Großbritannien Ministerin setzte Pornofilme auf Spesenrechnung

Großbritanniens Innenministerin Jacqui Smith in Erklärungsnot: Die Leihgebühren für zwei Pornofilme landeten versehentlich auf ihrer Spesenabrechnung. Angesehen hat sich die Filme ihr Berater - der auch ihr Ehemann ist.


London - Es ist eine dieser Affären, auf die sich die britischen Boulevardmedien mit Wonne stürzen. Weil sie die Kosten für zwei Pornofilme auf die Spesenliste setzte, musste sich die britische Innenministerin Jacqui Smith am Sonntag erklären. Smith entschuldigte sich mit dem Hinweis, sie habe mit den Internet-Gebühren irrtümlich auch die Erstattung ihrer Fernsehgebühren beantragt. Kleinlaut leistete daraufhin Smiths Ehemann Richard Timney Abbitte, der sich die Sexfilme offenbar in Abwesenheit seiner Frau zu Hause anschaute.

Jacqui Smith: Rechnete auch ihr Pay-TV als Spesen ab - was nur auffiel, weil auf der Rechnung auch Pornofilme standen
REUTERS

Jacqui Smith: Rechnete auch ihr Pay-TV als Spesen ab - was nur auffiel, weil auf der Rechnung auch Pornofilme standen

Timney lud die Pornos offenbar im Pay-per-View-Verfahren auf das gemeinsame TV-Gerät im Privathaus in Redditch. So gerieten die Gebühren dafür auf Smiths Fernsehkosten-Abrechnung. Als ihr der Irrtum bewusst geworden sei, habe sie die zuständige Parlamentsbehörde umgehend informiert, beteuerte die Ministerin und sagte zu, die Gebühren vollständig zurückzuzahlen.

Während Smith in der Öffentlichkeit eine "stiff upper lip" wahrt, soll es hinter den Kulissen gehörig krachen. Die britischen Zeitungen zitierten einen Freund der Familie mit den Worten: "Zu sagen, dass sie sauer auf ihren Mann ist, trifft es nicht annähernd. Sie war nicht im Haus, als diese Filme geschaut wurden. Sie ist äußerst wütend und gedemütigt." Der "Daily Mirror" bezeichnet das Verhältnis von Smith und Timney offen als "belastet".

Die beiden Pornofilme schlugen dem Bericht zufolge mit je fünf Pfund (5,40 Euro) zu Buche und waren Teil eines fünftägigen Pay-TV-Konsums des Ehemanns, der offiziell auch parlamentarischer Berater seiner Frau ist. Die Gesamtrechnung belief sich auf 67 Pfund. Dass Smith überhaupt Internet- und Pay-TV-Kosten aus Steuergeldern ersetzt haben wollte, irritiert in Großbritannien niemanden - "Oceans 13" wäre dienstlich wohl noch denkbar, Pornos hingegen nicht. Als zusätzliche Peinlichkeit für Timney werden nun nebenbei auch seine cineastischen Vorlieben öffentlich. Neben den Sexstreifen und dem zweimaligen Aufruf der Abenteuerkomödie "Oceans 13" findet sich dort auch der Trickfilm "Surf's up" - zu deutsch: "Könige der Wellen". Timney mag demnach nicht nur Porno, sondern auch Trickfilm-Pinguine.

Abbitte vor dem Gartentor

Der ertappte Ehemann sah sich zu einer persönlichen Stellungnahme vor dem Gartentor verpflichtet. "Ich bedauere wirklich, dass ich Jacqui in Verlegenheit gebracht habe", sagte Timney, der als Assistent seiner Frau arbeitet, in Redditch. Die Kosten für diese Filme hätten nie zur Erstattung eingereicht werden sollen.

Premierminister Gordon Brown begrüßte die Reaktion seiner Innenministerin. Ein Sprecher des Premiers lehnte einen Rücktritt Smiths ab und stärkte ihr den Rücken. Sie habe das Richtige getan und das Geld zurückgezahlt, als ihr der Fehler aufgefallen sei. Der britische Außenminister David Miliband nannte sie in einem TV-Interview eine "außergewöhnliche Innenministerin", weigerte sich aber, näher auf den Fall einzugehen.

Yvette Cooper, Chefin des britischen Schatzamtes, sinnierte derweil öffentlich darüber, dass es "mehr Transparenz" über die Ausgaben von Abgeordneten und Regierungsangehörigen geben müsse. Die aktuellen Überprüfungen in dieser Richtung liefen schon in die richtige Richtung - und auch die haben eine Menge mit Smith zu tun.

Smith ist vorbelastet

Denn kleine Fehler in der Spesenabrechnung, auch im Bereich oberhalb von 5,40 Euro, brachten Smith schon im Februar in die Kritik. Damals ging es um 125.000 Euro, die sie als Kosten für eine Zweitwohnung am Regierungsamtssitz London geltend machte, obwohl sie die Arbeitswoche über bei ihrer Schwester wohnte. Die Innenministerin rechtfertigte sich damit, die Wohnung ihrer Schwester sei ihr Hauptwohnsitz. Der Fall wird derzeit von einem Ausschuss des britischen Parlaments untersucht.

Für den Tory-Abgeordneten Philip Davies ist die Sache darum klar: "Zu behaupten, dass das Hinterzimmer in der Wohnung ihrer Schwester ihr Hauptwohnsitz sei, ist eine Sache, aber das hier sollte ihr über die Klippe helfen" - ein wenig charmanter Weg, einen Rücktritt einzufordern.

Von Seiten der Liberaldemokraten, der drittstärksten Partei im Unterhaus, wurden Rufe laut, das gesamte Spesensystem zu überdenken. Abgerechnet werden sollten Reisespesen, da diese klar zugeordnet werden könnten. Der Rest sollte pauschal über das Gehalt respektive die Diäten geregelt werden. Er habe nichts gegen Pornos, sagte der Abgeordnete Lembit Opik der "Daily Mail", "aber dieses Geld hätte nie in Rechnung gestellt werden dürfen".

pat/AFP/rts



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