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Attacke in Hanau Attentäter lieh sich Pistole kurz vor der Tat bei Waffenhändler

Der Hanauer Todesschütze hat sich eine seiner Waffen kurz vor dem Attentat nach SPIEGEL-Informationen bei einem Waffenhändler geliehen - ganz legal.
Gedenkstellen am Hanauer Tatort

Gedenkstellen am Hanauer Tatort

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Tobias Rathjen erschoss in Hanau zehn Menschen und dann sich selbst - und war mit einer geliehenen Waffe unterwegs: Nach SPIEGEL-Informationen hat sich der 43-Jährige knapp zwei Wochen vor seiner Tat eine Czeska 75 Shadow, Kaliber neun Millimeter, bei einem Waffenhändler geliehen. Zuvor hatte der SWR darüber berichtet.

Der Täter hatte nach bisherigen Erkenntnissen eine rassistische Gesinnung und war psychisch krank. Dennoch besaß er seine Waffen als Sportschütze legal. (Lesen Sie hier die SPIEGEL-Titelstory zum Thema.)

Die geliehene Czeska entdeckten hessische Kriminalbeamte nach SPIEGEL-Informationen nach der Tat in Rathjens Auto. Mit dem Wagen war er zunächst zu den Tatorten und anschließend zu seinen Eltern gefahren. Die Waffe auszuleihen, war Rathjen möglich, weil er als Sportschütze über eine Waffenbesitzkarte verfügte. Das Gesetz sieht vor, dass Schützen damit bis zu einen Monat lang eine Waffe entleihen können, um diese zu testen.

"Völlig normal"

Der Waffenhändler sagte dem SPIEGEL, er habe keinen Grund gesehen, Rathjen die Pistole vorzuenthalten. Rathjen sei seriös gekleidet gewesen und habe "völlig normal" gewirkt. Seine Papiere seien in Ordnung gewesen. Der Attentäter besaß zudem seit Jahren eine Sig Sauer 226, Kaliber 9 Millimeter, und eine Walther PPQM2, Kaliber .22.

Der Anschlag in Hanau hatte eine Debatte über das deutsche Waffenrecht ausgelöst. Die Grünen forderten strengere Gesetze. Sportschützen sollen demnach ihre Waffen nicht mehr nach Hause nehmen dürfen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kündigte eine Prüfung des Waffenrechts an. (Lesen Sie hier eine Analyse).

Der Deutsche Schützenbund lehnt strengere Regeln ab. In einer Stellungnahme  hieß es, das deutsche Waffenrecht gelte als eines der "schärfsten weltweit". Sportschützen zählten zu den am stärksten kontrollierten und zugleich gesetzestreuesten Personen.

Der Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter sprach sich im ZDF-"Morgenmagazin" gegen vorschnelle Diskussionen über Verschärfungen aus. Zunächst sollten alle abwarten, sagte Sebastian Fiedler, was die Ermittler wirklich zutage fördern und "vielleicht dann noch mal neu sprechen".

mab/jdl/jpz