Augenzeugenberichte nach Taifun "Haiyan" "Plötzlich füllte sich das Haus mit Wasser"

Die Deutsche Johanna Wiese, 30, hält sich seit dreieinhalb Jahren auf den Philippinen auf. Viele ihrer Bekannten leben in Tacloban. Seit Tagen versucht sie die Freunde zu erreichen. Alle hat der Taifun getroffen, doch manche hatten Glück.

AP

Manila - "Heute habe ich mit einer Freundin gesprochen, die gerade aus Tacloban ausgeflogen wurde. Sie sagt, sie hätten sich auf den Taifun vorbereitet. Sie hatten Hilfspakete in den Lagerhäusern, die die Regierung bereitgestellt hatte. Aber alles war eben darauf ausgerichtet, dass ein Sturm kommt, keine Welle, die die ganze Stadt überflutet.

Diese Freundin hatte unglaubliches Glück. Sie und ihre Familie waren zu Hause geblieben. Warum hatten sie sich gegen eine Evakuierung entschieden? Wenn man in einem Haus wohnt, dessen Wände aus Beton bestehen, dann glaubt man, da besteht keine große Gefahr. Sie wachte vom Sturm auf, plötzlich füllte sich das Haus mit Wasser. Das passierte innerhalb von 15 Minuten, auf einmal kam das Wasser bei ihnen hereingerauscht.

Sie haben versucht aus dem Haus zu kommen, aber das ging nicht, erzählte mir meine Freundin. Sie konnten die Tür nicht mehr aufmachen wegen der Wassermassen. Viele ihrer Fenster waren vergittert, da kamen sie auch nicht raus. Nur ein kleines Fenster war nicht vergittert. Ihr Ehemann und ihre Tochter schafften es da durchzuklettern, aber sie passte nicht durch, weil sie etwas fülliger ist.

In dem Moment, als sie dafür gesorgt hatte, dass ihr Mann und ihre Tochter in Sicherheit waren, da hatte sie schon ein bisschen für sich abgeschlossen, sagte sie mir. Ihr stand das Wasser schon bis zum Hals. Das wird nix mehr. Und dann hat sie ein Geräusch gehört; sie kann sich nicht mehr im Detail erinnern, aber ihr Mann hat das Holz im Dach herausgeschlagen und sie durch das Dach herausgeholt.

Der Verletzte operierte sich im Krankenhaus selbst

Nach zwei Stunden war plötzlich das ganze Wasser wieder weg. Stattdessen waren die Straßen blockiert mit Trümmern, Holz, Waschmaschinen, Autos, die vorher vorbeigeschwommen waren. Und überall die Toten. Sie sagte, man hat Trümmer gesehen und darunter ragten Hände hervor. Und das Geschrei von den Leuten. Leute, die umherirrten und versuchten ihre Verwandten und Bekannten zu finden. Sie hätte so viel Glück gehabt. Sie stand da mit allen ihren Verwandten.

Ihr Onkel blutete am Bein. Es hatten sich Glasscherben von den zersprungenen Fenstern hineingebohrt. Die haben sie sich später im Krankenhaus selbst herausoperiert: Ihr Onkel ist Arzt, sie selbst Krankenschwester. Vom Personal war kaum jemand mehr aufzufinden.

Sie ist jetzt in Manila. Sie sagt mir, wenn ihre Tochter jetzt Wasser im Fernsehen sieht, weint sie.

Ich habe einige Freunde, die noch in Tacloban sind und versuchen herauszukommen. Wir hören kurz von ihnen; eine Minute, 'ich lebe noch', dann machen sie das Handy wieder aus. Sie müssen den Akku schonen. Sie haben Angst: Es hat Einbrüche gegeben, ein Einkaufszentrum wurde geplündert und Rebellen haben Hilfskonvois überfallen. Die Menschen sind hungrig. Es gab einen Ansturm auf ein Lagerhaus mit Reis, acht Menschen kamen ums Leben. Man weiß nicht, ob sie aus Verzweiflung handeln, jedenfalls ist die Sicherheitslage kritisch.

"Wir wollen seinen Leichnam bergen"

Ein Freund von mir liegt in Cebu auf der Nachbarinsel im Krankenhaus. Sein Bruder ist tot, seine Eltern sind tot, die Frau seines Bruders ist tot. Er hat im Grunde nichts mehr. Wenn man in Deutschland Flutschäden hat, zahlt das die Versicherung. Aber hier hat keiner eine Versicherung.

Von einem sehr guten Freund haben wir seit dem Sturm nichts gehört. Er lebte in einem Haus direkt an der Küste. Seine Mutter und seine Schwester sind am Abend des Taifuns in ein Hotel gezogen aus Sorge vor dem Sturm. Er, sein Bruder und der Vater entschieden sich im Haus zurückzubleiben. Ich habe mir jetzt natürlich auch gesagt: Warum habt ihr das gemacht? Was soll das? Aber als philippinischer Mann hat man eben auch Verantwortung für sein Haus. Man kann nicht einfach so gehen.

Er wird vermisst. Wahrscheinlich heißt das, dass er tot ist. Aber wir können es immer noch nicht glauben. Es ist etwas anderes, wenn jemand vermisst wird. Die Mutter ist nach dem Sturm zum Haus zurückgegangen. Sie hat die Leiche ihres Mannes über der Tür hängen sehen und wollte dann nicht weitergehen. Das könne sie nicht.

Im Bekanntenkreis habe ich Geld gesammelt. Damit wollen wir die Mutter und die Schwester meines Freundes aus Cebu herausfliegen, wohin sie vom Militär gebracht worden sind, und wir wollen den Leichnam des Vaters bergen. Das sind keine schönen Dinge, aber es muss eben auch gemacht werden.

Wie es in den Dörfern um Tacloban aussieht, ist noch unklar

Die Hilfe konzentriert sich auf Tacloban. Wie die Lage in den umliegenden kleinen Dörfern ist, weiß niemand. Von ihnen hören wir nichts, zwei Freunde haben sich auf dem Landweg von Manila aufgemacht, um ihre Familien zu finden. Von ihnen haben wir seit Tagen nichts gehört. Die Handynetze sind immer noch beschädigt.

In Manila werden Benefizkonzerte organisiert, Geschäfte rufen Tage aus, an denen 30 Prozent ihres Erlöses gespendet werden. Die Leute sind unglaublich dankbar über die Hilfe, die aus dem Ausland kommt. Ich sehe auf Facebook überall Danksagungen. Die Schuld wird der nationalen Regierung zugeschrieben. 'Müssen wir warten, bis die USA ihre Marines schicken? Warum liegen überall noch Leichen herum?'

Viele misstrauen der Regierung. Es ist erst zwei Monate her, dass ein großer Korruptionsfall durch die Medien ging. Was man auch dazu sagen muss, ist, dass die Familie, die in Tacloban an der Macht ist, Erzfeinde der Familie sind, die derzeit den Präsidenten in Manila stellen. Das kommt noch mit ins Spiel und macht die Rettungsaktionen schwieriger.

Ich bin unglaublich glücklich, dass es uns nicht hier in Manila erwischt hat. Ich hatte die Warnungen vorher vor dem Supertaifun nicht ganz ernst genommen. Ich habe hier schon drei Überschwemmungen erlebt, aber so einen Sturm, bei dem dir die Fensterscheiben um die Ohren fliegen? Wo ganze Möbelstücke auf dich zukommen? Wenn einen so etwas trifft, dann war es das. Wo soll man sich da in Sicherheit bringen?"

Aufgezeichnet von Raniah Salloum

insgesamt 2 Beiträge
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Freddy Kraus 14.11.2013
1. Eigenes Versagen auf der ganzen Linie!
Die Menschen auf den Philippinen bringen ihr Leben einfach nicht mehr aus die Reihe. Schuld ist die Politik und die 50 Oligarchen die dieses Land beherrschen. In Taclobahn auf der Insel Leyte finden jetzt Pluenderungen und auch Vergewaltigungen werden gemeldet. Die Philippinen haben eine grosse Armee von 220.000 Mann mit allem wasdazu gehoert und muessen auf einen Flugzeugtraeger der USA warten um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Nur 150 Kilometer neben Leyte liegt die Millionenstadt Cebu, auf der genuegend Lebensmittel, schweres Geraet, sehr viele Polizisten, Aerzte, Krankenschwestern und andere Hilfdienste vorhanden sind. Es gibt hier genuegend Nahrung und Wasser. Hier sind auch sehr viele Touristen in den Luxushotels die bestens versorgt werden. Die Filipinos bringen einfach nichts auf die Reihe. Jedes Jahr passieren neben dieses Naturkatastrophen viele Schiffsungluecke, die die meisten Menschen nicht beruehren. Heute liegen noch hunderte tote Passagiere in den gesunkenen Schiffen die nicht geborgen werden. Menschenleben scheinen hier nicht hoch im Kurs zu stehen. Die grossen Verlierer sind immer die armen Bevoelkerungsschichten. Die staatlichen Stellen mit ihren total unfaehigen und ueberforderten Beamten unternehmen nichts. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis die ersten Meldungen ueber verschwundene Spendengelder in den Medien auftauchen. Und diese Katastrophe auf den Philippinen war nicht die letzte. Die Filipinos haben nichts daraus gelernt. Vielleicht sollten sie doch einmal nachdenken, ob sie nicht der 51. Staat der USA werden wollen. Das Angebot gab es ja schon einmal. Und etwas besseres koennte diesem "Paradies im ewigen Entwicklungsnotstand" nicht passieren.
fd53 14.11.2013
2. och bitte um eine glaubwürdige Antwort
Zitat von Freddy KrausDie Menschen auf den Philippinen bringen ihr Leben einfach nicht mehr aus die Reihe. Schuld ist die Politik und die 50 Oligarchen die dieses Land beherrschen. In Taclobahn auf der Insel Leyte finden jetzt Pluenderungen und auch Vergewaltigungen werden gemeldet. Die Philippinen haben eine grosse Armee von 220.000 Mann mit allem wasdazu gehoert und muessen auf einen Flugzeugtraeger der USA warten um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Nur 150 Kilometer neben Leyte liegt die Millionenstadt Cebu, auf der genuegend Lebensmittel, schweres Geraet, sehr viele Polizisten, Aerzte, Krankenschwestern und andere Hilfdienste vorhanden sind. Es gibt hier genuegend Nahrung und Wasser. Hier sind auch sehr viele Touristen in den Luxushotels die bestens versorgt werden. Die Filipinos bringen einfach nichts auf die Reihe. Jedes Jahr passieren neben dieses Naturkatastrophen viele Schiffsungluecke, die die meisten Menschen nicht beruehren. Heute liegen noch hunderte tote Passagiere in den gesunkenen Schiffen die nicht geborgen werden. Menschenleben scheinen hier nicht hoch im Kurs zu stehen. Die grossen Verlierer sind immer die armen Bevoelkerungsschichten. Die staatlichen Stellen mit ihren total unfaehigen und ueberforderten Beamten unternehmen nichts. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis die ersten Meldungen ueber verschwundene Spendengelder in den Medien auftauchen. Und diese Katastrophe auf den Philippinen war nicht die letzte. Die Filipinos haben nichts daraus gelernt. Vielleicht sollten sie doch einmal nachdenken, ob sie nicht der 51. Staat der USA werden wollen. Das Angebot gab es ja schon einmal. Und etwas besseres koennte diesem "Paradies im ewigen Entwicklungsnotstand" nicht passieren.
Warum bitte funktioniert es als Gastarbeiter im Ausland? Ich beschäftige seit August 1999 einige Filipina, inzwischen sind es 8 in 4 Objekten. Sie arbeiten zuverlässig, fleißig, qualitativ gut und auch sehr selbstständig. Wobei allerdings bei einigen der relativ jungen Damen der Umgang mit ihrem persönlichen Einkommen Fragen auf wirft. * Ich selbst versuche seit 14 Jahren die Denkweise der Filipinos zu begreifen, scheitere aber bisher. Laut meiner Ansicht haben 400 Jahre katholische Kirche und 80 Jahre USA ala Hollywood hinsichtlich dem Denken und densozialen Verhaltensformen bei den Filipinos extrem negative Spuren hinterlassen.
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