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12. Mai 2014, 07:18 Uhr

Studie der Bertelsmann-Stiftung

Westdeutsche halten stärker zusammen als Ostdeutsche

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat den Zusammenhalt der Menschen in Deutschland untersucht: Die Toleranz gegenüber Homosexuellen ist erheblich gestiegen, Zuwanderern gegenüber nicht. Zwischen Ost und West gibt es große Unterschiede.

Hamburg - Wie ist es um den Zusammenhalt in Deutschland bestellt? In welchem Bundesland ist der Gemeinsinn besonders ausgeprägt? Und warum? Diesen Fragen ist die Bertelsmann-Stiftung in einer Studie nachgegangen, die nun veröffentlicht wird. Dafür werteten Sozialwissenschaftler der privaten Jacobs University Bremen unterschiedliche Befragungen und Studien aus den vergangenen Jahren aus.

Bereits 2013 hatte eine Studie der Stiftung ergeben, dass Deutschland in Sachen Zusammenhalt im internationalen Vergleich nur mäßig abschneidet. Nun kamen die Forscher immerhin zu dem Schluss, dass sich der Zusammenhalt in der Bundesrepublik seit Beginn der neunziger Jahre positiv entwickelt hat.

Allerdings gibt es zwischen den einzelnen Bundesländern und Regionen große Unterschiede. Zu den neun Faktoren, mit denen das Forscherteam gesellschaftlichen Zusammenhalt ausmachen will, gehören etwa Vertrauen in Mitmenschen und Institutionen, Solidarität und Hilfsbereitschaft, soziale Netze oder Akzeptanz von Menschen mit anderen Wertvorstellungen und Lebensweisen - gerade in letzterem Punkt gibt es noch erheblichen Verbesserungsbedarf.

Zentrale Ergebnisse der Studie:

Wirtschaftskraft und Wohlstand sind den Angaben zufolge Hauptfaktoren für einen starken gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ein hohes Bruttoinlandsprodukt, niedriges Armutrisiko, ein urbanes Wohnumfeld und eine homogenere Altersstruktur fördern demnach den Gemeinsinn. So schneiden im Gesamtindex unter anderem Hamburg, Baden-Württemberg, das Saarland, Bremen und Bayern überdurchschnittlich gut ab. Die ostdeutschen Bundesländer liegen gesammelt am Schluss des Rankings.

Der Begriff des "gesellschaftlichen Zusammenhalts" lässt sich allerdings nur schwer messen und in belastbaren Zahlen darstellen. Das Forscherteam musste sich für die Studie auf frühere Befragungen stützen. "Wenn man gesellschaftliche Entwicklungen über einen längeren Zeitraum im Rückblick untersuchen möchte, bleibt einem nichts anderes übrig, als auf die Informationen und Daten zurückzugreifen, die in der Vergangenheit erhoben wurden", sagt Stiftungssprecher Unzicker.

bka/hut

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