Geheimdienst-Vergangenheit Vatikan ärgert sich über neuen Warschauer Erzbischof

Offiziell steht der Vatikan zu Stanislaw Wielgus. Hinter vorgehaltener Hand jedoch äußern sich hochrangige Würdenträger verärgert über den neuen Warschauer Erzbischof. Dessen Eingeständnis, einst mit dem kommunistischen Geheimdienst zusammengearbeitet zu haben, könnte dem Papst schaden.


Rom - Im Vatikan herrscht Presseberichten zufolge Betretenheit und Verärgerung über den Fall des neuen Warschauer Erzbischof Stanislaw Wielgus. Wie die römische Zeitung "La Repubblica" berichtete, äußerten sich Kurienmitlieder inoffiziell besorgt, dass dabei auch das Ansehen von Papst Benedikt XVI. beschädigt werden könnte. Vor allem nach dem jüngsten Eingeständnis Wielgus, mit dem ehemaligen polnischen Geheimdienst zusammengearbeitet zu haben, laufe Benedikt Gefahr, eine "schlechte Figur zu machen", schreibt das Blatt.

"Schrecklicher Amtsbeginn": Stanislaw Wielgus
DPA

"Schrecklicher Amtsbeginn": Stanislaw Wielgus

Zwar wolle es niemand im Vatikan öffentlich sagen, "aber die Verärgerung ist groß", heißt es. Unter polnischen Kurienmitgliedern gebe es die Forderung, dass Wielgus zurücktreten solle. "Erzbischof von Warschau und ein solcher Amtsbeginn, das ist schrecklich", sagte Adam Boniecki, ehemaliger Leiter der polnischen Ausgabe der Vatikanzeitung "L'Osservatore Romano".

Offiziell teilte der Vatikan lediglich vor einigen Tagen mit, man habe bei der Entscheidung zur Ernennung des Erzbischofs "alle Umstände seines Lebens untersucht, auch die, die mit seiner Vergangenheit in Zusammenhang stehen." Ausdrücklich fügte der Vatikan hinzu: "Das bedeutet, dass der Heilige Vater vollstes Vertrauen in Stanislaw Wielgus hat".

Morgen findet die feierliche Amtseinführung des 67-jährigen Wielgus statt. Dieser äußerte gestern öffentlich Reue über seine Verfehlung. Er habe seinerzeit mit dem Geheimdienst zusammengearbeitet, um weiter ins Ausland reisen zu können. Er habe aber niemanden an den Geheimdienst verraten und habe durch seine Kontakte niemandem geschadet. In einem heute in allen Kirchen verlesenen Hirtenbrief bat er nochmals um Verständnis für seine Geheimdienst-Verstrickungen.

"Ich trete heute vor die Schwelle der Warschauer Kathedrale mit einer schweren Belastung des Gewissens, die in den letzten Tagen nicht nur für mich, sondern auch für Euch zu einer großen Prüfung geworden ist", bekannte er in dem Brief, der auf der Internetseite des polnischen Episkopats auch in deutscher und italienischer Übersetzung veröffentlicht wurde.

Polens katholische Kirche hatte Wielgus der Spionage beschuldigt. Es lägen ausreichende Beweise vor, dass Wielgus in der kommunistischen Ära als williger Informant diente, teilte die Kirche mit. Kommentatoren sprachen von dem größten Skandal innerhalb der polnischen Kirche seit dem Ende der Sowjetunion.

In den 80er Jahren unterstützte die katholische Kirche die pro-demokratische Solidarnosc-Bewegung. Papst Benedikts in Polen geborener Vorgänger Johannes Paul II. spielte eine bedeutende Rolle beim Fall des Kommunismus in Polen im Jahr 1989.

phw/dpa/reuters



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.