Kritik an Kleriker »Kardinal Müller hat antijüdische Klischees bedient«

Wegen der Verbreitung von Corona-Verschwörungsmythen gibt es Kritik an Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung forderte von der katholischen Kirche eine »Distanzierung«.
Geistlicher Müller (2017): Als konservativer Hardliner bekannt

Geistlicher Müller (2017): Als konservativer Hardliner bekannt

Foto: Andreas Arnold / dpa

Der Kardinal Gerhard Ludwig Müller steht in der Kritik, weil er Verschwörungsmythen über eine angeblich geplante Gleichschaltung der Menschen nach Corona verbreitet hatte.

Der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Felix Klein, warf dem ehemaligen Regensburger Bischof vor, dass er »absurde, antisemitische Verschwörungsmythen verbreitet, die schädlich für unsere Gesellschaft sind und bestehende Probleme nur verstärken«.

»Es bedarf einer klaren, unmissverständlichen Distanzierung von den verantwortungslosen Äußerungen Kardinal Müllers durch die katholische Kirche.«

Felix Klein

Im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte Klein: »Es bedarf einer klaren, unmissverständlichen Distanzierung von den verantwortungslosen Äußerungen Kardinal Müllers durch die katholische Kirche.«

Auch der Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz (CER), Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, forderte den Vatikan und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) auf, »sich von solchen kruden Aussagen und Positionen klar (zu) distanzieren«.

»Religionsvertreter sollten gerade in dieser Zeitphase, in der mit Verschwörungsmythen, falschen Narrativen und Hass versucht wird, unsere Gesellschaft zu spalten und sie gegen Demokratie und Pluralismus aufzuhetzen, mäßigend wirken und entschieden für den gesellschaftlichen Zusammenhalt eintreten und sich gegen Verschwörungen, Hass und Verleumdungen stellen«, sagte Goldschmidt laut Mitteilung.

Müller, der frühere katholische Bischof von Regensburg, hatte in einem Interview davon gesprochen, dass hinter Maßnahmen gegen die Pandemie eine finanzkräftige Elite stecke.

Der Kardinal und Richter am höchsten Gericht des Vatikans erwähnte auch explizit den amerikanischen Investor George Soros. Soros ist Jude. Dies könne »als antisemitische Chiffre gewertet werden«, sagte der Politikwissenschaftler und Experte für Verschwörungstheorien, Jan Rathje.

Müller hatte schon Anfang 2020 ein Manifest eines Erzbischofs gegen die Coronabeschränkungen unterschrieben, in dem Narrative aus Verschwörungstheorien vorkommen. Die Rede war vom »Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht«. Müller sagte danach, dass der Text bewusst missverstanden worden sei.

»Die Aussagen von Kardinal Müller sind eine große Enttäuschung für sehr viele Menschen, die in dieser schwierigen Zeit der Pandemie nach Orientierung suchen und Zuversicht brauchen.«

Pinchas Goldschmidt

Der 73-Jährige gilt als konservativer Hardliner . Fünf Jahre lang war er Chef der Glaubenskongregation, die Behörde soll die Glaubens- und Sittenlehre der gesamten katholischen Kirche schützen. 2017 hatte sich Papst Franziskus von ihm getrennt.

»Die Aussagen von Kardinal Müller sind eine große Enttäuschung für sehr viele Menschen, die in dieser schwierigen Zeit der Pandemie nach Orientierung suchen und Zuversicht brauchen«, sagte Goldschmidt nun über die jüngsten Äußerungen.

Auch der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU) kritisierte Müllers Äußerungen scharf: »Kardinal Müller hat antijüdische Klischees bedient und macht antisemitische Gedanken bei manchen Gläubigen hoffähig.« Er forderte ihn auf, sich von seinen Äußerungen zu distanzieren und dafür zu entschuldigen.

bbr/dpa