Hitzewochenende Hagelschlag und Unwetter in Süddeutschland

Als Begleiterscheinung der Hitzewelle gab es heftige Unwetter in Süddeutschland: Hagelkörner so groß wie Tennisbälle schossen in Tübingen vom Himmel herab, in einem Reutlinger Krankenhaus zerbarsten unter heftigem Eisniederschlag 50 Fensterscheiben.
Hagelkörner aus Süddeutschland: Mehrere Menschen getroffen

Hagelkörner aus Süddeutschland: Mehrere Menschen getroffen

Foto: Daniel Maurer/ dpa

Nürnberg/Offenbach - In Teilen Süddeutschlands hat es am Sonntag heftige Unwetter gegeben. In Mittelfranken (Bayern) seien am Abend bei starkem Wind und Regen zahlreiche Bäume entwurzelt worden und auf Straßen gekippt, herumliegende Äste hätten den Verkehr behindert, sagte ein Polizeisprecher. "Wir haben bereits ein weit überdurchschnittliches Einsatzaufkommen."

Bereits am Nachmittag und frühen Abend hatten heftige Unwetter im Südwesten gewütet. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war vor allem der Großraum Stuttgart betroffen. In Sekundenschnelle braute sich etwa in Tübingen ein Hagelsturm zusammen. Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle kamen wie Geschosse vom Himmel herab, Passanten suchten hastig nach einem Unterstand.

Innerhalb kürzester Zeit waren ganze Straßenzüge unter Wasser gesetzt, in Hauseingängen standen Hagel und Eis mehrere Zentimeter hoch. Auch in der Landeshauptstadt Stuttgart fiel bei nahezu dunklem Himmel mitunter heftiger Regen.

In einem Reutlinger Krankenhaus zerbarsten im heftigen Hagel mehr als 50 Fensterscheiben. Die Polizei in der Region registrierte innerhalb von drei Stunden 470 Notrufe. Mehrere Menschen wurden von Hagelkörnern getroffen und verletzt, einer von einem herabfallenden Dachziegel. Auch im Kreis Esslingen war die Feuerwehr wegen der schweren Unwetter pausenlos im Einsatz.

Für Baden-Württemberg hob der DWD die Unwetterwarnungen am Abend auf. Für einige Teile Bayerns galt zunächst noch eine Warnung vor schweren Gewittern mit starkem Regen und Hagel.

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Heißestes Wochenende des Jahres in Deutschland

Während Süddeutschland am Abend von heftigen Unwettern heimgesucht wurde, waren Temperaturen über 35 Grad Celsius und schwüle Luft an der Tagesordnung: Deutschland hat das heißeste Wochenende des Jahres erlebt - wenn auch ohne neue Höchsttemperatur, dafür aber mit einem europaweiten Hitzerekord. Mehr als 40 Grad - wie zunächst erwartet -wurden nirgends erreicht.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) teilte jedoch mit, dass am Samstag im südbadischen Rheinfelden an der Grenze zur Schweiz mit 38,6 Grad die höchste Tagestemperatur in ganz Europa gemessen worden sei. Auch für den Sonntag wurden erneut Höchsttemperaturen um die 38 Grad erwartet, zum Beispiel im Südosten Bayerns.

Der Spitzenwert von 40,2 Grad, den Meteorologen 1983 im oberpfälzischen Gärmersdorf (Bayern) sowie 2003 in Freiburg und Karlsruhe gemessen hatten, wurde nicht übertrumpft. "Die Bewölkung ist schneller reingekommen als erwartet", sagte Meteorologin Dorothea Paetzold. Dennoch sei es das heißeste Wochenende 2013 gewesen. "Das nächste wird allerdings zumindest auch wieder sehr warm."

Den Deutschen war es heiß genug - sie strebten nach Abkühlung in Badeseen, Freibädern und an Stränden. Nord- und Ostsee wurden an beiden Tagen gestürmt: Die Küste sei "rauf und runter voll", sagte Olaf Dose-Miekley, Tourismusdirektor vom Ostseebad Grömitz. "Die Strandkörbe sind belegt und das Wasser voll mit Badenden und Wassersportlern." Ins Berliner Sommerbad Pankow wurde wegen Tumulten am Eingang die Polizei gerufen.

Verformte Gleise und ein Waldbrand

Die Hitze reichte auch aus, um der S-Bahn München Schwierigkeiten zu bereiten: Die Gleise der Strecke S7 verformten sich. Ein Zugverkehr auf dem betroffenen Abschnitt sei nicht mehr möglich, teilte die Bahn mit. Ein Brand in einem IC-Speisewagen und ein brennender Baum in einer Oberleitung waren weitere Vorfälle bei der Bahn an diesem Wochenende.

Bei einem Badeunfall in Bayern ist ein 54-jähriger Mann ums Leben gekommen, wie die Polizei mitteilte. Der Mann war am Samstag nach einem Sprung in die Würm nahe Gräfelfing bei München nicht wieder aufgetaucht. Seine Leiche wurde wenig später von Passanten entdeckt. Ebenfalls am Samstag entdeckten Passanten die Leiche eines Mannes, die im Isarkanal in München trieb. Der zwischen 20 und 40 Jahre alte Mann hatte vermutlich mehrere Tage im Wasser gelegen und konnte zunächst nicht identifiziert werden.

Am Samstag hatten weite Teile des Landes unter heftigen Gewittern gelitten. Ein wahrscheinlich von einem Blitz ausgelöstes Feuer in einem Bergwald in Bayern - am Thumsee bei Bad Reichenhall - hielt die Feuerwehr in der Nacht zum Sonntag in Atem. Erst am Morgen bekam sie den Brand mit Hilfe von drei Löschhubschraubern in den Griff. Eine Fläche von etwa 25 Hektar war betroffen. Wegen der schwierigen Lage des Brandorts an einem Steilhang rief das Landratsamt Berchtesgadener Land am Sonntagmittag Katastrophenalarm aus. Verletzt wurde niemand.

Mehrere Gewitter werden auch am Montag zunächst für Abkühlung sorgen. Die Temperaturen klettern dann nicht mehr über 27 Grad. Mit kräftigen Gewittern muss vor allem im Südosten gerechnet werden. Von Mittwoch an wird es dann allmählich wieder heißer.

abl/lei/dpa
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