Häftling Paris Hilton Die Diva, das Gesetz und die Medien

Paris Hilton wanderte erneut hinter Gitter. Und ganz Los Angeles stand Kopf: TV-Sender unterbrachen ihr Programm, vor Hiltons Haus spielten sich chaotische Szenen ab. Ein ganz normaler Tag in Hollywood.

Aus Los Angeles berichtet


Los Angeles - Paris Hilton hat eine nette Villa in den Hügeln Hollywoods. Sie thront über dem Sunset Boulevard, in einer steilen Kurve der North Kings Road, Hausnummer 1467. Nichts Besonderes für hiesige Verhältnisse, pseudo-mediterran, verspiegelte Scheiben, Dunstblick auf die Türme der Downtown. Am Gatter hängen zwei Sternenbanner, am Garagentor Luftballons, wie für einen Kindergeburtstag.

Es ist aber eine etwas andere Party, die hier gerade gefeiert wird. Eine Hundertschaft von Journalisten, Paparazzi und Schaulustigen belagern das efeuberankte Anwesen. Schnittige Cops des L.A. Police Department in Ray-Ban-Sonnenbrillen, die aussehen wie Stuntmen, halten das Volk nur mühsam hinter der Absperrung.

Die Meute campiert mit Klappstühlen auf der Straße, hat Stative in den Rinnstein gerammt, wirft Kartons mit angebissenen Donuts in die Vorgärten. Alles im Dienste des "money shots" - eines Exklusiv-Fotos der Millionenerbin in Handschellen, das selbst Millionen wert ist.

Sie ist da, irgendwo hinter diesen Mauern, und die Sheriffs sind unterwegs, um sie abzuholen zum erneuten Gerichtstermin. Jedenfalls hat sich diese Neuigkeit binnen Sekunden hier am "Chateau Hilton" verbreitet. Nun herrscht freudige Erwartung.

Floral-Offerte in Spaghetti-Tops

Freitag früh in West Hollywood: Unter der Morgensonne Kaliforniens beginnt eine neue Episode - die bisher dramatischste - der Soap Opera "Paris Hilton, das Gesetz und die Medien". Das 26-jährige Partygirl, wegen wiederholter Trunkenheit am Steuer in Justitias Schwitzkasten, harrt nach verkürzter Haftstrafe unter Hausarrest ihres Schicksals. Und das ist düster: Der zuständige Richter - der ihre vorzeitige Entlassung nicht abgesegnet hatte - tobt nämlich. Sein Marschbefehl, so wird kolportiert: "Bringt ihren Arsch vor Gericht!"

Doch zuvor gibt's Blumen. Zwei Mädchen in Spaghetti-Tops schellen an Hiltons Haustür, sie bringen einen bunten Strauß. "Hey, wer seid ihr?", geifern die Paparazzi. Die Mädchen stellen sich taub. Niemand öffnet ihnen. Also lehnen sie die Floral-Offerte ans Tor und verschwinden wieder.

Reporter aus Deutschland, Italien und Japan tummeln sich. Grüße fliegen umher, man kennt sich. Manche schon seit dem O.-J.-Simpson-Prozess von 1994, der Mutter aller Medienspektakel.

Eine dänische Touristengruppe ächzt den Hügel hoch. "Wie sinnlos", mokiert sich eine von ihnen, nur um den Zirkus dann flugs mit ihrer neuen Handy-Kamera zu verewigen. Ein voller, schwarzer Kleinbus der Starline-Gesellschaft, die Touren zu Star-Villen bietet, rollt vorbei.

Trauma oder Hautausschlag?

Sieben Helikopter knattern über der Szene. Dazwischen schnurrt ein Flugzeug hin und her, hinter sich ein Banner: "We love Paris - The Darling Family." (Ein wortgleiches Inserat findet sich in der "Los Angeles Times", ganzseitig.) Es ist ein Werbegag des Networks ABC für seine neue Soap-Serie "Dirty Sexy Money", in deren Mittelpunkt die stinkreiche, korrupte Familie Darling steht. Fiktion imitiert Realität. Oder andersrum?

Wie es so weit kam, allein das ist eine Seifenoper, wie sie es nur hier geben kann, real oder fiktiv. Am Sonntag zog Hilton ins Gefängnis, da noch als wackere Heldin: "Ich habe echt Angst, aber ich bin bereit, meine Strafe anzutreten", hatte sie eine Stunde zuvor gesagt, noch auf vertrautem Terrain, dem roten Teppich der MTV Movie Awards. Für die Celebutante (eine Wortkreuzung aus Celebrity und Debutante - berühmte Debütantin), die berühmt ist für nichts, war es die erste Gelegenheit, tatsächlich mal für etwas berühmt zu sein - Verantwortlichkeit.

Es sollte nicht sein. Kurz nachdem sie im Century Regional Detention Center gelandet war, in der drei mal vier Meter großen Zelle 23, war Schluss mit dem Heldentum. "Sie sah abgewrackt aus", berichtete Knastgenossin Elana Lamb. "Trotzdem hinreißend." Hilton habe dauernd nach dem Notarzt geschrien. "Sie hat nur gejammert. Sie beschwerte sich, dass ihr kalt sei und dass sie Hunger habe."



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