Großbritannien Transplantation verweigert - herzkranke Nigerianerin stirbt

Es war ihre letzte Chance. Doch die Behörden verweigerten einer jungen Frau aus Nigeria ein Spenderherz. Der Grund: Patienten aus Großbritannien und der Europäischen Union hätten Vorrang.


London - Ese Elizabeth Alabis Aufenthaltsvisum für Großbritannien war kürzlich abgelaufen. Die 29-Jährige wollte deshalb vor einem Londoner Gericht eine schnelle Transplantation erreichen. Doch zu einem Urteil kam es nicht mehr. Alabi starb am Montag.

Die Nigerianerin war im vergangenen Jahr hochschwanger nach Großbritannien eingereist. Dort lebt ihr Freund. Nach der Geburt ihrer Zwillinge, diagnostizierten die Ärzte eine lebensbedrohliche Herzvergrößerung, berichtet der "Daily Telegraph".

Der britische Gesundheitsdienst räumte ihrem Fall aber keine Priorität ein, schreibt die Nachrichtenagentur AFP. Vielmehr wolle die Behörde sogenannten Gesundheitstourismus vermeiden und setze deshalb nur Patienten aus Großbritannien und der EU mit der obersten Priorität auf die Warteliste, hieß es.

"Ich bin so wütend. Ich liebe Großbritannien und ich dachte, dass es ein fairer Ort ist, aber meine Frau starb aufgrund der hier herrschenden Gesetze", zitiert der "Independent" Alabis Lebensgefährten.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in London bezeichnete Alabis Tod als "tragischen Fall". Die Entscheidung sei ein "extrem trauriger und schwieriger Prozess" gewesen. "Spenderorgane - und ganz besonders Herzen - sind sehr knapp, deswegen sind klare Regelungen für ihre Zuteilung nötig", sagte der Sprecher. Alabis Anwälte dagegen sehen die Menschenrechte der Nigerianerin verletzt.

aki/AFP



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