Raketen-Fehlalarm auf Hawaii 38 Minuten Todesangst

Sie verschanzten sich unter Matratzen, rannten panisch umher: Bürger Hawaiis berichten, wie sie auf den Raketen-Fehlalarm reagierten - dabei hatte nur jemand einen falschen Knopf gedrückt. Präsident Trump golfte.
Raketen-Fehlalarm auf Hawaii: 38 Minuten Todesangst

Raketen-Fehlalarm auf Hawaii: 38 Minuten Todesangst

Foto: SOCIAL MEDIA / REUTERS

38 Minuten lang dachten die Menschen auf Hawaii, dass die Insel jederzeit mit einer Rakete angegriffen werden könnte. "Drohende ballistische Rakete. Sofort Zuflucht suchen. Das ist keine Übung", hieß es in einer SMS, die Hunderttausende Hawaiianer von der Katastrophenschutzbehörde EMA auf ihr Mobiltelefon geschickt bekamen.

Es folgten dramatische Szenen: Studenten rannten panisch über den Campus der Universität, Familien verbarrikadierten sich im Badezimmer oder suchten Zuflucht in der Kanalisation.

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Foto: Caleb Jones/ AP

Davon berichtet auch der US-Golfer John Peterson. "Mit meiner Frau, meinem Baby und meinen Schwiegereltern unter Matratzen in der Badewanne", schrieb er auf Twitter.

Denis Salle, der Honorarkonsul für die Bundesrepublik Deutschland in Hawaii, erzählte: "Ich habe meinem Sohn sofort gesagt, 'Schuhe anziehen und raus zur nächsten Tiefgarage'. Der hat sich noch eine lange Hose angezogen und gemütlich Socken ausgesucht. Ich fing an die Minuten zu zählen, da wir nur zehn bis 15 Minuten haben, um unter Tage zu kommen."

Die deutsche Reporterin Katharina Kerzdörfer, die im Urlaub auf Hawaii den Fehlalarm miterlebte, berichtete im Bayerischen Rundfunk: "Im Hotel brach sofort Panik aus, Leute rannten über die Gänge und schrien im Innenhof. Aus der Ferne hörte man Sirenen. Nur mit dem Allernötigsten liefen die meisten in den Keller, wo ein Hotelangestellter einen Technikraum spontan zum Bunker für etwa zwei Dutzend Menschen erklärte. Niemand hatte Handynetz, es herrschte also für einige Minuten völlige Ungewissheit."

Für Besucher der Pearl-Harbor-Gedenkstätte war die Falschmeldung ein besonders emotionaler Moment. Sie mussten in einem Vorführraum ausharren, in dem ein Film die Ereignisse des 7. Dezembers 1941 schildert. Damals wurde der US-Militärstützpunkt auf Hawaii von japanischen Kampfflugzeugen angegriffen - Auslöser für den Kriegseintritt der USA.

90 Prozent könnten Angriff überleben

Die Katastrophenschützer korrigierten ihre eigene Nachricht mehr als eine halbe Stunde später. Beim Schichtwechsel habe jemand fälschlicherweise die Informationskette ausgelöst, die zu der Handy-Warnung geführt habe, hieß es zur Erklärung.

"Falscher Alarm"

"Falscher Alarm"

Foto: Caleb Jones/ AP

In der Zeit zwischen dem Auslösen des Fehlalarms und der späteren Korrektur verzeichneten die Behörden in der Landeshauptstadt Honolulu mehr als 5000 Notrufe, erklärte Bürgermeister Kirk Caldwell. Insgesamt leben auf der Inselkette im Pazifik etwa 1,5 Millionen Menschen. Honorarkonsul Salle sagte dazu: "Im Ernstfall wäre der größte Teil der Bevölkerung völlig ungeschützt gewesen. Die Geschwindigkeit der Ereignisse ist so verheerend, dass eigentlich auch ein funktionierendes Warnsystem nur wenig ausrichten kann."

Die Regierung von Hawaii schätzt das anders ein: Im Falle eines echten Angriffs aus Nordkorea blieben den Bürgern zwischen Alarmierung und Einschlag 12 bis 15 Minuten Zeit, sich in Sicherheit zu bringen, wurde im Oktober 2017 in einem Informationsschreiben vorgerechnet. Es werde damit gerechnet, dass 90 Prozent der Inselbewohner so einen Angriff überleben könnten.

Kritik an der Nicht-Reaktion von Präsident Trump

Die Furcht vor einem Raketeneinschlag begleitet die Menschen in Hawaii seit Monaten - verstärkt durch nordkoreanische Tests, aber auch durch die verbale Aufrüstung sowohl des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Un wie des US-Präsidenten Donald Trump. Viele nehmen dem US-Präsidenten nun übel, dass er seit dem Fehlalarm zwar erneut zu dem Skandal-Buch "Fire and Fury" twitterte, sich aber noch nicht zu den Ereignissen in Hawaii geäußert hat. Er soll sich zum Zeitpunkt des Fehlalarms auf einem Golfplatz aufgehalten haben.

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Schauspieler Jim Carrey schrieb: "Wenn wir es diesem Ein-Mann-Gomorra und seinem korrupten republikanischen Kongress weiterhin erlauben, die Welt zu verprellen, dann bewegen wir uns in Richtung Leid, das über unser Vorstellungsvermögen geht." Seine Kollegin Jamie Lee Curtis warf dem Präsidenten vor: "Für die Raketenangst sind Sie verantwortlich, Herr Trump. Für die echte Angst, die Mütter und Väter und Kinder hatten, sind Sie verantwortlich."

Ein anderer Nutzer erinnert daran, dass auch das SMS-Verfahren im Falle eines echten Notfalls nicht jeden Anwohner erreichen kann.

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Nach wiederholten Raketentests Nordkoreas hatte die hawaiianische Regierung im November bereits angekündigt, landesweit Sirenen zu testen, die vor einem möglichen Atomwaffenangriff durch Nordkorea warnen sollen. Die Sirenen wurden zuletzt vor mehr als 25 Jahren während des Kalten Krieges benutzt. Das System der SMS-Warnungen soll jetzt ebenfalls überarbeitet werden.

vks/dpa/AFP
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