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Rheinland-Pfalz: Die "Hitler-Glocke" von Herxheim

Foto: Uwe Anspach/ dpa

NS-Debatte in der Pfalz Aussagen über Hitler - Bürgermeister droht Parteiausschluss

"Alles fuer's Vaterland - Adolf Hitler": Diese Aufschrift auf einer Kirchenglocke erregt in Rheinland-Pfalz die Gemüter. Nun hat sich der Ortsbürgermeister zu der Debatte geäußert - keine gute Idee.

Im Grunde geht es um einen Gegenstand, den normalerweise kaum ein Mensch zu sehen bekommt: die Glocke im Tum der St.-Jakob-Kirche im pfälzischen Herxheim am berg. Bundesweites Aufsehen erregt der eiserne Klagkörper trotzdem, und zwar wegen seiner Verzierung: Über einem großen Hakenkreuz prangt unübersehbar der Spruch "Alles fuer's Vaterland", und darunter der Name Adolf Hitlers.

Der Ort debattiert seit Monaten über den Umgang mit dem historischen Stück von 1934, nun werden politische Konsequenzen immer wahrscheinlicher. Herxheims Bürgermeister Ronald Becker hat mit relativierenden Aussagen über Adolf Hitler und das NS-Regime Empörung ausgelöst, ihm droht daher nun ein Parteiausschlussverfahren.

Becker, der Mitglied der Freien Wähler ist, hatte in einem Bericht des ARD-Magazins "Kontraste"  darüber gesagt, man sei stolz, eine Glocke mit dieser Inschrift zu haben. Mit dem Namen Hitlers würden "immer gleich die Judenverfolgung und die Kriegszeiten" verbunden. "Wenn man über solche Sachen berichtet, soll man umfangreich berichten", verlangte Becker - und präzisierte: "Dass man sagt, das waren die Gräueltaten und das waren auch Sachen, die er in die Wege geleitet hat und die wir heute noch benutzen."

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Rheinland-Pfalz: Die "Hitler-Glocke" von Herxheim

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Damit ging Becker offenkundig zu weit. Der Vizevorsitzende der Freien Wähler in Rheinland-Pfalz, Manfred Petry, sagte, im Landesvorstand sei man entsetzt über die Äußerungen. Diese Verklärung von Verbrechen des Naziregimes sei hanebüchen. "Es ist natürlich unabdingbar, dass wir innerhalb der Parteigremien über Disziplinarmaßnahmen beraten werden - bis hin zum Parteiausschluss", so Petry. Becker war bislang nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die sogenannte Hitler-Glocke sorgt seit Wochen für Gesprächsstoff, nachdem eine pensionierte Musiklehrerin sich über die unkommentierte Nutzung der Glocke empört hatte. Anfang Juli hatte die rheinland-pfälzische Landeskonservatorin Roswitha Kaiser sich dafür ausgesprochen, die Glocke im Turm der 1000 Jahre alten Kirche hängen zu lassen und sie auch weiter zu benutzen - als mahnendes Andenken an etwas, "was man lieber vergessen möchte".

Zugang zur Glocke verboten

Sie sei nicht dafür, die 240 Kilogramm schwere Glocke zu entfernen, sagte sie. Man habe die Aufgabe, das, was unter Denkmalschutz stehe, zu bewahren - "auch wenn es schmerzlich ist". Kaiser leitet die Direktion Landesdenkmalpflege der Generaldirektion Kulturelles Erbe.

Die Glocke mit der Aufschrift "Alles fuer's Vaterland - Adolf Hitler" und dem Hakenkreuz darunter hängt seit 1934 in der Kirche und ist Eigentum der 700-Einwohner-Gemeinde. Daneben hängen seit 1951 zwei weitere Kirchenglocken. Das Geläut ist aufeinander abgestimmt.

Der Glockenturm ist derzeit nicht öffentlich zugänglich, offiziell aufgrund im Turm brütender Vögel. Die Mehrheit der Ratsmitglieder hatte sich einem Bericht der "Rheinpfalz"  zufolge dafür ausgesprochen, der Öffentlichkeit den Weg zum Turm zu verschließen. Auch neue Fotos der Glocke soll es nicht geben.

mxw/dpa