Genderneutral Lufthansa verzichtet auf »Sehr geehrte Damen und Herren«

Die Lufthansa will »alle berücksichtigen« – und verwendet nun genderneutrale Sprache. Zur Begrüßung soll es künftig ein »Guten Tag« oder ein »Herzlich willkommen an Bord« geben.
(Rein männliche) Cockpit-Crew der Lufthansa (Archiv): »Prozess, der einen gewissen Zeitraum einnimmt«

(Rein männliche) Cockpit-Crew der Lufthansa (Archiv): »Prozess, der einen gewissen Zeitraum einnimmt«

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Daniel Reinhardt / picture alliance / dpa

Die Vorgabe gilt für alle Airlines der Gruppe, darunter auch Swiss, Austrian Airlines und Eurowings: Im Umgang mit Flugreisenden will die Lufthansa künftig genderneutrale Sprache verwenden. Die Fluggesellschaft verzichte etwa auf die Begrüßungsformel »Sehr geehrte Damen und Herren«. Auch das englische »Ladies and Gentlemen« soll der Vergangenheit angehören.

»Die Crews sind gehalten, eine Ansprache zu wählen, die alle Passagiere anspricht«, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Beschäftigten sollten auf geschlechtsneutrale Formulierungen an Bord ausweichen, hieß es.

Vorgaben nicht nur für Fluggäste

Infrage kämen ganz unterschiedliche Formulierungen wie »Guten Tag«, »Guten Abend« oder auch einfach »Herzlich willkommen an Bord«. Die Entscheidung liege jeweils beim Chef oder der Chefin der Kabine. »Uns ist es wichtig, dass wir in unserer Ansprache alle berücksichtigen«, hatte ein Lufthansa-Sprecher der »Bild«-Zeitung gesagt, die zuerst über die Änderung berichtet hatte.

Bei der Umstellung handelt es sich dem Airline-Sprecher zufolge um einen »Prozess, der einen gewissen Zeitraum einnimmt«. Die Bemühungen um eine genderneutrale Sprache seien dabei nicht nur auf die Fluggäste beschränkt, sondern bezögen sich auf den gesamten Lufthansa-Konzern.

Die Ankündigung der Airline führte in den sozialen Netzwerken zu teils heftigen Diskussionen. Einige drohten auch mit dem Verzicht auf Flugreisen. Lufthansa stellte am Nachmittag klar, dass man die Ansage nicht verboten habe. Disziplinarische Maßnahmen müsse niemand befürchten, der die hergebrachte Grußformel nutzt.

»Unser Ziel ist es, alle an Bord gleichberechtigt willkommen zu heißen«, sagte ein Sprecher. Je nach Kontext und Situation gebe es dafür unterschiedliche Möglichkeiten. »Vielfalt und Gleichberechtigung sind zentrale Werte für unser Unternehmen und unsere Unternehmenskultur. Diese Haltung wollen wir auch in unserer Sprache zum Ausdruck bringen.«

apr/dpa/AFP
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