nicht nur der Tod der Polizisten. Es ist, das sagen viele, auch das junge Alter der beiden, die ihr Leben verloren, weil andere ihr eigenes nicht geregelt bekamen. Der Tatort, ein Parkplatz auf einer nahegelegenen Kreisstraße, neben einem Truppenübungsplatz, wurde zum viel besuchten Trauerort. Die Kirche und der Platz davor sind es an diesem Abend. »An den Grenzen des Lebens und seinen Übergängen zeigt sich die Wichtigkeit der Kirche, um den Gefühlen Raum und Trost zu geben«, sagt Aulenbacher vor der Feier. Ihren Gefühlen Raum geben wollen viele der 5400 Einwohner von Kusel.

Ökumenische Gedenkfeier in der Stadtkirche Kusel

Ökumenische Gedenkfeier in der Stadtkirche Kusel

Foto: Harald Tittel / dpa

Nach einem kurzen Gebet, einigen Worten und etwas Klaviermusik bläst die Pfarrerin die beiden Kerzen auf dem Altar aus. Die wenigen Worte, die dann gesprochen werden, handeln von Angst, Wut, Zerrissenheit, Trauer. Immer wieder längere Pausen, dann, nach dem Satz »Herr, in mir ist es finster, aber bei Dir ist das Licht«, werden die Kerzen entzündet, die jeder Kirchenbesucher am Eingang zu Beginn bekommen hatte. Einige Polizisten in Uniform sind unter den Besuchern, am Freitag soll in einer nahegelegenen Halle eine polizeiinterne Trauerfeier stattfinden.

Kondolenzbücher für die Hinterbliebenen

Am Kircheneingang liegen zwei Kondolenzbücher aus, sie sollen in den kommenden Tagen den Hinterbliebenen der 24-Jährigen und des 29-Jährigen zugestellt werden. Die Kollekte ist für die Familien und die betroffenen Kollegen bestimmt, sagt Dekan Stetzenbach kurz vor Ende der Veranstaltung. Die Kerzen, die verteilt wurden, solle jeder mit nach draußen nehmen. Wer noch ein Gespräch suche, könne einen der fünf Seelsorger ansprechen.

Der Kantor am Klavier singt »You’ll never walk alone«. Hier, an diesem Abend und in diesem Moment, hat diese Interpretation nichts von einem Fußball-Gassenhauer. Dann ist die Feier vorbei. Drinnen bleiben die Menschen sitzen und schweigen. Draußen stehen sie still. Dann bilden sich Schlangen vor den Kondolenzbüchern. Gegen 20.30 Uhr ist der Marktplatz vor der Kirche leer. Hunderte Kerzen stehen auf dem Pflaster.

tgk
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