Fall Chantal Bezirksamt kündigt Betreuungsvertrag

Das Hamburger Bezirksamt zieht Konsequenzen: Nach dem Tod der elfjährigen Chantal hat die Behörde dem zuständigen freien Träger VSE gekündigt. Das Pflegekind war an einer Überdosis Methadon gestorben - Mitarbeiter sollen ihre Fürsorgepflicht verletzt haben.

Hamburg im Januar: Abschiedsgruß der 5. Klasse an die verstorbene Chantal
dapd

Hamburg im Januar: Abschiedsgruß der 5. Klasse an die verstorbene Chantal


Hamburg - Fast fünf Monate nach dem Methadon-Tod des elfjährigen Pflegekindes Chantal in Hamburg hat das Bezirksamt Mitte die Zusammenarbeit mit dem freien Träger Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) beendet. "Die Zuverlässigkeit war nicht gewährleistet", sagte eine Sprecherin. Bei der Betreuung der Familie habe der Träger "nicht so gearbeitet, wie das erwartet werden muss".

Dem VSE sei zum frühestmöglichen Zeitpunkt gekündigt worden, hieß es bei der Behörde. Die Kündigung sei zum 15. Juni wirksam, ab dann soll ein neuer freier Träger die Aufgaben übernehmen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin gegen die Pflegeeltern, deren 27-jährige Tochter und Chantals leiblichen Vater wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Außerdem gibt es Ermittlungen gegen das Jugendamt und den VSE, weil sie ihre Fürsorgepflicht verletzt haben sollen.

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Die vom Jugendamt in betreute elfjährige Chantal war am 16. Januar im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg an einer Überdosis Methadon gestorben. Das Mädchen lebte bei Pflegeeltern, die beide an einem Methadon-Programm teilnahmen.

Ermittler fanden in der Garage der Pflegeeltern und am Arbeitsplatz des Pflegevaters Methadon-Tabletten. In der Wohnung der Pflegefamilie soll es recht chaotisch zugegangen sein, Chantal hatte nicht einmal ein eigenes Bett. Das zuständige Jugendamt will jedoch keine Hinweise über den Drogenkonsum der Pflegeeltern gehabt haben. Drei Wochen nach dem Tod der Elfjährigen war der zuständige Bezirksamtschef Markus Schreiber zurückgetreten.

lgr/dpa

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sinasina 08.06.2012
1. Notfall: Wahrscheinlich ruft Euch eher jemand von Akte20.10 zurück, als von Jugendamt
Da wird gelästert über Unterschichts-TV, über TV-Schuldenberater, TV-Kindererziehung, TV-Gesangswettbewerbe, TV-Hilfe für infolge von Krankheit in Not geratene Familien beim Hausumbau etc. Doch warum hat eigentlich noch niemand die Frage gestellt, warum in Deutschland so viel Steuer-Milliarden an Behörden für soziale Aufgaben fließen – aber offensichtlich so wenig im Sinne der Betroffenen geschieht? Wo sind die Schulen, Jugendämter, die bemerkt hätten, dass Kinder ohne Frühstück in die Schule kommen? Wo sind die Schulen, Jugendämter, die bemerkt hätten, wie viele Kinder noch nicht mal 1 warme Malzeit bekommen? Wo sind Kindergärten (angeblich mit über 1.000,00 € pro Platz und Monat bezuschusst) und Schulen, die musikalisch talentierte Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern bemerkt hätten und diese Kinder förderten? Wo sind die Krankenkassen, die abnehmwilligen Mitgliedern tatsächlich unterstützende Möglichkeiten anbieten – ohne dass Mitglieder sich durch etliche Instanzen klagen müssen, um Unterstützung zu erhalten? Wo sind die Krankenkassen, die Mitgliedern, die 30kg, 50kg, 100kg abgenommen haben, die OP bezahlt, damit sich die überschüssige Haut nicht entzündet? Wo sind Jugendämter und Krankenkassen, die Eltern so genannte Mutter- und Kindkuren bei Zeiten anbieten - anstelle die Kuren zu verweigern? Stattdessen setzen diese mit Steuergeld finanzierten Verwaltungen (ganz vorneweg die DAK) darauf, dass viele Eltern nicht die Kraft oder das Wissen haben, Widersprüche einzureichen oder sich durch die Instanzen zu klagen. Wo sind die engagierten Schuldnerberater, die auch mal Hausbesuche machen, anstelle angeödet auf ihren Stühlen sitzen und möglichst ab 15 Uhr ihre Arbeitsstelle verlassen? Wo sind Behörden und Versicherungen, wenn Vollzeit berufstätige Eltern sich aufgrund ihres niedrigen Gehaltes nicht den brauchbaren Bettenlifter, Rollstuhl für Familienangehörige leisten können? Wem ist eigentlich klar, dass erst durch diese verpönten Unterschichts–TV–Ereignisse breiten Bevölkerungsschichten deutlich geworden ist, was in diesem Land los ist? Jetzt ist es 17 Uhr 42. Ruft doch einfach mal bei Eurem Jugendamt an, weil Ihr einen Notfall melden wollt! Wahrscheinlich ruft Euch eher jemand von Akte20.10 zurück, als von Eurem Jugendamt.
Litratech 08.06.2012
2. Ein wahres Wort
@sinasina Vielen Dank für Ihren Beitrag, den ich und meine Frau voll und ganz unterstützen. Es ist eine Tragödie was alles falsch laufen kann in unserem Land nur weil die Menschen vergessen was ihre Aufgaben sind und wie wichtig diese sind.
guteronkel 08.06.2012
3. Chantal stirbt durch Methadon-Überdosis
Zitat von Litratech@sinasina Vielen Dank für Ihren Beitrag, den ich und meine Frau voll und ganz unterstützen. Es ist eine Tragödie was alles falsch laufen kann in unserem Land nur weil die Menschen vergessen was ihre Aufgaben sind und wie wichtig diese sind.
Dem stimme ich vorbehaltlos zu. Aber wäre es nicht auch an der Zeit das zuständige Amt, Bezirksamt Mitte in Hamburg, sofort in U-Haft zu nehmen und somit die tatsächlich Verantwortlichen zu bestrafen? Es kann nicht sein, dass eine Behörde die Aufgabe und Pflichten an private Firmen weitervergibt. Es mag üblich sein, zu entschuldigen ist es aber nicht. Wie kann es sein, dass die Behörde Aufgaben weiterleitet, für die es selbst zuständig ist? Ich habe den Verdacht, dass die Staatsanwaltschaft dies neuerdings auch so macht.
guteronkel 08.06.2012
4. zum Tod von Chantal
Zitat von sinasinaDa wird gelästert über Unterschichts-TV, über TV-Schuldenberater, TV-Kindererziehung, TV-Gesangswettbewerbe, TV-Hilfe für infolge von Krankheit in Not geratene Familien beim Hausumbau etc. Doch warum hat eigentlich noch niemand die Frage gestellt, warum in Deutschland so viel Steuer-Milliarden an Behörden für soziale Aufgaben fließen – aber offensichtlich so wenig im Sinne der Betroffenen geschieht? Wo sind die Schulen, Jugendämter, die bemerkt hätten, dass Kinder ohne Frühstück in die Schule kommen? Wo sind die Schulen, Jugendämter, die bemerkt hätten, wie viele Kinder noch nicht mal 1 warme Malzeit bekommen? Wo sind Kindergärten (angeblich mit über 1.000,00 € pro Platz und Monat bezuschusst) und Schulen, die musikalisch talentierte Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern bemerkt hätten und diese Kinder förderten? Wo sind die Krankenkassen, die abnehmwilligen Mitgliedern tatsächlich unterstützende Möglichkeiten anbieten – ohne dass Mitglieder sich durch etliche Instanzen klagen müssen, um Unterstützung zu erhalten? Wo sind die Krankenkassen, die Mitgliedern, die 30kg, 50kg, 100kg abgenommen haben, die OP bezahlt, damit sich die überschüssige Haut nicht entzündet? Wo sind Jugendämter und Krankenkassen, die Eltern so genannte Mutter- und Kindkuren bei Zeiten anbieten - anstelle die Kuren zu verweigern? Stattdessen setzen diese mit Steuergeld finanzierten Verwaltungen (ganz vorneweg die DAK) darauf, dass viele Eltern nicht die Kraft oder das Wissen haben, Widersprüche einzureichen oder sich durch die Instanzen zu klagen. Wo sind die engagierten Schuldnerberater, die auch mal Hausbesuche machen, anstelle angeödet auf ihren Stühlen sitzen und möglichst ab 15 Uhr ihre Arbeitsstelle verlassen? Wo sind Behörden und Versicherungen, wenn Vollzeit berufstätige Eltern sich aufgrund ihres niedrigen Gehaltes nicht den brauchbaren Bettenlifter, Rollstuhl für Familienangehörige leisten können? Wem ist eigentlich klar, dass erst durch diese verpönten Unterschichts–TV–Ereignisse breiten Bevölkerungsschichten deutlich geworden ist, was in diesem Land los ist? Jetzt ist es 17 Uhr 42. Ruft doch einfach mal bei Eurem Jugendamt an, weil Ihr einen Notfall melden wollt! Wahrscheinlich ruft Euch eher jemand von Akte20.10 zurück, als von Eurem Jugendamt.
Hui, kann es sein dass da jemand mal so richtig seine Meinung schreibt? So richtig mit dem Finger in der blutigen Wunde bohrt? Gut so, das vermisse ich schon lange. Weiter möchte ich aber noch fragen: Es wurde Methadon in der Garage und am Arbeitsplatz der Pflegeeltern gefunden? Scheint so zu sein. Fraglich ist nur, warum irgendeine Institution derart viel Ersatz-Stoff abgibt. Hier scheint die Kontrolle absolut nicht zu funktionieren. Der Aufbewahrungsort Garage und Arbeitsplatz ist zwar nicht in Ordnung aber für das Kind primär keine Gefährdung. Hier erwarte ich weitere Informationen und keine dummen Phrasen um das Volk aufzuhetzen.
Rainer Helmbrecht 09.06.2012
5.
Zitat von sysopdapdDas Hamburger Bezirksamt zieht Konsequenzen: Nach dem Tod der elfjährigen Chantal hat die Behörde dem zuständigen freien Träger VSE gekündigt. Das Pflegekind war an einer Überdosis Methadon gestorben - Mitarbeiter sollen ihre Fürsorgepflicht verletzt haben. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,837763,00.html
Mir fällt auf, dass es immer wieder solches Versagen des Jugendamtes gibt, wo trotz Hinweisen aus der Nachbarschaft nichts erfolgt. Ebenfalls habe ich noch nicht gelesen, dass pädophiles Verhalten von kirchlichen Mitarbeitern, durch Jugendämter aufgedeckt wurde. Was ich schon gelesen habe war, dass Eltern von Jugendämtern schikaniert wurden und allein erziehende Mütter zum "Hobby" von Mitarbeitern wurden. Mitarbeiter des JA werden auch extrem selten zur Verantwortung gezogen. MfG. Rainer
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