Tagelang mehr als 40 Grad "Für mich als Meteorologen beängstigend"

Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen lagen in manchen Regionen Deutschlands an drei Tagen hintereinander die Höchsttemperaturen bei mehr als 40 Grad. Das besagen vorläufige Messungen. Der Wetterdienst zeigt sich besorgt.
Temperaturanzeige in Freiburg: An einem Tag das, was in 130 Jahren nicht passiert ist

Temperaturanzeige in Freiburg: An einem Tag das, was in 130 Jahren nicht passiert ist

Foto: Patrick Seeger/dpa

Das Überschreiten der 40-Grad-Marke war in Deutschland bisher eine Seltenheit. Vor 2019 geschah das laut dem Deutschen Wetterdienst überhaupt erst zehn Mal, seitdem systematisch Temperaturen erfasst werden. Am Donnerstag aber haben die Meteorologen diesen Wert gleich an mehr als 20 Stationen registriert.

"Wir hatten an einem Tag das, was in Deutschland in 130 Jahren nicht passiert ist", sagte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). "Das ist so eindeutig, dass es für mich als Meteorologen schon beängstigend ist." Hinzu kommt: Seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen war es in Deutschland wohl noch nie so lange so heiß.

An drei Tagen hintereinander wurden laut DWD nach vorläufigen Ergebnissen mindestens 40 Grad gemessen. In Tönisvorst in Nordrhein-Westfalen sei es am Freitag um 15 Uhr 40,4 Grad heiß gewesen.

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An dieser Messstation waren bereits am Mittwoch und Donnerstag Temperaturen über 40 Grad gemessen worden. Mit 41,2 Grad erreichte Tönisvorst zusammen mit Duisburg-Baerl am Donnerstag sogar einen neuen Rekordwert für Nordrhein-Westfalen, der mittlerweile auch vom DWD bestätigt ist.

Heftige Unwetter drohen

Der DWD-Meteorologe macht dafür auch den Klimawandel verantwortlich. "Es ist nicht der einzelne Hitzetag, es sind nicht die einzelnen 42 Grad", so Friedrich. "Aber wenn man einfach über längere Zeiträume guckt und die Häufungen sieht - das hätten wir mit einem kälteren Klima wie vor Beginn der Industrialisierung einfach nicht gehabt."

Der vom DWD in Lingen im Emsland gemessene Deutschland-Rekord von 42,6 Grad ist am Freitag auch offiziell bestätigt worden. Insgesamt 14 Wetterstationen überboten am Donnerstag den seit 2015 gehaltenen Hitze-Rekordwert von 40,3 Grad in Kitzingen. Friedrich sagte: "Hier spielt die Erwärmung, für die der Mensch wesentlich mitverantwortlich ist, die entscheidende Rolle."

Zudem handele es sich bei den Werten nur um punktuelle Messungen. Friedrich wollte nicht ausschließen, dass am Donnerstag auf dem Lingener Marktplatz und damit auf bebautem Gebiet womöglich sogar ein noch höherer Wert erreicht wurde. Aber dort habe sich eben keine Messstation befunden.

Nach den Hitzetagen soll es in Deutschland nun etwas kühler werden. Tief "Vincent" bringt feuchte und etwas kühlere Atlantikluft und spätestens am Sonntag Temperaturen von unter 30 Grad. Zugleich werden Unwetter erwartet. Der DWD hält Gewitter sowie Überflutungen und Hagel für möglich. Die extrem hohen Temperaturen der vergangenen Tage führen vielerorts auch zu Wasserknappheit.

Am Samstag gibt es im Südwesten, am Sonntag fast überall ein erhöhtes Unwetterpotenzial. Örtlich könnten laut DWD in kurzer Zeit bis zu 40 Liter pro Quadratmeter fallen. Da die Böden meist sehr trocken sind, können sie das Wasser nicht aufnehmen; es kann zu Überflutungen kommen.

Waldbrände in Ostdeutschland

Auch der Waldbrand bei Jüterbog in Brandenburg breitet sich erneut aus. Inzwischen seien 100 Hektar Wald in Flammen, berichtete der stellvertretende Bürgermeister. Der Brand könne wegen der Munitionsbelastung auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz weiter nur mit zwei Hubschraubern aus der Luft bekämpft werden. Ein neuer Brand auf dem früheren Truppenübungsplatz bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern konnte dagegen schnell gelöscht werden.

Der Landkreis Harz rief die Menschen zum Wassersparen auf, weil Bäche und sogar Flüsse vielerorts von der Austrocknung bedroht sind. Besonderen Grund zur Sorge gebe das Grundwasser, einige Bäume zeigten bereits deutliche Trockenschäden, teilte die Kreisverwaltung in Sachsen-Anhalt mit.

In anderen Ländern Europas war die Hitzewelle ebenfalls zu spüren. In Paris fiel nach der Rekordhitze mit mehr als 42 Grad erster Regen. Wegen der Dürre wüteten in Frankreich am Freitag aber auch zahlreiche Flächenbrände.

Alles zum Wetter
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

In Belgien überstiegen die Temperaturen in dieser Woche erstmals überhaupt die 40-Grad-Marke. Am heißesten wurde es laut dem Königlichen Meteorologischen Institut mit 41,8 Grad am Donnerstag in der flämischen Gemeinde Begijnendijk. Das waren glatte drei Grad mehr als der alte Hitzerekord von 2015. In Brüssel konnten sich Senioren kostenlos in Museen abkühlen.

apr/dpa
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