Gerichtsentscheid Internethändler darf Schindlers Liste versteigern

Eine angebliche Originalkopie von Oskar Schindlers berühmter Liste kommt unter den Hammer: Ein New Yorker Richter erteilte jetzt einem Händler die Erlaubnis, das Dokument im Internet zu versteigern - obwohl Zweifel an der Authentizität des Papiers laut geworden waren.

Ein Experte in Sydney untersucht den Durchschlag der Originalliste von Oskar Schindler, auf der 801 Namen vermerkt sind
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Ein Experte in Sydney untersucht den Durchschlag der Originalliste von Oskar Schindler, auf der 801 Namen vermerkt sind


New York - Das 13 Seiten lange Dokument ist datiert auf den 18. April 1945. Es soll die einzige in Privathand befindliche Kopie der berühmten Liste sein, auf welcher der deutsche Industrielle Oskar Schindler die Namen von 801 Juden aufführte, die er vor den Vernichtungslagern der Nazis rettete.

Der auf den Verkauf historischer Dokumente spezialisierte New Yorker Händler Gary Zimet hatte im März angekündigt, die Liste im Auftrag eines anonymen Anbieters über das Internet verkaufen zu wollen - für satte 2,2 Millionen Dollar. Dies wurde ihm per einstweiliger Verfügung untersagt. Jetzt verfügte das Oberste Gericht im Bundesstaat New York, dass Zimet die Liste versteigern darf, wie der britische "Telegraph" meldete.

Die Argentinierin Marta Rosenberg, Autorin einer Biografie über Oskar Schindler und seine Frau Emilie, hatte erklärt, das Testament der Witwe gebe ausschließlich ihr das Recht, über alles, was dem Paar jemals gehörte, zu verfügen. Sie unterstellte dem Händler, die Liste sei gefälscht.

Laut Zimet hatte sich der Vorbesitzer des Papiers im Jahr 2008 direkt an ihn gewandt. Demnach stammt das Dokument aus den Händen der Familie von Itzhak Stern, einem der Männer, die mit Schindler zusammen die Liste erstellt hatten. Der Memorabilienhändler bietet auf seiner Website unter anderem einen Revolver von Al Capone an, außerdem Ausführungen des US-Bürgerrechtlers Malcom X über sein problematisches Eheleben und ein signiertes Foto von Oskar Schindler.

Die vier Original-Listen befinden sich im Holocaust Memorial Museum in Washington, dem Bundesarchiv in Koblenz sowie der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.

Weltweit soll es mehrere Kopien der Orignallisten geben. Eine Kohledurchschrift wurde zwischen den Manuskripten des australischen Autors Thomas Keneally gefunden. Der schrieb im Jahr 1982 "Schindler's Ark", die Vorlage für Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste", der mit sieben Oscars ausgezeichnet wurde. Keneally gewann den Booker-Preis für sein Buch und verkaufte seine Unterlagen später an einen Händler. Die staatliche Bibliothek in Sydney kaufte 1996 sechs Kartons dieser Dokumente. Den Kuratoren zufolge wurde die Liste durch Zufall entdeckt.

ala



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