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Klischee-Vergleich: Badetücher raus!

Foto: Christof Stache/ AP

Gemeinsame Vorfahren Briten witzeln über ihre Krauts-Wurzeln

Ihre Haut ist weiß, der Humor schwarz, sie haben eine Queen und Angst vor dem Elfmeter: Briten sind anders, keine Frage. Doch jetzt haben Forscher herausgefunden, dass viele Engländer germanische Wurzeln haben. Die Freude auf der Insel hält sich in Grenzen.

Hamburg - Vielleicht geht es am Ende doch nur um den besten Platz am Pool, in der ersten Reihe, dort, wo die Musik spielt. Um Fußball jedenfalls kann es nicht gehen, denn spätestens seit der letzten Weltmeisterschaft ist völlig klar, dass die Briten auf dem Platz vor allem eines sind: gnadenlos überschätzt. Immer Titel-Aspirant, seit 1966. Immer Verlierer, seit 1966. Nun gut.

Doch unsere Häme können wir uns sparen (auch die über abgestandenes Bier, geldgierige, an Zehen lutschende Prinzen-Gemahlinnen, Haut blass wie Analogkäse, die unter der Sonne "Majorcas" feuerrot glüht, als stünde die Erfindung der Sonnencreme noch bevor; Thronfolger, die einen Tampon für eine Liebeserklärung missbrauchen; über ein Volk, das Jogginghosen und Fußballtrikots für ein modisches Statement hält und dessen Frauen grundsätzlich gerne wenig, viel zu wenig, tragen. Kälte? Socken? Wozu denn?!). Doch, wie gesagt: Kein Grund für Häme. Denn all das (auch die gebackenen Bohnen, die Fußball-Hooligans, das geduldige Schlangestehen) sind uns sehr viel näher als (uns lieb ist) gedacht.

"Time to embrace your inner Jerry"

Denn: Wir sind verwandt.

Die Hälfte aller Briten hat nach SPIEGEL-Informationen deutsche Wurzeln. Eine Analyse der Gene hat es offenbart: Die Germanen haben schon sehr früh ihr Badetuch über das Eiland geworfen. "Die Leute aus der englischen Provinz sind mit den Norddeutschen enger verwandt als mit ihren eigenen Landsleuten aus Wales oder Schottland", sagte der Archäologe Heinrich Härke von der University of Reading dem SPIEGEL. Er kommt zu dem Schluss: Jeder zweite Mann von der Insel trage das "Friesen-Gen" in sich. Seit SPIEGEL ONLINE INTERNATIONAL den Text auch ins Englische übersetzte , folgen Reaktionen der Blutsbrüder und -schwestern.

"Half of Britons have German Blood" ("Die Hälfte der Briten hat deutsches Blut") titelte der "Telegraph", die "Daily Mail" versucht sich gar an einem quasi-therapeutischen Ansatz: "As it is revealed half of Britons have German blood… Time to embrace your inner Jerry!" Klar, wenn die Briten die Tommies sind, sind wir die Jerrys, die es angesichts der genetischen Verwandtschaft ins Herz zu schließen gilt.

"How German are you?"

Die Nachricht fühle sich fast so an, als ob die Deutschen nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg und bei der Fußball-Weltmeisterschaft nun den Sieg auf ihrer Seite wähnten, finally. Und dann wird der Autor beinahe poetisch: Es wäre ja denkbar, dass die Jahrzehnte währende Rivalität sich nicht aus Unterschieden, sondern aus Gemeinsamkeiten speise. Vielleicht sind wir uns einfach näher, als uns lieb ist.

Die "Daily Mail" sucht nach deutschen Wurzeln in der britischen Gesellschaft und findet sie prompt - im Königshaus. Die Vorfahren der Queen stammten aus Deutschland, die von Prinz Philip auch. Rule Britannia?

Doch es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten: Würstchen zum Beispiel. In Großbritannien liegen sie schon auf dem ordentlich gedeckten Frühstückstisch, "Bangers and Mash" sind Standard in britischen Pubs. Würstchen mit Kartoffelbrei. Das klingt vertraut. Und es kommt noch besser: Die rund 400.000 Deutschen, die in Großbritannien leben, fielen - so das Urteil der "Daily Mail" - kaum auf. Ob das nun ein Kompliment ist, bleibt jedem selbst überlassen.

Indiz für die Krautness: Die Affinität zu Boris Becker. Und David Hasselhoff.

Die "Sun" jedenfalls nutzt die Nachricht, um einen Test zu veröffentlichen. Sein Titel: "Wie deutsch sind Sie?" Die Aufmachung: eine Altherrensandale in Rustikal-Braun mit blütenweißen Tennissocken - und ordentlich behaarten Beinen. Und so ist die Frage, wie oft man Strümpfe in Sandalen trägt, auch gleich der Einstieg in den Psychotest.

  • Antwort a): Nie
  • Antwort b): Nur auf Mallorca
  • Antwort c): Immer

Wenig verwunderlich, dass Antwort c) das Indiz ist für die eigene Krautness. Und auch deutsches Kulturgut fließt in den Test ein. "Lederhosen zu tragen und sich auf die Schenkel zu klopfen ist in Ordnung wenn Sie…"

  • Antwort a): ...ein Rock-Star sind oder Russell Brand
  • Antwort b): ...Sie Max Mosley sind.
  • Antwort c): ...Sie wirklich wissen, um was für eine wunderbare Tradition es sich dabei handelt.

Nimmt man alle Informationen der Kategorie c) zusammen, ergibt sich ein schlüssiges Bild der Deutschen: ein Bier trinkendes, Schuhplattler tanzendes, Auto liebendes Volk, das sich die Achseln nicht rasiert, David Hasselhoff für einen wahren Künstler hält, an "Vorsprung durch Technik" glaubt und den Ball bei der WM 1966 nie im Leben jenseits der Linie im Tor gesehen hat. Und ein Badetuch über die Sonnenliege wirft, sobald sie frei ist. Und dann wegbleibt, für Stunden. Auf dem Sonnendeck sind dann doch alle gleich, irgendwie.

Ruft man bei der "Sun" an, zeigt sich der britische Humor schon in der Zentrale: "Ah, sehr gut, klar kann ich Sie durchstellen, ich bin aber übrigens kein Deutscher, sondern halber Ire."

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