WHO-Direktor Askew Genitalverstümmelung ist "auch ein volkswirtschaftlicher Schaden"

Die weibliche Genitalverstümmelung ist laut Weltgesundheitsorganisation eine "katastrophale Verletzung der Menschenrechte". Hinzu komme: Damit lebenslang verbundene Komplikationen verursachen enorme Kosten.
Frau in Uganda: Genitalverstümmelung ist dort seit 2010 verboten

Frau in Uganda: Genitalverstümmelung ist dort seit 2010 verboten

Foto: Sally Hayden/ SOPA Images/ LightRocket/ Getty Images

Komplikationen durch die Genitalverstümmelung bei Mädchen sind eine schwere Belastung für die Gesundheitsbudgets der Länder, in denen diese grausame Praxis verbreitet ist. Jedes Jahr müssten dafür 1,4 Milliarden Dollar (umgerechnet knapp 1,3 Milliarden Euro) aufgebracht werden, berichtete die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf zum internationalen Tag für "Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung". In einigen Ländern mache das 30 Prozent des Gesundheitsbudgets aus.

Die Praxis ist in Staaten in Afrika, im Nahen Osten und etwa in Indonesien in Asien verbreitet. In Ländern wie Somalia, Guinea und Dschibuti werden nach Angaben des Uno-Kinderhilfswerks Unicef  mehr als 90 Prozent der Mädchen beschnitten. Den meisten von ihnen werden im Alter von vier bis 14 Jahren die äußeren Geschlechtsorgane teilweise oder vollständig entfernt.

In manchen Ländern wird die Genitalverstümmelung immer noch als wichtiges Element beim Übergang vom Mädchen zur Frau betrachtet. Der Uno-Bevölkerungsfonds (UNFPA) betonte, dass der Eingriff zwar teils als religiöse Vorschrift dargestellt wird. Dafür gebe es aber keine Grundlage.

Insgesamt leben nach Schätzungen mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen mit verstümmelten Genitalien in etwa 30 Ländern. Seit 1997 hätten in Afrika und im Nahen Osten 26 Staaten die Praxis verboten, sie sei aber weiter weitverbreitet. Die Uno-Vollversammlung hatte im Dezember 2012 einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der ein weltweites Verbot für Genitalverstümmelungen gefordert wurde.

"Genitalverstümmelung ist nicht nur eine katastrophale Verletzung der Menschenrechte, die die körperliche und geistige Gesundheit von Millionen Mädchen und Frauen schwer beeinträchtigt", sagte der zuständige WHO-Direktor Ian Askew. "Es ist auch ein volkswirtschaftlicher Schaden." Es müsse mehr investiert werden, um die Praxis zu stoppen.

Betroffene Mädchen und Frauen erleben demnach lebensgefährliche Infektionen und Blutungen. Viele sterben bei dem oft unter unhygienischen Umständen durchgeführten Gewaltakt. Viele entwickelten zudem lebenslange chronische Probleme, hätten Schmerzen während der Menstruation, beim Urinieren und beim Geschlechtsverkehr sowie Komplikationen bei der Geburt. Die Verstümmelung habe keinerlei gesundheitlichen Nutzen, betonte die WHO.

wit/dpa
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