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27. Februar 2013, 07:16 Uhr

Generalaudienz in Rom

Zehntausende pilgern zu Papst Benedikts letztem großen Auftritt

Mit einer Generalaudienz nimmt Papst Benedikt XVI. am Mittwoch Abschied von der Öffentlichkeit. Das Interesse an seinem letzten Auftritt ist immens, Zehntausende werden in Rom erwartet. Auch zahlreiche deutsche Pilger haben sich auf den Weg gemacht.

Rom - Großer Bahnhof für Papst Benedikt XVI.: Nach knapp acht Jahren stürmischen Pontifikats mit zahlreichen Krisen wird sich Joseph Ratzinger in den Ruhestand verabschieden. Das Interesse an seiner heutigen Generalaudienz ist nach der völlig unerwarteten Rücktrittserklärung riesig. Mindestens 50.000 Pilger, Gläubige und Touristen aus aller Welt werden auf dem Petersplatz erwartet. Wegen des erwarteten Andrangs findet die Audienz um 10.30 Uhr auf dem Petersplatz und nicht wie sonst üblich in der Audienzhalle statt. SPIEGEL ONLINE wird das Ereignis im Livestream zeigen.

Aus Benedikts Heimat Bayern haben sich Hunderte Pilger auf den Weg nach Rom gemacht. Auch einige Dutzend Gebirgsschützen sind dabei, eine Blaskapelle aus Traunstein will zum Abschied ein Ständchen auf dem Petersplatz geben. Ministerpräsident Horst Seehofer will Benedikt am Mittwoch persönlich Grüße überbringen, Erzbischof Robert Zollitsch wird die Deutsche Bischofskonferenz bei der Audienz vertreten.

Es wird ein großer, vermutlich sehr emotionaler Auftritt werden, bevor Benedikts Amtszeit am Donnerstag endet. Am späten Nachmittag ist der Trubel vorbei. Dann wird der 85-Jährige mit einem Hubschrauber zur päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo vor den Toren Roms fliegen. Vor seiner Abreise ist ein Treffen mit Mitgliedern des Kardinalskollegiums geplant, dessen wahlberechtigte Angehörige einen neuen Papst bestimmen sollen.

Sein letzter öffentlicher Akt wird dann um 17.30 Uhr ein Abschiedsgruß an die Gläubigen der Diözese Albano von der Loggia der Residenz Castel Gandolfo aus sein. Mit dem offiziellen Ende des Pontifikats um 20.00 Uhr stellt auch die Schweizer Garde ihren "öffentlichen Dienst" für den Papst ein. Die Sicherheit Benedikts ist aber garantiert, die Gendarmerie wird ihren Wachdienst fortsetzen.

"Dieser Tag erfüllt uns natürlich mit Wehmut"

Nicht vor Anfang nächster Woche soll dann die Kardinalsversammlung in Rom zusammenkommen, um die Papstwahl im März vorzubereiten und über den Beginn des Konklaves zu entscheiden, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Benedikt hatte es den Purpurträgern in einem Schreiben zum Konklave freigestellt, die Wahl vorzuziehen.

Nach seinem Rücktritt wird sich Benedikt "Emeritierter Papst" oder "Römischer emeritierter Pontifex" nennen. Man wird ihn aber auch weiterhin "Eure Heiligkeit" nennen dürfen. Nach seinem Rücktritt am Donnerstag wird der 85-Jährige außerdem den "einfachen weißen Talar" anziehen.

"Dieser Tag erfüllt uns natürlich mit Wehmut, denn Abschied bedeutet auch immer Trauer", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Papst Benedikt sei ein "Brückenbauer" gewesen, der die Kirche durch seine Theologie "entscheidend geprägt" habe. "Mit Papst Benedikt verlässt einer der größten Theologen auf dem päpstlichen Stuhl sein Amt", sagte der Freiburger Erzbischof am Dienstagabend in Rom.

Dennoch habe er großen Respekt vor Benedikts Entscheidung, als Papst zurückzutreten. "Er hat selbst gespürt, die physischen Kräfte lassen nach. (...) Dann ist das für mich ein sehr respektabler Entschluss, ein Entschluss, der hohe Anerkennung verdient", sagte er.

Zollitsch bekräftigte erneut, dass er die Zeit für einen außereuropäischen Papst für gekommen hält. "Wir sind Weltkirche (...) und ich kann mir durchaus vorstellen, dass nun auch ein Papst von einem anderen Kontinent kommt", sagte er.

Papst Benedikt XVI. hatte am 11. Februar völlig überraschend seinen Rücktritt zum Ende des Monats angekündigt. Seine Kräfte ließen nach, sagte er zur Begründung. Er ist der erste Papst seit Jahrhunderten, der sein Amt freiwillig aufgibt.

ala/dpa/AP

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