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20. März 2013, 15:34 Uhr

Überblick

Hausgeburten in Deutschland

Die Zahl der Kinder, die in Deutschland außerhalb von Kliniken geboren werden, liegt seit Jahren zwischen rund 10.000 und 12.500. Genaue Zahlen gibt es nicht, es gibt kein eigenes Register. Für 2011 weist das Statistische Bundesamt 662.685 lebend geborene Kinder aus, davon kamen laut Qualitätsbericht für außerklinische Geburtshilfe (QUAG) 10.829 nicht in einem Krankenhauses zur Welt. Die meisten von ihnen waren als außerklinische Geburten geplant. Laut QUAG beginnen in Deutschland knapp zwei Prozent aller Schwangeren die Geburt außerhalb einer Klinik.

Bei dem Thema Hausgeburten geht es oft um Ideologie. Das wird deutlich, wenn man sich eine jüngere Studie zum Thema anschaut. Dieselbe Untersuchung wird von Hausgeburtshebammen und Klinikverfechtern völlig unterschiedlich interpretiert.

2011 veröffentlichte das "British Medical Journal" eine Studie, die Geburtsdaten von 57.000 britische Frauen umfasste. 17.000 von ihnen bekamen die Kinder zu Hause, 10.000 in einem Geburtshaus, 30.000 in einem Krankenhaus. Bei 4,3 von 1000 Fällen gab es Komplikationen - sie traten unabhängig vom Geburtsort überall gleich häufig auf. Hebammenverbände weisen darauf hin, dass laut Studie Frauen jenseits der Krankenhäuser deutlich weniger Schmerzmittel verabreicht wurden. Gynäkologen führen das auf die Auslese der Frauen zurück, Hoch-Risiko und Frühgeburten seien nicht umfasst. Die Untersuchung zeigte auch: Bis zu 45 Prozent der Erstgebärenden werden während einer Geburt zu Hause oder in einem Geburtshaus wegen eines Notfalls in eine Klinik eingeliefert. Der Qualitätsbericht der Hebammen zeigt für Deutschland, dass hierzulande jede sechste Frau - erst- und mehrgebärend - während der Geburt in eine Klinik gebracht wird.

Zuletzt ergab eine kanadische Studie, dass Hausgeburten statistisch mit besseren Ergebnissen verbunden sind, eine aktuelle US-Studie sieht dagegen bei häuslichen Geburten erhöhte Risiken für die Kinder.

Europaweit gibt es einen Trend zu Klinikgeburten. Die Niederlande hatten die höchste Rate an Hausgeburten, sie lag bei 30 Prozent, inzwischen ist sie auf 20 Prozent gesunken. Das Risiko des Säuglings, vor, während und kurz nach der Geburt zu sterben, lag in keinem anderen Land Europas so hoch. In Portugal gibt es praktisch keine Hausgeburten mehr, allerdings liegt dort der Anteil der Kaiserschnitte bei mehr als 30 Prozent.

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