Blockade von Hamburger Flüchtlingsheim Egoismus mit rassistischer Nebenwirkung

Im Hamburger Nobelviertel Blankenese blockieren Anwohner mit aller Kraft den Bau eines Flüchtlingsheims. Ist das vergleichbar mit den Anti-Asyl-Protesten etwa in Sachsen? Eigentlich ist es noch schlimmer.
Linke Aktivisten im Hamburger Björnsonweg

Linke Aktivisten im Hamburger Björnsonweg

Foto: Axel Heimken/ dpa

386 Kilometer trennen Freital und Blankenese, seit einigen Tagen aber scheinen beide Orte nicht weit voneinander entfernt. Das schmucklose Freital liegt in einem Tal bei Dresden und hat offenbar ein Problem mit Rechten. Das schmuckreiche Blankenese thront auf grünen Hügeln am Rande Hamburgs - und hat offenbar ein Problem mit Reichen. In dieser Woche zeigte sich, dass aus beiden Gruppen Widerstand gegen dieselbe Bevölkerungsgruppe kommen kann: Asylbewerber.

Aber haben die Gegner von Flüchtlingsheimen in Sachsen und Hamburg auch ähnliche Motive?

Wer sich in diesen Tagen vor den strahlendweißen Neubauten im Blankeneser Björnsonweg umhört, der trifft auf Hamburger in Lederschuhen und Steppjacken, die offenbar den Umweltaktivisten in sich entdeckt haben: Weil in einem Waldstück gegenüber neun Holzhäuschen für 192 Flüchtlinge entstehen sollen, haben Anwohner eine Biologin angegangen und Baumfällarbeiten verhindert - erst mit einer Straßenblockade, dann mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht. Es gehe natürlich nicht um das Flüchtlingsheim, beteuerte eine Anwohnerin am Mittwoch, sondern um den Schutz der reichhaltigen Flora und Fauna in dem Wäldchen.

Glaubwürdig ist das nicht. Es ist schon ein komischer Zufall, dass diese Zusammenballung Hamburger Baumfreunde ausgerechnet im Björnsonweg wohnt. Zufall auch, dass ausgerechnet in der Straße der Umweltschützer Anhänger mit Segelbooten sowie Limousinen stehen - die das dortige Landschaftsschutzgebiet mit beachtlichen CO2-Mengen belasten dürften.

Man muss nicht Rassist sein, um rassistisch zu handeln

Der Verdacht liegt nahe: Die Gegner der Flüchtlingsunterkunft fürchten wohl weniger den Verlust einiger Bäume, sondern eher einen Wertverfall ihrer Grundstücke und Häuser. Sie wollen in ihrem Idyll nicht gestört werden - auch nicht von Schutzbedürftigen. Dabei sind die Asylgegner vom Björnsonweg sicherlich keine Neonazis. Wer aber den Wert des eigenen Grundstücks, den hübschen Ausblick auf den Wald oder die Existenz einiger Bäume über die Lebensbedingungen Hunderter Geflüchteter stellt, der beweist: Man muss nicht Rassist sein, um rassistisch zu handeln.

Selbstverständlich darf sich im Rechtsstaat jeder Bürger mit legalen Methoden gegen Verwaltungsakte wenden, die ihm nicht passen - und möglicherweise gab es in diesem Fall wirklich Fehler im Genehmigungsverfahren. Das ist eine juristische Frage. Die moralische lautet: Sollten Werte wie Fairness und Solidarität nicht wichtiger sein als Paragrafen?

Dabei gilt auch in Blankenese, was in all den Freitals dieser Republik gilt: Es ist eine Minderheit, die in der Flüchtlingskrise gegen diese Werte handelt, die schreit, zündelt oder ihre Anwälte Eilanträge formulieren lässt. Zudem unterscheiden sich die Motive der Asylgegner. In Sachsen heißt das Problem Rechtsextremismus, in Hamburg: Wohlstandsgefälle.

Darf man die Blockierer vom Björnsonweg und die Pöbler aus Freital, Heidenau oder Clausnitz also grundsätzlich über einen Kamm scheren? Darf man nicht.

Zwar ist jede Form der organisierten Fremdenfeindlichkeit verwerflich - aber im Gegensatz zu vielen sozial abgehängten Flüchtlingsgegnern in Sachsen sind die Blankeneser wohlhabend, gebildet und gesellschaftlich einflussreich. Und dass ausgerechnet solche Menschen den allerschwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft ihre Unterstützung verwehren, ist schlichtweg unerträglich.

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