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Naturschutzgebiet in Utah Felsenschubser bekommen Morddrohungen

Pfadfinder wandern durch ein Naturschutzgebiet im US-Staat Utah und stoßen dort auf einen wackelig wirkenden Felsbrocken. Ein kräftiger Mann schubst den Brocken in eine Mulde, ein Video davon landet bei Facebook. Nun bekommen die Beteiligten Morddrohungen - und womöglich eine Strafe.

Salt Lake City - Der Goblin Valley State Park in Utah hat spektakuläre Anblicke zu bieten. Rote Felsen sind dort zu wacklig wirkenden Türmen aufgestapelt, die an Pilze erinnern, manche davon mehrere Meter hoch. Derzeit sorgt der Park in den USA für Schlagzeilen. Aber nicht wegen seiner bizarren Sandsteinformationen, sondern wegen des unbedachten Verhaltens zweier Pfadfinderführer.

Drei Männer waren im Park mit einer Gruppe Pfadfindern unterwegs und entdeckten dabei einen auf einem schmalen Grat aus Sand und Erde balancierten Sandsteinbrocken, etwa so groß wie zwei Badewannen. Möglicherweise waren die drei tatsächlich der Meinung, der Brocken stelle eine Gefahr dar, vielleicht waren sie auch nur übermütig. Jedenfalls schob einer der drei, selbst ein Pfadfinderführer, den Brocken von seinem Platz, so dass er in eine Mulde kullerte. Ein zweiter Pfadfinderführer filmte ihn, während er "wiggle it, just a little bit" sang ("wackle dran, nur ein bisschen"). Als der Brocken fällt, jubeln alle drei, und bevor das Video endet, betont der Filmende, der Fels hätte sonst womöglich "auf irgendein Kind fallen" können: "Es geht uns hier nur darum, Leben zu retten!"

Die Pfadfinderführer stellten das Video auf Facebook. Dann geschah etwas für die drei offenbar sehr Unerwartetes: Es gab Ärger.

Eine auf YouTube abrufbare Version  des Videos wurde mittlerweile über 3,8 Millionen Mal angesehen. Und die drei Männer bekommen nun Hass-E-Mails und Morddrohungen, "Hunderte", wie einer der drei dem TV-Sender KSL  sagte. Sogar aus Deutschland, Spanien und Neuseeland habe er Droh-E-Mails erhalten, berichtete der Mann.

Auch die Parkverwaltung in Utah reagierte sehr ungehalten auf die Aktion. "Das war nicht nur falsch, das wird auch Folgen haben", sagte ein Sprecher der Zeitung "Salt Lake Tribune ". Den Felsenschubsern drohen womöglich sogar strafrechtliche Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft hatte am vergangenen Freitag noch nicht entschieden, ob Anklage gegen einen oder mehrere der Männer erhoben werden soll.

Ein Sprecher der US-Pfadfinder erklärte, das Verhalten der Männer stehe "im absoluten Gegensatz zu unseren Überzeugungen und dem, was wir vermitteln wollen". Man prüfe die Angelegenheit noch und werde dann "angemessene Schritte" einleiten.

Die Männer selbst bereuen ihre Aktion mittlerweile zutiefst. "Deseret News " zitiert einen der Männer mit den Worten, "die Zerstörung natürlicher Ressourcen" täte ihm "unglaublich leid": "Es gibt eine bessere Art, mit der Natur umzugehen."

cis/AP
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