"Die Wahrheit ist raus" Channing Tatum sagt Filmprojekt mit Weinstein-Firma ab

Channing Tatum wollte für eine Romanverfilmung mit der Weinstein Company zusammenarbeiten. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den Produzenten verwirft der Schauspieler nun den Plan - und lobt "wahre Heldinnen".

Channing Tatum (2016 in Berlin)
REUTERS

Channing Tatum (2016 in Berlin)


US-Schauspieler Channing Tatum hat ein geplantes Filmprojekt bei der Weinstein Company (TWC) abgesagt. In einer Mitteilung auf Facebook priesen Tatum und sein Produktionspartner Reid Carolin die "mutigen Frauen", die ihre Missbrauchsvorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein offen ausgesprochen hätten, als "wahre Heldinnen".

Sie hätten sich nun aus ihrem einzigen TWC-Projekt - der Verfilmung des Romans "Forgive Me, Leonard Peacock" - zurückgezogen. Sie planten keine weitere Zusammenarbeit mit der Weinstein-Firma, teilten Tatum und Carolin mit.

Die beiden wollten bei der Roman-Adaption von US-Autor Matthew Quick ("Silver Linings Playbook") selbst Regie führen. Erzählt werde die Geschichte eines Jungen, dessen Leben durch sexuellen Missbrauch zerrissen wurde, erklärten die Filmemacher. Das Buch enthalte eine eindringliche Botschaft über Heilung nach einer Tragödie.

"Die Wahrheit ist raus", heißt es zum Ende der Facebook-Nachricht. Nun müsse das zu Ende gebracht werden, "was unsere unglaublichen Kolleginnen gestartet haben" - nämlich den Missbrauch endgültig zu beseitigen.

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Reaktionen auf Weinstein: "Unser aller Problem"

Nachdem zahlreiche Frauen dem Produzenten Harvey Weinstein sexuelle Übergriffe und teils auch Vergewaltigung vorgeworfen hatten, entließ die Produktionsfirma The Weinstein Company ihren Mitbegründer als Vorstandschef. Der 65-Jährige ist auch als Verwaltungsrat seiner Firma zurückgetreten.

Mehr zum Thema Weinstein: Hier lesen Sie mehr zu den jüngsten Vorwürfen gegen den Produzenten. Hier finden Sie die Kolumne von Margarete Stokowski zur Debatte um sexuelle Gewalt. Hier erfahren Sie mehr über die Hintergründe der Aktion #MeToo - und hier, was Männer aus dem Fall lernen wollen.

aar/dpa

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PeterPan95 19.10.2017
1. Verlogenheit
Offensichtlich wussten es sehr viele. All jene sollten lieber in Sack und Asche gehen und sich bei den Opfern entschuldigen, durch ihr Schweigen zu Mitwissern und bei allen weiteren Taten zu Mittätern durch Unterlassung geworden zu sein. Und das in einer Branche, in der so viele reiche Leute unterwegs sind, die eben nicht mehr in der Abhängigkeit zueinander stehen. Aber das Verhalten ist typisch amerikanisch. Statt die Verlogenheit der Vergangenheit zu hinterfragen, baut man das nächste Luftschloss der Verlogenheit, welches dann den nächsten Skandal provoziert.
dareios 21.10.2017
2. Der Umgang mit diesem Thema widert mich an
Ja, das Verhalten dieses Mannes ist unsagbar schlimm. Die Verhältnisse in "der Traumfabrik" sind ekelerregend. ABER: Die Reaktionen auf die Enthüllungen sind zutiefst bigott und voller Doppelmoral. 1. Viele wussten Bescheid, viele haben weg gesehen. Alle sind maßlos überrascht. Auf die vorherigen Lügen folgen nun die neuen Lügen... 2. Selbst ich als Laie, der nichts mit diesem Geschäft zu tun hat, hatte schon immer das Vorurteil, dass man sich im Filmgeschäft/Musikgeschäft oftmals "hochschlafen" muss. 3. Wenn ich nach Hollywood gehe, mache ich mir vorher Gedanken über diese "Begleitumstände", spätestens aber, wenn ich so etwas beobachte. Bereits dann sollte ich mir überlegen, wie ich persönlich damit umgehen würde. Aber nein, alle Betroffenen waren im ersten Augenblick total überrascht, überfordert und sprachlos und konnten nichts tun. Das soll man uneingeschränkt glauben? 2. "Freunde" von Weinstein gehen auf größtmögliche Distanz, auch wenn er ihnen persönlich gegenüber absolut korrekt war. Man sollte ihn für sein Fehlverhalten verurteilen, definitiv, aber wie eine Ratte das sinkende Schiff zu verlassen ist eines wahren Freundes unwürdig. Die wenigen Prominenten, die vorsichtig eine Lanze für ihn gebrochen haben, erlagen einem Shitstorm und sind gleich zurück gerudert. 3. Ich sehe in den Frauen, die sich jetzt melden, wahrlich keine "Heldinnen", erst recht keine "wahren Heldinnen". Solch eine Beschreibung verhöhnt die wirklich wahren Helden dieser Welt. Ein Held ist jemand, der unter schwerwiegendem persönlichen Einsatz eine mutige Handlung vollbringt. Man ist kein Held, wenn man jahrelang den Mund hält aus Angst, die eigene Karriere zu ruinieren, und erst plaudert, wenn man erfolgreich ist und sich auf seinen Millionen ausruhen kann. Im Nachhinein "mutig zu sein" und auf dieser Welle mit zu schwimmen ist recht einfach. Diese "Heldinnen" sollte man fragen, ob sie auch an die jungen Nachwuchskünstler denken, die während ihrer Jahre des Schweigens dasselbe Schicksal erdulden mussten. 4. Ich unterscheide ganz bewusst zwischen sexueller Belästigung und Vergewaltigung. Bei letzterer wird einem Gewalt angetan, da ist man machtlos, die seelische Wunde immens schlimmer, die Scham viel größer. Einer Belästigung kann man in allen Aspekten eher Herr werden. Warum den "Dreckskerl" nicht gleich anzeigen? Das wäre "ein schwerwiegender persönlicher Einsatz" gewesen. Ich hoffe nur, unter den jetzigen Anklägerinnen befindet sich keine, die in der Vergangenheit Schweigegeld akzeptiert hat. Was müsste man moralisch davon halten?
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