Vorwürfe in Untersuchungsbericht Feuerwehrchefin verteidigt Einsatz bei Brand im Londoner Grenfell Tower

Das Vorgehen der Feuerwehr beim Brand im Londoner Grenfell Tower ist in einem Untersuchungsbericht kritisiert worden. Die Leiterin hat den Einsatz verteidigt - und sieht Verbesserungsbedarf bei Brandschutzvorschriften.

Grenfell Tower in London: 72 Menschen starben im Juni 2017. Der Feuerwehr werden schwere Versäumnisse vorgeworfen
WILL OLIVER/ EPA-EFE/ REX

Grenfell Tower in London: 72 Menschen starben im Juni 2017. Der Feuerwehr werden schwere Versäumnisse vorgeworfen


Der Hauptgrund für den verheerenden Brand im Londoner Grenfell Tower im Juni 2017 war die leicht entzündliche Fassadenverkleidung. Das geht aus einem offiziellen Untersuchungsbericht hervor. Schwerwiegende Fehler und Versagen der Einsatzkräfte verschlimmerten die Situation demnach weiter.

Der Leiter der Untersuchung, Martin Moore-Bick, bemängelte in dem Dokument insbesondere, dass die Feuerwehr die Bewohner des Hochhauses angewiesen habe, in ihren Wohnungen zu bleiben, als sich das Feuer schon rasend schnell ausbreitete.

"Eigentlich war das Feuer am Grenfell Tower nicht mehr als ein typisches Küchenfeuer", schrieb Moore-Bick. Die Vorbereitungen und das Training der Londoner Feuerwehr seien unzureichend gewesen. Zudem seien falsche Entscheidungen getroffen worden.

Erst zwei Stunden nach Ausbruch des Brandes kurz vor 1 Uhr habe die Feuerwehr ihre Strategie geändert. Hätte sie die Entscheidung früher getroffen, hätte es möglicherweise weniger Opfer gegeben, so Moore-Bick.

Vor der offiziellen Veröffentlichung des rund tausend Seiten umfassenden Berichts waren einige Ergebnisse bereits durchgesickert.

"Unvorstellbaren Bedingungen"

Die Feuerwehrchefin Dany Cotton äußerte sich zu den Vorwürfen und teilte in einer Erklärung mit, dass die Richtlinien und das Training der Feuerwehr überprüft wurden. Zudem forderte sie weitreichende Reformen der Bau- und Brandschutzvorschriften auf nationaler Ebene.

"Es war ein beispielloser Wohnungsbrand, der durch erhebliche Mängel bei den Brandschutzmaßnahmen des Gebäudes ausgelöst wurde", schrieb sie. Bewohner und Rettungskräfte dürften nie wieder in so eine Lage gebracht werden.

Die Feuerwehr sei enttäuscht über manche Kritikpunkte an den Mitarbeitern, die "unvorstellbaren Bedingungen ausgesetzt gewesen seien, während sie versuchten, die Leben anderer zu retten", schrieb Cotton.

Die Feuerwehrchefin war bei einer Anhörung nach dem Brand in die Kritik geraten, als sie sagte, dass sie dieselben Entscheidungen wieder treffen würde. Damit habe Cotton einen "unglaublichen Mangel an Sensibilität" an den Tag gelegt, erklärte Moore-Bick in dem aktuellen Bericht. Cotton kündigte inzwischen ihren Rücktritt an.

72 Menschen waren im Juni 2017 in den Flammen ums Leben gekommen. Ein Kühlschrank hatte damals Feuer gefangen und den Brand ausgelöst. Die Flammen breiteten sich in dem 24-stöckigen Hochhaus schnell aus. Viele Menschen wurden im Schlaf von den Flammen überrascht.

cop/AP/AFP

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