Maintal in Hessen Eine Stadt streitet über Islam-Bierdeckel

Wie andere Städte verteilte Maintal in Kneipen und Restaurants Untersetzer mit Fragen zum Islam. Die Integrationsbeauftragte und ein Verein wollen so den Dialog der Religionen fördern. Doch es gibt ein Problem.

Die umstrittenen Bierdeckel oder Getränkeuntersetzer
Stadt Maintal

Die umstrittenen Bierdeckel oder Getränkeuntersetzer

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Im hessischen Maintal wird seit Tagen diskutiert - über Getränkeuntersetzer, die zu einem Austausch über den Islam anregen sollen. Die Fragen auf den Pappen entstammen dem Alltag von Muslimen und sollen nicht-muslimischen Menschen im örtlichen Dialekt Rituale und Regeln der Religion näherbringen - auch in Gaststätten. "De Mohammed - was war denn des eichendlich für aaner", heißt es da beispielsweise. Oder: "Wie is des bei de Muslime mittem Wuzzeflaasch?"

Was den Ausländerbeirat der Stadt und ihm zufolge auch viele Muslime stört, ist weniger der Inhalt oder der Ton der "uff hessisch" verfassten Fragen, sondern das Medium: Bierdeckel.

Es dürfe nicht sein, dass Islam mit Alkohol in Verbindung gebracht werde, sagte der türkischstämmige Vorsitzende des Ausländerbeirats der Stadt, Salih Tasdirek, der seit fast 40 Jahren in Deutschland lebt. Man serviere ja im Ramadan beim Fastenbrechen auch kein Schweinefleisch. "Man hätte eine Postkartenaktion machen können, Buswerbung, warum muss das in die Kneipe?" Dabei, sagt Tasdirek, finde er interreligiösen Dialog und Austausch gut.

Wurde der Ausländerbeirat beteiligt?

Vom Freiburger Verein Orient-Netzwerk war "Islam auf..." bereits vor Jahren initiiert worden. "Wir wollten mit einem Augenzwinkern auf Dialekt Antworten auf die immer gleichen Fragen geben, die unseren Vereinsmitgliedern, meist Islamwissenschaftlern, gestellt werden", sagt Raban Kluger, der die Aktion organisiert. Zuerst in Freiburg auf Badisch, später in und rund um Offenbach auf Hessisch sowie auf Sächsisch - Zehntausende Bierdeckel wurden seit 2016 bereits gedruckt. Die im Internet jetzt auch bei der Stadt Maintal abrufbaren Antworten erarbeitete eine Gruppe Islamwissenschaftler.

Die Aufregung in Maintal zeigt nun, wie schwierig der Kontakt der Religionen mitunter ist. Und vielleicht gibt es neben den Bierdeckeln noch einen weiteren Grund, warum die Diskussion um die im Winter auch in Maintal gestartete Aktion so hochkocht: Tasdirek ärgert sich, die seit 2017 neue Integrationsbeauftragte der Stadt habe ihn nicht bei der Entscheidung über die Aktion eingebunden. Es sei auch nicht ihre Aufgabe, über den Islam zu referieren.

Die Integrationsbeauftragte Verena Strub, die statt von Bierdeckeln von Getränkeuntersetzern spricht, sieht das anders. Sie will die "großen gesellschaftlichen Themen ins Gespräch bringen" - die Aktion sei ein Teil davon. "Ich kann verstehen, dass jemand die Untersetzer mit Alkohol in Verbindung bringt, nicht aber dass jemand den Islam mit Alkohol in Verbindung bringt, nur weil die Fragen auf den Untersetzern stehen."

Das Projekt sei im Ausschuss für Asyl und Integration der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt worden, "und ein Vertreter des Ausländerbeirates war dabei". Tasdirek sagt: "Wir sind nicht gefragt worden, dabei haben wir kurze Wege zum Rathaus."

Zentralrat der Muslime an der Aktion beteiligt

Er stört sich auch daran, dass statt Antworten auf die Fragen auf der Rückseite nur aufs Netz verwiesen werde - Rechtspopulisten erhielten womöglich in Kneipen eine Steilvorlage für ihre Thesen, wenn die Antwort nur umständlich zu erhalten sei. Er hätte das Geld lieber für Deutschkurse ausgegeben und fordert, die übrigen Bierdeckel zu vernichten.

"Die Untersetzer werden auch von Muslimen abgenommen", verteidigt Kluger vom Orient-Netzwerk die Aktion. Die Texte seien von Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime und der Landeszentrale für politische Bildung Freiburg gegengelesen worden. Dass bei den Fragen aufs Internet verwiesen werde, sei dem Medium Untersetzer geschuldet. Da sei einfach nicht genügend Platz für die jeweils mehr als 2000 Zeichen langen Antworten. Und auch Kluger versichert: "Es ist nicht unsere Absicht, den Islam mit Alkohol in Verbindung zu bringen."

Abgesehen davon wolle man wegen der großen Nachfrage die Aktion am liebsten noch auf Christentum und Judentum ausweiten.

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insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
max-mustermann 16.05.2019
1.
Ehrlich gesagt möchte ich überhaupt nicht die Rituale und Regeln irgend einer Religion näher gebracht bekommen, weil mich dieser abergläubische Humbug schlicht nicht die Bohne interessiert. Wenn sich jemand für eine der unzähligen Religionen interessiert die sich die Menschen im Laufe der Zeit so ausgedacht haben dann soll er dafür gerne Wikipedia nutzen oder in die Bibliothek gehen aber deswegen braucht mann nicht andere bei ihrem Kneipenbesuch oder sonst wo belästigen.
Teutonengriller 16.05.2019
2. Ausschuß für Asyl und Integration
braucht niemand , auch keine Aktion für das Islamverständnis. Wen es interessiert, der kann sich ja informieren. Das gibt es nur in Deutschland, daß eine religiöse Minderheit der Mehrheit ihre Glaubensbefindlichkeit aufoktroyiert. Ich belästigen Moslems ja auch nicht mit meinem Glauben bzw. Nichtglauben
seeyouin1982 16.05.2019
3. kommt davon,
wenn man sich als Religion zu wichtig nimmt. Übrigens, auch nicht alkoholische Getränke werden auf den betreffenden Deckeln serviert. Wenn der gute Mann beim Anblick der Deckel gleich an Alkohol denkt, dann tut es mir leid für ihn. Es handelt sich um ein Stück Pappe. Nicht mehr und nicht weniger. Der Islam ist hier immer noch die Religion einer Minderheit, nicht der Mehrheit, da sollte man sich als Muslim bedanken. Sind alles Steuergelder. Und das sage und sehe ich so als deutsche Muslima.
meinungsmacher 16.05.2019
4. Ich verstehe nicht...
...warum ich mich als Deutscher in einem inzwischen einigermaßen aufgeklärten Land mit einer völlig rückständigen, das eigenständige Denken behindernden Religion befassen soll! Ich möchte mit religiösen Angelegenheiten schlicht nicht belästigt werden. Wenn jemand seine Religion ausüben will, kann er das ja tun, aber bitte ohne daß es mich in irgendeiner Weise behelligt. Weder bei Aufdrucken auf Lebensmitteln, noch beim Sexualkundeunterricht in der Schule, noch hinsichtlich meiner oder irgend jemandes Kleidung oder Badebekleidung - und selbstverständlich ohne deshalb Repressalien zu erfahren, noch im gesellschaftlichen Diskurs. Das ist mein gutes Recht als Bürger in einem freien Land. Religion ist Privatsache! Fremde haben sich gefälligst hier deutschen Regeln und Gesetzen zu unterwerfen, genauso, wie wir auch, wenn wir als Ausländer woanders unterwegs sind oder sogar leben wollen!
danmage 16.05.2019
5.
Ich denke Religion sollte Privatsache sein. Soll doch jeder glauben was er will, solange es innerhalb unserer Gesetze passiert. Man muss jetzt die islamische Religion nicht unbedingt so aufbauschen. Lieber Fragen zu Philosophen, jenseits dieser religiösen Kleingeisterei.
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