»Geplante Gleichschaltung der Menschen« Kardinal Müller verbreitet Corona-Verschwörungsmythen

Kardinal Gerhard Ludwig Müller ist mit Äußerungen aufgefallen, die ein Experte als »größtenteils verschwörungsideologisch« bezeichnet. Der Kleriker gilt als konservativer Hardliner.
Gerhard Ludwig Müller (Archiv): Gilt schon lange als konservativer Hardliner

Gerhard Ludwig Müller (Archiv): Gilt schon lange als konservativer Hardliner

Foto: ZUMA Wire / IMAGO

Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat in einem Interview davon gesprochen, dass die Coronapandemie genutzt werde, um »die Menschen jetzt gleichzuschalten« und einer »totalen Kontrolle« zu unterziehen. Solche Formulierungen gelten als typisch für Verschwörungserzählungen.

Der frühere Regensburger Bischof sprach in einem Interview davon, dass hinter Maßnahmen gegen die Pandemie eine finanzkräftige Elite stecke. »Leute, die auf dem Thron ihres Reichtums sitzen«, sehen laut Müller »eine Chance jetzt, um ihre Agenda durchzusetzen«.

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Das katholisch-konservative »St. Bonifatius Institut« aus Österreich hatte vorige Woche von dem Gespräch ein 2:19 Minuten langes Video getwittert. Müller bestätigte der Nachrichtenagentur dpa per E-Mail die Echtheit des Interviews. Der Vatikan reagierte auf dpa-Anfrage zunächst nicht. Die Deutsche Bischofskonferenz kommentierte die Aussagen nicht und verwies auf ihren Aufruf, sich impfen zu lassen.

Der Politikwissenschaftler und Experte für Verschwörungsmythen Jan Rathje sagte der dpa zu Müllers Behauptungen: »Die Aussagen lassen sich größtenteils verschwörungsideologisch werten.« Der Kardinal und Richter am höchsten Gericht des Vatikans erwähnte auch explizit den amerikanisch-jüdischen Investor George Soros. Dies könne »als antisemitische Chiffre gewertet werden«, sagte Rathje.

Müller sagte, er wolle »eigentlich nicht geschaffen und erlöst werden« von Leuten wie dem früheren Microsoft-Chef Bill Gates oder Klaus Schwab, dem Chef des Weltwirtschaftsforums in Davos. Die beiden tauchen ebenso wie Soros häufig in Verschwörungsideologien auf.

Müller gilt als konservativer Hardliner . Fünf Jahre lang war er Chef der Glaubenskongregation, die Behörde soll die Glaubens- und Sittenlehre der gesamten katholischen Kirche schützen. 2017 hatte sich Papst Franziskus von ihm getrennt.

Manifest gegen die Coronabeschränkungen unterschrieben

Müller schrieb der dpa in der E-Mail, dass er die Logik zurückweise, dass »wenn jemand die Finanzelite kritisiert, er automatisch auf der falschen Seite ist«. Er sprach erneut von einer »nicht legitimierten Einflussnahme der superreichen Eliten in verschiedenen Ländern«.

Der Kardinal hatte schon Anfang 2020 ein Manifest eines Erzbischofs gegen die Coronabeschränkungen unterschrieben, in dem Narrative aus Verschwörungsmythen vorkommen. Die Rede war vom »Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht«.

Müller sagte danach, dass der Text bewusst missverstanden wurde. Für Empörung hatte seine Kritik am synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland gesorgt, deren Entscheidungsfindung der Kardinal mit dem Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten verglichen hatte.

bbr/dpa
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