Rekordhitze Europa schwitzt und leidet

45,9 Grad in Frankreich, Tote in mehreren Ländern: In Europa steigen die Temperaturen auf neue Rekorde. Auch in Deutschland ist keine Abkühlung in Sicht - so wird das Wetter am Wochenende.

Eine Frau in Pamplona, Spanien, schützt sich mit einem Schirm vor der Sonne
DPA / Alvaro Barrientos

Eine Frau in Pamplona, Spanien, schützt sich mit einem Schirm vor der Sonne


Die brütende Hitze bleibt Deutschland auch an den letzten Juni-Tagen erhalten: Bis zu 39 Grad kann es am Wochenende in Ostdeutschland heiß werden - damit sind nach Einschätzung des Deutschen Wetterdiensts (DWD) erneut rekordverdächtige Werte möglich.

Fotostrecke

8  Bilder
Hitzerekord in Frankreich: Abkühlen in Paris

Derweil ist in Frankreich der bisherige Temperaturrekord schon am Freitag gefallen - mit mehr als 45 Grad in mehreren südfranzösischen Orten. So wurden in Gallargues-le-Montueux 45,9 Grad registriert. In Frankreich hatten am Freitag 4000 Schulen nicht geöffnet oder eine Notfallbetreuung eingerichtet, wie Frankreichs Premier Édouard Philippe mitteilte.

In Deutschland endet an diesem Wochenende der wärmste und sonnigste Juni seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen vor fast 140 Jahren. Nach einem zu nassen Mai sei der Juni zudem deutlich zu trocken ausgefallen. (Lesen Sie hier, welche Folgen das Wetter für die Bauern hat.)

"In Serie auftretende Klimarekorde"

Fotostrecke

10  Bilder
Die Temperatur steigt wieder: Heißes Wochenede

Mit 19,8 Grad Celsius lag der Temperaturdurchschnitt den Angaben zufolge um 0,4 Grad über dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2003. Die Sonne schien im Schnitt 300 Stunden lang und übertraf ihr Soll um 50 Prozent. Damit ließ sie den bisherigen Monatsrekord von 1976 hinter sich.

Im brandenburgischen Coschen und im sächsischen Bad Muskau war mit 38,6 Grad bereits am Mittwoch der bisherige deutsche Hitzerekord für Juni geknackt worden. "Schon wieder neue Höchstwerte! Allmählich verschlägt es mir die Sprache angesichts dieser inzwischen in Serie auftretenden Klimarekorde", erklärte DWD-Sprecher Uwe Kirsche.

SPIEGEL ONLINE

Auch am Wochenende bleibt es vor allem in der Mitte und im Süden Deutschlands wichtig, viel zu trinken und unnötige Anstrengungen zu vermeiden. Angesichts erhöhter UV-Werte sollte Sonnenmilch mit hohem Schutzfaktor im Freibad oder auf Ausflügen nicht fehlen.

Die regionale Hitzebelastung wandert: Am Samstag werden die höchsten Werte im Südwesten erwartet. Abkühlung ist am ehesten an der Nordseeküste möglich - dort bleibt es mit 20 Grad vergleichsweise kühl, erklärten die DWD-Meteorologen. Ansonsten sind bei überwiegend wolkenlosem Himmel und viel Sonne Höchstwerte zwischen 29 und 36 Grad zu erwarten.

Am Sonntag wird es nur im Nordwesten mit 25 bis 31 Grad nicht ganz so heiß. Feuchte und schwüle Luft bringt zudem eher unangenehme Hitze. Gerade in den Ballungszentren West- und Südwestdeutschlands sind sogenannte Tropennächte möglich, in denen die Temperaturen nachts nicht unter 20 Grad sinken.

Waldbrand in Spanien

In mehreren Ländern forderte die Hitzewelle die ersten Todesopfer - bisher sind es fünf. Am Freitag erlitt in der Nähe von Rennes im Westen Frankreichs ein 33-jähriger Dachdecker einen tödlichen Schwächeanfall, als er auf einem Dach bei 35 Grad im Schatten seiner Arbeit nachging. Besonders alte Menschen und kleine Kinder gelten als gefährdet. In Italien starb ein 60-jähriger Gerüstbauer, der einen Tag zuvor in Rimini während der Arbeit zusammengebrochen war. Bereits am Donnerstag war ein 72-jähriger Obdachloser in der italienischen Stadt Mailand gestorben.

In Spanien sei ein 17 Jahre alter Landarbeiter nach einem Hitzschlag bei der Ernte in der Provinz Córdoba im Süden gestorben, berichteten Medien unter Berufung auf die Gesundheitsbehörden der Region Andalusien. In Valladolid nordwestlich von Madrid erlag ein 93 Jahre alter Mann bei einem Spaziergang einem Hitzschlag, wie die Polizei mitteilte.

In der südkatalanischen Provinz Tarragona versuchten hunderte Feuerwehrleute den dritten Tag in Folge, einen verheerenden Waldbrand in den Griff zu bekommen. Immer wieder angefacht von starken Winden, zerstörten die Flammen bereits über 6500 Hektar Land. Dutzende Menschen, darunter auch Engländer und Deutsche, wurden in Sicherheit gebracht.

Auslöser war offenbar eine Hühnerzucht der Gemeinde Torre del Español: Nach Angaben der Forstbehörde geriet der dort angesammelte Hühnerkot in der Hitze in Gärung und entzündete sich dabei selbst.

tin/dpa/AFP

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.