Hacker-Angriff auf Papst-Fanpage Allah ist groß bei "Papa Francesco"

Hacker haben die populäre Facebook-Seite "Papa Francesco" geentert und Islam-Propaganda betrieben. Die Betreiber entschuldigten sich kleinlaut - der Pontifex selbst traf sich mit Opfern kirchlichen Missbrauchs in Rom.
Facebook-Seite "Papa Francesco": "Eine wahre Invasion"

Facebook-Seite "Papa Francesco": "Eine wahre Invasion"

Rom - "Allah ist groß", "Free Palestine" oder "Es lebe Algerien": Die Schlachtrufe, die gegen 15 Uhr am Sonntag auf einer Papst Franziskus gewidmeten Facebook-Seite ertönten, entbehrten deutlich jeder christlichen Botschaft. Da wurde geflucht und gelästert, da waren Fotos zu sehen von islamischen Terroristen oder eine Fotomontage des israelischen Premiers Netanjahu, der Obama an der Leine spazierenführt.

Was war passiert? "Islamische Hacker" hatten die Fanpage übernommen, da waren sich die italienischen Medien schnell sicher. "Eine wahre Invasion" habe da stattgefunden, schrieb etwa das Nachrichtenportal "Today".

Über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen im Vatikan muss sich allerdings niemand Sorgen machen: Die Facebook-Seite wird im Gegensatz zum Twitter-Profil des Papstes nicht von der katholischen Kirche betrieben, sondern italienischen Medien zufolge von Gläubigen.

Seit März 2013 ist "Papa Francesco" online und konnte in dieser Zeit immerhin 1,3 Millionen "Gefällt mir"- Klicks sammeln. Kurz nach dem Angriff nahmen die Betreiber die Seite vom Netz und löschten die provozierenden Einträge. "Wie ätzend, dass sie sie rausgenommen haben", ärgert sich User Alessio Ben Marley. "Jetzt wird es wieder eine langweilige Seite sein."

Wie zu erwarten, wurde sofort eine neue Facebook-Seite ins Leben gerufen - mit dem etwas sperrigen Titel: "Alle Achtung für den Hacker, der dem Papst seine Seite geklaut hat". Hier meldeten sich auch empörte Katholiken wie etwa Userin "Elisa Saibene" zu Wort, die dem Ganzen wenig abgewinnen kann: "Schämt euch, wenn wir Christen so etwas tun würden, würdet ihr Muslime uns alle umbringen."

Schädlich für den interreligiösen Dialog war die Aktion also allemal. Die Betreiber wandten sich in eigener Sache und sehr besorgt an die User: "Wir können uns das Befremden und den Kummer vorstellen, der Sie befiel, als Sie plötzlich ein Posting auf Arabisch gesehen haben, flankiert von blasphemischen Botschaften gegen die christliche Religion und Aufrufen zum Heiligen Krieg", schreiben sie. Man entschuldige sich für dieses "erbärmliche Spektakel" und verspreche, in Zukunft die Seite besser vor Hacker-Angriffen zu schützen.

Bis es so weit ist, geben die Macher den Gläubigen noch einen guten Rat mit auf den Weg: "Wir wünschen Ihnen eine gute Nacht und bitten Sie um ein Gebet für jene, die für diese beleidigende und leichtfertige Geste verantwortlich sind, auf dass sie Respekt lernen und die Seelenruhe finden, die sie dazu bewegt, von solchem Verhalten abzulassen."

Der Ton auf der Seite ist am Tag nach der Hackerei wenig christlich, in Teilen rüde. "Ihr Gläubigen seid so schwach und so selbstmitleidig, ein bisschen tut ihr mir leid", schreibt User Stefano Paiusco. "Neee, das war ein Witz, betet nur weiter ... aber bitte schön leise, weil ihr sonst jene stört, die wichtige Dinge tun."

Papst verurteilt Missbrauch als "frevlerischen Kult"

Tatsächlich versuchte Papst Franziskus gerade am heutigen Tag, etwas zumindest symbolisch Wichtiges zu tun: Er traf sich mit Opfern kirchlichen Missbrauchs zum Gespräch.

Sechs Betroffene aus Deutschland, Großbritannien und Irland feierten zunächst mit dem Pontifex in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses Santa Marta eine private Morgenmesse. Dann nahm sich der Papst für jeden der drei Frauen und drei Männer gut eine halbe Stunde Zeit zum Reden. Der Papst wolle sich die Geschichten der Opfer anhören und ihnen versichern, auch weiterhin kirchenintern eine "Null-Toleranz-Politik" in Sachen Missbrauch zu verfolgen, hieß es aus dem Vatikan.

In seiner Predigt bat Franziskus die Missbrauchsopfer um Vergebung und betonte, dass die Verbrechen nur durch Komplizenschaft getarnt werden konnten. Die katholische Kirche müsse trauern und wiedergutmachen, was sie den Menschen angetan habe, indem sie einem "frevlerischen Kult" gefrönt habe, der Gott entweihe.

Das deutsche "Netzwerk Betroffener von sexueller Gewalt" kritisierte das Treffen als reine PR-Veranstaltung, einen symbolischen Akt des Papstes, der keine konkreten Konsequenzen habe. Opfervertreter aus Argentinien bemängelten, der Heilige Vater habe sich beim Umgang mit kirchlichem Missbrauch während seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Sie fragten an, warum sie nicht ebenfalls zu dem Treffen eingeladen worden seien.

Im April 2008 hatte Benedikt XVI. in Washington eine Gruppe von Opfern sexuellen Missbrauchs getroffen. Es war das erste Mal, dass ein Pontifex dies tat. Der deutsche Papst sprach damals von "Schuld und Verbrechen vor der ganzen Welt".

Franziskus' Treffen mit Missbrauchsopfern findet statt im Rahmen der zweiten Versammlung der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen. Die von Franziskus ins Leben gerufene Kommission soll erarbeiten, wie Täter zur Verantwortung gezogen werden können und Missbrauch in Zukunft verhindert werden kann. Die Kommission ist zur Hälfte mit Frauen besetzt, darunter das irische Missbrauchsopfer Marie Collins. Der Präsident dieser Kommission, der Bostoner Kardinal Sean Patrick O'Malley, begleitete auch die Sechser-Gruppe zum Papst.

ala/dpa/Reuters
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