Freier Eintritt für Flüchtlinge "Wir nehmen niemandem etwas weg"

Auf der Facebook-Seite des Freilichtmuseums Hessenpark tobt ein merkwürdiger Kampf: Ausländerfeinde geben massenhaft schlechte Bewertungen ab, Unterstützer des Museums halten dagegen. Was steckt dahinter?
Marktplatz im Freilichtmuseum Hessenpark

Marktplatz im Freilichtmuseum Hessenpark

Foto: imago/ suedraumfoto

Die Regelung ist schon seit Monaten in Kraft: Seit September erhalten Flüchtlingsgruppen mit Begleitern im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach freien Eintritt. Doch erst vor ein paar Tagen bekamen die Verantwortlichen Reaktionen, die sie in diesem Ausmaß wohl nie erwartet hatten: Der Park wurde auf seiner Facebook-Seite mit massenhaft schlechten Bewertungen überhäuft, es gab auch Boykott-Aufrufe.

"Sogenannte Flüchtlinge, die mehrheitlich gar keine sind, dürfen umsonst rein, während selbst Hunde 1 Euro zahlen müssen. Das ist das Unverschämteste überhaupt!", schreibt zum Beispiel ein Nutzer.

Inzwischen gibt es jedoch eine starke Gegenbewegung: Zig Unterstützer bewerten den Hessenpark auf seiner Facebook-Seite  mit 5 von 5 Sternen.

Pia Preuß kümmert sich um das Marketing des Freilichtmuseums. Im Interview erklärt sie die Hintergründe zum Bewertungskampf um den Hessenpark.

Pia Preuß: "Wir nehmen niemandem etwas weg"

Pia Preuß: "Wir nehmen niemandem etwas weg"

Foto: Oliver Rossi

SPIEGEL ONLINE: Frau Preuß, was ist da los bei Ihnen?

Preuß: Uns erreichen Hunderte E-Mails und Facebook-Nachrichten, in denen sich Leute über unsere Preispolitik beschweren. Im Internet sind Fotos von einer Preisliste aufgetaucht, die bei uns im Museum aushing. Es gab Aufrufe, uns mit Negativbewertungen und Mails zu überziehen. Zum Teil wurden diese Beiträge Tausende Male geteilt. Dann hat man sich öffentlich darüber gefreut, dass unser Ranking immer weiter nach unten ging. Daraufhin gab es dann die Gegenbewegung.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist der aktuelle Stand?

Preuß: Mittlerweile bewegen wir uns bei rund 4600 Bewertungen mit einem Ranking von 3,8 Sternen. Vorher hatten wir bei ungefähr 700 Bewertungen ein Ranking von 4,6.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie auch Mails von Ihren Unterstützern erhalten?

Preuß: Ja, Wir bekommen sehr viele positive Rückmeldungen auch per E-Mail. Durchhalteparolen wie "Ihr schafft das!" und "Lasst euch nicht unterkriegen!" sind dabei.

SPIEGEL ONLINE: Wissen Sie, wo die Aufrufe zum Abwerten des Hessenparks hergekommen sind?

Preuß: Die sind auf einschlägigen, eher rechts orientierten Facebook-Seiten aufgetaucht. Wir waren relativ erschüttert darüber, wie schnell sich solche Massen aufbauen und wie schnell die Leute mitmachen, ohne vorher genauer zu gucken oder zu überlegen. Es ist eine sehr stark von Sozialneid geprägte Debatte entstanden. Der Tenor ist: "Die armen Rentner, die armen Harz-IV-Empfänger, die Familien, die sich den Eintritt nicht leisten können, die gehen wieder leer aus."

SPIEGEL ONLINE: Man kennt diese Argumente.

Preuß: Zum Teil sind die Nachrichten reflektiert, zum Teil sind sie allerunterste Schiene. Wir sehen uns als Museum, das niemanden vor der Tür stehen lässt. Seit der Gründung fahren wir eine sehr faire und familienfreundliche Preispolitik. Von daher ist die ganze Aufregung nicht so ganz nachvollziehbar. Dadurch, dass wir einen Beitrag zur Integration leisten, nehmen wir niemandem etwas weg.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass diese Aktion dem Hessenpark schaden wird?

Preuß: Das ist eine schwierige Frage. Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich weiß es nicht. Es gibt Leute aus der Region und auch von weiter weg, die sagen, sie werden keinen Fuß mehr ins Museum setzen. Es gibt aber auch Leute, die sagen: "Super Sache. Wir kommen gern und jetzt erst recht!" Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Das wird uns nicht nachhaltig schaden.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Flüchtlinge haben Ihr Angebot des freien Eintritts eigentlich angenommen?

Preuß: Bislang waren es 244 Flüchtlinge und Begleitpersonen.

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