Urteil in Irland Hirntote Schwangere darf sterben

Das Kind hätte keine Chance auf ein gesundes Leben gehabt. Deswegen hat ein Gericht in Irland jetzt entschieden, dass eine schwangere Hirntote nicht weiter intensivmedizinisch am Leben erhalten werden soll.


Im Streit um lebensverlängernde medizinische Maßnahmen für eine hirntote Schwangere hat Irlands oberstes Gericht ein Abschalten der Maschinen für rechtens erklärt. Das Gericht urteilte im Sinne der Angehörigen der Patientin. Die Ärzte hatten die Frau aus rechtlichen Gründen intensivmedizinisch am Leben erhalten.

Die Frau war in der 14. Woche schwanger, als sie am 3. Dezember nach einer Hirnverletzung für klinisch tot erklärt wurde.

"Eine Frau ist nicht nur ein Inkubator"

Das oberste Gericht folgte bei seiner Entscheidung den medizinischen Fakten, wonach der erst wenige Wochen alte Fötus nicht allein lebensfähig sei. Der tote Körper der Frau könnte gefährlich für den Fötus werden und etwa Infektionen und Fieber bei diesem verursachen. Er hätte nur eine sehr geringe Chance zu überleben. Gleichzeitig sei die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass das Kind einmal schwer behindert sein könnte. Die Richter erklärten auch, dass ihr Urteil in ähnlichen Fällen in Zukunft anders aussehen könne - etwa, wenn das ungeborene Kind schon älter wäre.

Laut Gerichtsanhörung verschlechterte sich der Zustand der Frau in den letzten Wochen "rasant". Weitere lebensverlängernde Maßnahmen würden die Würde der Mutter verletzen sowie den Vater und ihre beiden jungen Kinder "unvorstellbarem Leid aussetzen", hieß es in dem Urteil. Die medizinische Behandlung sei eine "nutzlose Übung", die in der "Angst der medizinischen Spezialisten vor möglichen rechtlichen Konsequenzen" begründet sei.

Die irischen Gesundheitsbehörden begrüßten die Entscheidung. Die hitzige Debatte über den Fall veranlasste den Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, zu einer Stellungnahme: Aus katholischer Sicht gebe es "keine Verpflichtung" der Ärzte zur Anwendung außergewöhnlicher lebensverlängernder Maßnahmen, sagte Martin dem Rundfunksender "Newstalk": "Eine Frau ist nicht nur ein Inkubator."

Das Urteil erinnert an einen ähnlichen Fall aus den USA: Anfang 2014 wurde eine hirntote Schwangere zwei Monate lang von Ärzten im texanischen Fort Worth am Leben gehalten - gegen ihren erklärten Willen und den Willen ihrer Familie. Auch bei ihr hatte das zuständige Bezirksgericht schließlich entschieden, dass die Geräte abgestellt werden.

AP/jkö



insgesamt 31 Beiträge
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glasperlenspieler 26.12.2014
1. Tragisch
Wie so oft, dürfte es den Ärzten und der Klinik ausschließlich um das Finanzielle gehen. Eine solche "Patientin" bringt pro Tag intensivmedizinischer Behandlung mehr als 1000 Euro, ohne großen Personalaufwand. Der Wunsch der bereits Verstorbenen oder der Angehörigen auf einen würdevollen Tod wird dabei ignoriert.
brandmeister 26.12.2014
2.
Zitat von glasperlenspielerWie so oft, dürfte es den Ärzten und der Klinik ausschließlich um das Finanzielle gehen. Eine solche "Patientin" bringt pro Tag intensivmedizinischer Behandlung mehr als 1000 Euro, ohne großen Personalaufwand. Der Wunsch der bereits Verstorbenen oder der Angehörigen auf einen würdevollen Tod wird dabei ignoriert.
Da liegen Sie falsch. Wie schon eingangs des Artikels erwähnt, wurde die Patienten aus rechtlichen Gründen weiter am Leben erhalten. Die Abschaltung der lebenserhaltenden Maßnahmen bei der Schwangeren bedeuten automatisch den Tod des Ungeborenen. Und diese Tötung eines Ungeborenen ist Irland (eigentlich) verboten.
waldorf71 26.12.2014
3. Nicht jedem Krankenhaus
geht es um Gewinnmaximierung auf Kosten sterbender oder eigentlich toter Menschen. Da viele Angehörige heute gerne überall Behandlungsfehler und Lug und Betrug vermuten, wird gerne mal mit dem Anwalt gedroht. Da sichert sich jedes Krankenhaus lieber doppelt ab, als hinterher vor den Kadi gezogen zu werden.
ray4912 26.12.2014
4.
da muss Franziskus höchstpersönlich ein Machtwort gesprochen habe. Wenn man Irland sonst so kennt......
louis2 26.12.2014
5. Und was ist mit dem Kind?
Gemäß der Darstellung des Gerichts hätte das Kind eine Chanse, zu überleben. Auch hätte es eine Chanse gesund zu sein. Wäre man da nicht verpflichtet für das Kind, diese Chansen zu nutzen? Wieso glaubt das Gericht feststellen zu dürfen, das Am Leben Halten der Mutter, um IHR Kind zu Retten, würde "die Würde der Mutter verletzen". Wäre es nicht auch denbar (oder vielleicht sogar wahrscheinlich) dass eine Mutter sich nichts mehr wünscht, als alles mögliche zu tun, um ihrem Kind das Leben zu retten? Es scheint so, als hätten die Richter nicht in erster Linie versucht, den Willen der Mutter zu beachten, sondern nur dem Willen der Angehörigen zu folgen.
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