Halloween-Kürbisse Spukgesichter zum Fürchten

Halloween kommt mal wieder völlig überraschend? Kein Problem: Wer auf die Schnelle noch ein heimelig glühendes Kürbisgesicht schnitzen möchte, sollte nicht mehr als 30 Minuten dafür brauchen. Wir zeigen, wie es geht.

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Das größte Problem, mit dem sich Kürbisschnitzer am heutigen Halloween-Tag konfrontiert sehen, ist es, überhaupt noch ein anständiges Exemplar zu bekommen: In den Supermärkten liegen Haufen japanischer Mini-Kürbisse, heimische Ess-Kürbisse aber sind Mangelware. Die besten Chancen hat man noch im spezialisierten Gemüsehandel - und da vor allem bei türkischen Händlern, denen der Kürbis nah, Halloween aber fern liegt.

Der Rest ist einfach. Die Arbeit besteht letztlich aus zwei Schritten: erstens aushöhlen, zweitens ein Gesicht hineinschneiden. Wie man das genau macht, zeigen wir in der ausführlichen Bildergalerie (siehe oben).

Halloween: Rückkehr eines ur-europäischen Festes

Warum man den Kürbissen zu Leibe rückt, ist eine andere Frage, an der sich längst eine Generationenkluft auftut. Dass Halloween auf Allerheiligen fällt, ist kein Zufall: Das vorchristliche Samhain-Fest (gesprochen: Sa-o-ihn), das Halloween zugrunde liegt, war einer der heiligsten Tage im keltischen Kalender. In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November berührten sich die reale Welt und die Anderswelt, der Bereich der Geister und Verstorbenen. Nur zu Samhain kam es zum Austausch der Welten - eine Ehrfurcht, aber eben auch Furcht weckende Festivität.

Die Kelten hielten schon in vorchristlicher Zeit mit Feten und Gelagen hinter verschlossenen Türen dagegen, mit Rausch-Ritualen, die den freundlichen Kontaktschluss erleichtern sollten - daher das ganze Halloween-Brimborium mit Schreckgestalten und Geistern. Vor den Türen ließen sie die Fackeln flackern, weil das "die anderen" auf Abstand halten sollte - heute übernimmt das vor meiner Tür der heimelig flackernde Kürbis. Der allerdings hat zudem eher den Effekt, dass Besucher kommen ("Süßes oder Saures!").

Noch immer umstritten

Den Vertretern der christlichen Kirche schmeckte das alles damals und auch heute gar nicht: Sie hatten einst mit Bedacht den thematisch verwandten Allerheiligentag auf Samhain gelegt, weil dessen Traditionen zu tief verwurzelt schienen, um sie einfach per Verbot auszumerzen.

Zurück nach Europa kam das Samhain-Fest in stark veränderter Form über den Umweg USA, wohin es einst von Iren und Schotten exportiert worden war. Halloween mit seinen Kinderspäßen hat nur noch wenig gemein mit den Samhain-Ritualen. Für Kinder spielt Halloween besonders in Nordwestdeutschland heute zunehmend die Rolle, die Sankt Martin vorher einnahm - in Nordrhein-Westfalen nehmen die Kleinen einfach beides mit. Für die Großen ist es die Gelegenheit zu einem zweiten Karneval.

Dass Ältere sich darüber aufregen, dass solche "amerikanischen" Bräuche hierzulande gefeiert werden, ist Jüngeren völlig unverständlich: Wer in den letzten 20 Jahren aufwuchs, kennt das alles gar nicht anders. Gut so, man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Und Halloween hat in mehr als einer Hinsicht das kulturelle Leben bereichert - auch mit seinen stimmungsvollen Dekorationen in satten, herbstlichen Farben.

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