LKA Sachsen bestätigt Verdacht Gefälschte Stauffenberg-Briefe im Dresdner Bundeswehrmuseum aufgetaucht

Das Militärhistorische Museum in Dresden hat Dokumente zum Hitler-Attentat vom 20. Juli gekauft. Nach Ermittlungen des sächsischen Landeskriminalamts stammen jedoch mindestens zwei Schreiben aus der Nachkriegszeit.
Militärhistorisches Museum in Dresden

Militärhistorisches Museum in Dresden

Foto: Oliver Killig/ picture alliance / dpa

Es ist der Albtraum aller Museen: Fälschungen in den Beständen. Nun hat es das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden erwischt, nach eigenen Angaben eines der bedeutendsten Geschichtsmuseen Europas. Es geht um die Deckblätter von zwei Dienstschreiben – angeblich von 1942 und 1943, beide von Claus Schenk Graf von Stauffenberg unterzeichnet, dem Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944.

Das Museum hatte die Dokumente 2019 im Rahmen der Sonderausstellung »Der Führer Adolf Hitler ist tot« gezeigt, die den gescheiterten Umsturzversuch thematisierte. Knapp 30.000 Besucher sahen die Schau. Nach einem Hinweis von Johannes Tuchel, dem Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, waren die Briefe damals aus der laufenden Ausstellung entfernt worden.

Einer trug eine falsche Hausnummer im Briefkopf; eine Bendlerstrasse 54 in Berlin hat es damals nicht gegeben. Auch soll Stauffenberg – seinerzeit Chef des Stabes des Allgemeinen Heeresamtes – in diesem Dienstschreiben den Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium Friedrich Landfried mit »Verehrter Parteigenosse« angesprochen haben, obwohl Stauffenberg kein NSDAP-Mitglied war.

Das Landeskriminalamt Sachsen (LKA) hat nun im Rahmen eines Amtshilfeersuchens des Museums die Schreiben untersucht und den Fälschungsverdacht bestätigt, wie Museumsdirektor Armin Wagner und Kurator Magnus Pahl in der neuesten Ausgabe der »Militärgeschichtlichen Zeitschrift« berichten. Die Briefe seien zweifelsfrei Falsifikate und stammten aus der Zeit nach 1945. Das LKA ist etwas vorsichtiger in seiner Bewertung und erklärt, es handele sich »mit hoher Wahrscheinlichkeit« um Fälschungen.

Wagner und Pahl verweisen in ihrem Aufsatz darauf, dass offenkundig schon seit Mitte der Nullerjahre vergleichbare gefälschte Dokumente im Umlauf seien. Es würden Deckblätter mit den Unterschriften bekannter Persönlichkeiten nachgemacht und verkauft. Vermutlich gehen der oder die Fälscher davon aus, dass bei gefakten Deckblättern das Risiko geringer ist, dass diese als Fake enttarnt werden. Das Nachmachen umfangreicher Schriftstücke erfordert hingegen genaue Kenntnis historischer Sachverhalte.

Das Dresdner Museum hatte die zwei Stauffenberg-Schreiben 2015 von der Förderstiftung für Kunst und Wissenschaft in Neubrandenburg erworben, nach eigenen Angaben gemeinsam mit 24 weiteren Dokumenten. Die Papiere waren nach Angaben von Pahl und Wagner in eine Ledermappe mit dem Aufdruck »20. Juli 1944« eingeheftet. Die Stiftung erklärt gegenüber dem SPIEGEL, ihr sei bislang nicht bekannt gewesen, dass die Papiere gefälscht seien; sie habe diese 2008 in gutem Glauben »aus einer privaten Sammlung« gekauft. Es sei unverständlich, dass das Dresdner Museum nicht an die Stiftung herangetreten sei und diese über den Fälschungsverdacht informiert habe.

Widerständler Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Widerständler Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Foto: HANDOUT / AFP

Über Details des Ankaufs machen die Stiftung und die Museumsleute in ihrem Aufsatz einander widersprechende Aussagen. Das Museum hat bereits am 27. Oktober 2020 Strafanzeige wegen des Verdachts des Betrugs gestellt. Unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen will es sich nicht weiter äußern. Das LKA untersucht noch weitere Dokumente aus dem Ankauf.

klw/stw