Neuer »Walk of Fame« in Gelsenkirchen Ein bisschen Hollywood im Pott

Mitten im Ruhrgebiet wird ein »Walk of Fame« entstehen, hat der Stadtrat von Gelsenkirchen beschlossen. Wat soll dat denn?
Ein Interview von Hannes Schrader
Verkleideter Straßenkünstler auf dem »Hollywood Walk of Fame« in Los Angeles: Das Original

Verkleideter Straßenkünstler auf dem »Hollywood Walk of Fame« in Los Angeles: Das Original

Foto: Imaginechina-Tuchong / IMAGO

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SPIEGEL: Herr Klug, Gelsenkirchen soll einen »Walk of Fame« bekommen. Das Ganze war Ihre Idee. Warum braucht es so was?

Klug: Weil Gelsenkirchen ganz viele herausragende Personen hervorgebracht hat: die Chanson-Sängerin Claire Waldoff etwa, den Nobelpreisträger Harald zur Hausen oder unseren Nationaltorhüter Manuel Neuer. Ich finde, wir machen uns als Stadt manchmal kleiner, als wir wirklich sind. Wir wollten das Selbstbewusstsein haben zu zeigen, wer hier alles herkommt. Wir als FDP haben den Vorschlag vor fast zehn Jahren schon mal eingereicht. Ich glaube, damals haben die anderen Ratsmitglieder noch gedacht, das ist so eine Spaßidee.

SPIEGEL: Es klingt durchaus nach einer Spaßidee.

Klug: Ja, aber wir meinen das schon sehr ernst. Wir sind davon überzeugt, dass insbesondere der Ort, wo der Walk of Fame entlangführen soll, im Norden der Stadt, wichtig ist. Das ist der Schulweg für die Kinder von gleich vier Schulen, und der Walk of Fame könnte ihnen zeigen: Ihr kommt aus Gelsenkirchen, und das kann aus euch werden.

SPIEGEL: Gelsenkirchen ist eigentlich für seine Kohlevergangenheit bekannt, aber nicht für seinen Glamourfaktor, oder?

Klug: Ja, das sagen viele. Wir sind die Stadt der tausend Feuer, der Bergbau hat hier eine wichtige Tradition, aber wir sind nicht nur Kohle, wir können auch viel mehr.

SPIEGEL: Wen wollen Sie alles ehren?

Klug: Die bekanntesten sind die Fußballer, ich sprach ja schon von Manuel Neuer. Natürlich gibt es auch ganz viele Künstler, Anton Stankowski, der das Logo der Deutschen Bank gestaltet hat, oder Thomas Such, der Sänger der Metalband Sodom, die auch weltbekannt ist. Und es gibt Schauspieler, die aus Gelsenkirchen kommen, Martin Wuttke zum Beispiel.

SPIEGEL: Was ist mit Mesut Özil?

Klug: Sicherlich auch! Er kommt aus Gelsenkirchen und ist Fußballweltmeister. Aber über die Wahl der Personen soll eine Kommission entscheiden. Wir planen jetzt die ersten drei Platten mit Claire Waldoff, Anton Stankowski und Rolf Glasmeier, einem Künstler, der in Gelsenkirchen viel gestaltet hat. Wir sind aber auch offen für weitere Ideen, wenn uns das Institut für Stadtgeschichte oder das Kulturreferat etwas vorschlägt.

SPIEGEL: Gibt es irgendwelche Kriterien für die Ehrung?

Klug: Nein, die erarbeiten wir noch. Die Personen sollen möglichst in Gelsenkirchen geboren sein oder den größten Teil ihres Lebens hier verbracht haben, das streben wir an. Also nicht nur zwei Jahre hier gelebt haben.

»Wir machen das jetzt nicht, um Marco Buschmann ehren zu können.«

SPIEGEL: Sind Sie gebürtiger Gelsenkirchener?

Klug: Ja.

SPIEGEL: Sie könnten da also auch eines Tages liegen?

Klug: Ich sehe mich da nicht als herausragende Persönlichkeit Gelsenkirchens, da gibt es andere.

SPIEGEL: Wie soll der Walk of Fame denn aussehen?

Klug: Ganz klassisch, wie man sich einen Walk of Fame vorstellt: Wir haben einen sehr breiten Bürgersteig an der Stelle, und dort sollen Platten eingelassen werden. Ob es ein Stern wird wie in Hollywood oder eine Eigenmarke Gelsenkirchen, müssen wir noch entscheiden. Wir wollen regionale oder lokale Künstler mit Entwürfen beauftragen, wie der »Stern« letztlich aussehen könnte. Der Name muss sichtbar sein, und es sollte deutlich werden, was die Persönlichkeit gemacht hat – Nobelpreisträger, Sportler, Musiker, Künstler.

SPIEGEL: Und das Material?

Klug: Da kann man verschiedene nehmen, das haben wir noch offen gelassen – klassische Bodenplatte aus Granit oder Naturstein oder Beschläge aus Kupfer, Messing. Da hat man aber Verkehrssicherungspflichten, damit es nicht zu glatt wird!

SPIEGEL: Wann planen Sie die Eröffnung?

Klug: Umgesetzt werden soll es im nächsten Jahr, wir wollen Mitte 2022 den ersten Stein setzen. Das Ganze wird erst mal wohl rund 20.000 Euro kosten, für Konzept, Steine und die weitere Planung.

SPIEGEL: Der designierte Bundesjustizminister Marco Buschmann ist Vorsitzender Ihres FDP-Kreisverbands. War seine Prominenz jetzt das Zünglein an der Waage?

Klug: Ich glaube nicht, dass er das Zünglein an der Waage war. Und wir machen das jetzt auch nicht, um ihn ehren zu können. Sicherlich wäre er aber auch jemand, der dort irgendwann geehrt werden könnte, er ist schließlich der erste Bundesminister aus Gelsenkirchen.

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