"Geißel der Gesellschaft" Papst sieht Missbrauch nicht nur in der Kirche

Sexueller Missbrauch sei eine "Geißel", sagt Papst Benedikt XVI. - allerdings nicht nur in der katholischen Kirche: Er ziehe "alle Ebenen der Gesellschaft in Mitleidenschaft". Das Kirchenoberhaupt hofft nun, dass "die gewissenhaften Bemühungen" der Kirche, damit umzugehen, ein Vorbild sein können.

Papst Benedikt XVI.: "Missbrauch durchzieht alle Ebenen der Gesellschaft"
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Papst Benedikt XVI.: "Missbrauch durchzieht alle Ebenen der Gesellschaft"


Rom/Berlin - Bei einer Audienz für amerikanische Bischöfe hat Papst Benedikt XVI. am Samstag für alle öffentlichen Institutionen die gleichen hohen Maßstäbe im Umgang mit sexuellem Missbrauch gefordert. Nicht nur die katholische Kirche solle dazu angehalten werden, sagte der Papst, der den Kindesmissbrauch als Geißel der Gesellschaft verurteilte. Gleichzeitig verteidigte er den Umgang der Kirche mit den Skandalen, die in den USA und anderswo den Glauben von Katholiken erschüttert haben.

"Es ist meine Hoffnung, dass die gewissenhaften Bemühungen der Kirche, mit dieser Realität umzugehen, einer breiteren Gesellschaft helfen werden, die Ursachen, das wahre Ausmaß und die erschütternden Folgen sexuellen Missbrauchs zu erkennen und effektiv auf diese Geißel zu antworten, die alle Ebenen der Gesellschaft in Mitleidenschaft zieht", sagte der Papst.

Gleichzeitig gestand er ein, dass die vielen Skandale die Gläubigen in den USA verunsichert hätten. Seine USA-Reise im Jahr 2008 sei auch dazu gedacht gewesen, Katholiken dort im Lichte der Skandale zu bestärken, die in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur die USA, sondern auch mehrere europäische Länder erfasst hatten. Anschuldigungen von Opfern und deren Vertretern, wonach die Kirchenführer systematisch versucht hätten, die Skandale zu vertuschen, sprach er nicht an. Ähnlich wie bei Treffen mit Missbrauchsopfern in der Vergangenheit betonte Benedikt XVI., er erkenne das Leiden dieser Menschen an. Zudem wies er auf die ehrlichen Bemühungen hin, Kinder zu schützen und mit Anschuldigungen gegenüber Kirchenvertretern angemessen und transparent umzugehen.

kuz/dapd

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kellitom 26.11.2011
1. Vor der eigenen Tür kehren
Bevor sich Herr Ratzinger über Mißbrauch in der Gesellschaft kümmert, sollte er vor der eigenen Tür kehren und den Opfern des Mißbrauchs durch katholische Priester eine angemessene Entschädigung zukommen lassen.
waldemar.l. 26.11.2011
2. Ist das...
Zitat von sysopSexueller Missbrauch sei eine "Geißel", sagt Papst Benedikt XVI. - allerdings nicht nur in der katholischen Kirche: Er ziehe "alle Ebenen der Gesellschaft in Mitleidenschaft". Das Kirchenoberhaupt hofft nun, dass "die gewissenhaften Bemühungen" der Kirche, damit umzugehen, ein Vorbild sein können. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,800126,00.html
...jetzt arrogante Dummheit oder dumme Arroganz. Schon zeigt wieder dieser veraltete katholisch Finger auf andere, nichts anderes ist da von denen zuerwarten.
Edgard 26.11.2011
3. Vorbild?
"dass "die gewissenhaften Bemühungen" der Kirche, damit umzugehen, ein Vorbild sein können." Ist dieser Mann wirklich so verblendet, dumm oder einfach nur verlogen? Ein weiteres Beispiel dafür daß (diese) Religion und seine Kirche in Sachen Moral und Eerte nur als abschreckendes Beispiel gut sind... "... Die Klageanträge aus Anlass von Straftaten der Vertreter der katholischen Kirche bei den internationalen Gerichtshöfen in Europa häufen sich allmählich. Nachdem Opferanwälte von Missbrauchsbetroffenen im vergangenen Februar eine 59 Seiten umfassende Strafanzeige gegen den Papst persönlich beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag eingereicht hatten, wird als nächstes eine Sammelklage gegen die Bundesrepublik Deutschland beim EGMR in Straßburg eingehen. ... Das Urteil von Denef über den Runden Tisch der Bundesregierung zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch, der am 30. November 2011 zum letzten Mal tagen will, könnte deutlicher kaum sein. "Gescheitert" sei das Gremium, sagte Denef. Denn erst auf Druck sei dieser Runde Tisch überhaupt zustande gekommen und er hob schließlich "die Kirchen in den Stand der Aufklärer, die dann zusammen mit der CDU den Kurs bestimmten, während die Opfer zuerst gar nicht repräsentiert waren", doch damit durfte "die Täterorganisation Kirche durfte das Signal aussenden: Wir klären auf!"" http://hpd.de/node/12367
cassandros 26.11.2011
4. ein "gewisser" Herr
Zitat von sysopSexueller Missbrauch sei eine "Geißel", sagt Papst Benedikt XVI. - allerdings nicht nur in der katholischen Kirche: Er ziehe "alle Ebenen der Gesellschaft in Mitleidenschaft". Das Kirchenoberhaupt hofft nun, dass "die gewissenhaften Bemühungen" der Kirche, damit umzugehen, ein Vorbild sein können. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,800126,00.html
Nun wäre es aber höchst interessant, wenn einmal Sozialpsychologen wissenschaftlich untersuchten, ob es einen, und falls ja, welchen Zusammenhang es zwischen Religiosität und Mißbrauchsverhalten gibt. Falls ein Zusammenhang erkennbar ist, welcher Zusammenhang mit der Art der Religion (Christentum, Buddhismus, ....) besteht. Wäre doch interessant zu wissen. "Gewissenhaft" und "vorbildlich". Ja, gewiss doch: - http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,683990,00.html - http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-12/missbrauch-kirche-vertuschung
MonaM 26.11.2011
5. Fragt sich nur in welcher Hinsicht
Zitat von sysopSexueller Missbrauch sei eine "Geißel", sagt Papst Benedikt XVI. - allerdings nicht nur in der katholischen Kirche: Er ziehe "alle Ebenen der Gesellschaft in Mitleidenschaft". Das Kirchenoberhaupt hofft nun, dass "die gewissenhaften Bemühungen" der Kirche, damit umzugehen, ein Vorbild sein können. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,800126,00.html
Wie jede "Geißel" dieser Art, d.h. Straftat, ist es der Mensch, der sich dazu entscheidet, entsprechend zu handeln. Sexualverbrechen sind keine Naturkatastrophe, die "über die Menschen kommt", sondern individuelle Taten einzelner verantwortlicher Menschen. Die "gewissenhaften Bemühungen" haben bisher ein paar hochrelevante Bereiche ausgespart, bei denen die "Schäfchen" dringend auf Reformen warten: - die Sexualmoral der Kirche - die Benachteiligung der Frauen - das Zölibat - der menschenfeindliche Umgang mit Homosexuellen und Menschen in Krisensituationen (Scheidung, Abtreibung) um nur einige zu nennen. Die "Schafherde" wird wohl vergeblich darauf warten.
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