Hilflos in der Kälte Britische Polarforscher kämpfen im arktischen Eis ums Überleben

"Uns kann nur noch der Wettergott helfen": Drei britische Forscher, die auf Skiern zum Nordpol gelangen wollten, haben einen verzweifelten Hilferuf geschickt. Bei Sturm und Eiseskälte sitzen sie im Norden Kanadas fest - und haben nur noch Vorräte für einen Tag.


Montréal - "Wir sind hungrig, die Kälte ist erbarmungslos, unsere Schlafsäcke sind voller Eis - und uns wird immer kälter, je weniger wir uns bewegen": Das ist die dramatische Botschaft, die der Wissenschaftler Pen Hadow jetzt an die Londoner Zentrale seiner Mission "Catlin Arctic Survey" schickte.

Seinen Angaben zufolge besitzen die Forscher nur noch Nahrungsmittel für einen Tag. Das Unterstützer-Team hofft nun inständig auf Wetterbesserung, um ein Flugzeug mit Nothilfe entsenden zu können. Hadow: "Uns kann nur noch der Wettergott helfen. Es geht um das blanke Überleben." Ein Flugzeug, das von einer Inuit-Siedlung auf Cornwallis Island im kanadischen Nunavut-Territorium aus starten und der Gruppe die lebensnotwendigen Vorräte bringen sollte, musste wegen starker Stürme bereits drei Mal auf halber Strecke umkehren.

Hadow und seine Kollegen Martin Hartley und Ann Daniels waren am 28. Februar von einem Flugzeug im Packeis im Norden Kanadas abgesetzt worden. Sie wollten innerhalb von 85 Tagen auf Skiern zum Nordpol gelangen und Daten über das Abschmelzen des Polareises sammeln. Bei Temperaturen von konstant unter minus 40 Grad Celsius kamen die Forscher jedoch kaum voran, Martin Hartley erlitt Erfrierungen am linken Fuß. Er hoffe auf baldige Rettung, damit er seinen 41. Geburtstag am Dienstag nachfeiern könne, sagte er den Kollegen. "Im Moment sieht es jedoch nicht nach einer Party aus", so der Forscher.

Selbst wenn die Vorräte das in Not geratene Team rechtzeitig erreichen sollten, droht weitere Gefahr: Satellitenfotos der Region zeigen, dass sich im Packeis ein riesige Lücke aufgetan hat, die es auf der geplanten Route zu überwinden gilt.

Da die Forscher aufgrund der eisigen Temperaturen des Wassers nicht durch die Kluft schwimmen können, wird jetzt nach einer natürlichen "Eisbrücke" gesucht, über die ein Fortkommen möglich sein könnte.

ala/AFP



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