Großbritannien Gericht erkennt Veganismus als geschützte Weltanschauung an

Ein britischer Richter hat ethisch motivierten Veganismus als Glaubensform eingestuft - und dem Ex-Mitarbeiter einer Tierschutzorganisation einen Erfolg im Prozess gegen seinen früheren Arbeitgeber beschert.
"Extrem glücklich": Veganer Jordi Casamitjana

"Extrem glücklich": Veganer Jordi Casamitjana

Foto: Nick Ansell/ PA Wire /dpa

In Großbritannien hat ethisch motivierter Veganismus den Status einer philosophischen Weltanschauung und ist damit vom Diskriminierungsverbot geschützt. Das hat ein Arbeitsgericht im ostenglischen Norwich entschieden.

Geklagt hatte Jordi Casamitjana. Der 55-Jährige hatte angegeben, sein ehemaliger Arbeitgeber habe ihn wegen seiner Überzeugung entlassen. Die Wohltätigkeitsorganisation League Against Cruel Sports widerspricht dem. Die Kündigung sei wegen groben Fehlverhaltens erfolgt.

"Ich bin ein ethischer Veganer. Das beinhaltet viel mehr, als keine Lebensmittel mit tierischen Inhaltsstoffen zu essen. Es ist eine Philosophie und eine Weltanschauung, die die meisten Aspekte meines Lebens umfasst", sagte Jordi Casamitjana einer Mitteilung seiner Anwälte zufolge.

Dieser Argumentation folgte nun auch das Gericht. Philosophische Überzeugungen werden durch das britische Gleichstellungsgesetz von 2010 geschützt, das darauf abzielt, Diskriminierung aufgrund der Religion oder anderer tief verwurzelter Überzeugungen einer Person zu verhindern.

Kritik am Rentenfonds des Arbeitgebers

Damit eine Überzeugung als solche gilt, muss sie sich auf einen "gewichtigen Aspekt des menschlichen Lebens" beziehen und "in einer demokratischen Gesellschaft Respekt verdienen". Das sei bei ethischem Veganismus der Fall entschied das Gericht. Entscheidend war für das Urteil, dass Casamitjana sich nicht nur vegan ernährt, sondern auch beispielsweise bei seiner Bekleidung auf tierische Materialien verzichtet.

Seinen Job hatte Casamitjana nach eigenen Angaben verloren, weil er den Rentenfonds seines Arbeitgebers kritisiert hatte. Der hat seiner Ansicht nach in Unternehmen investiert, die in Tierversuche verwickelt sind. Seinem ehemaligen Arbeitgeber zufolge, der Tierschutzorganisation League Against Cruel Sports (Liga gegen grausame Sportarten), war das nicht der Grund für die Entlassung.

Nach der Grundsatzentscheidung muss das Gericht später noch darüber befinden, ob der Arbeitgeber den Veganer wegen dessen Überzeugungen benachteiligt hat.

Er sei "extrem glücklich", sagte Casamitjana nach der Urteilsverkündung. "Besserer Schutz bedeutet, dass mehr Veganer offener sein können hinsichtlich ihrer Überzeugungen."

bbr/dpa/Reuters/AFP