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Flutwelle Höchster Pegelstand in Halle seit 400 Jahren

In einigen Hochwassergebieten wird schon aufgeräumt - doch in weiten Teilen Süd- und Ostdeutschlands herrscht weiter Land unter, die Pegelstände der Elbe in Sachsen und Sachsen-Anhalt steigen. Die Übersicht.

Dresden - Zum Aufatmen ist es zu früh, aber in einigen Hochwasserregionen Deutschlands können bereits Schäden evaluiert und erste Aufräumarbeiten begonnen werden. Die Zerstörungen sind groß, noch immer harren viele Flutopfer in Notunterkünften aus.

In Dresden steigt das Wasser noch immer. Langsam, aber stetig. Der Pegel der Elbe erreichte hier einen Stand von 8,05 Metern - normal sind etwa zwei Meter. Einsatzkräfte bereiteten weitere Evakuierungen vor. 660 Menschen sollen vor den Wassermassen in Sicherheit gebracht werden, so eine Sprecherin der sächsischen Landeshauptstadt. In einigen Straßenzügen wurde vorsorglich der Strom abgeschaltet.

In Halle in Sachsen-Anhalt ist das Hochwasser der Saale auf den höchsten Stand seit 400 Jahren gestiegen. Der Pegelstand betrug auch hier mehr als acht Meter, man rechne damit, dass die Straßen am Rande der Altstadt rund einen Meter hoch vom Wasser überspült werden, sagte ein Sprecher der Stadt. Grund dafür sei auch der steigende Grundwasserspiegel. Einsatzkräfte versuchten derzeit, einen durch die Flut aufgeweichten Damm mit Sandsäcken zu stabilisieren. Die Stadt richtete Notquartiere ein - Evakuierungen seien aber momentan noch nicht angeordnet.

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Hochwasser: Land unter in Halle und Dresden

Foto: Frederik Wolf/ dpa

Kritisch sei die Lage vor allem in Dessau, wo der Scheitel der Mulde angekommen sei und das Wasser nicht in die Elbe abfließen könne, meldete der Landesbetrieb für Hochwasserschutz. Sowohl in Dessau als auch in Halle gilt Alarmstufe vier.

Bayern meldete eine leichte Entspannung der Lage. In Regensburg sinkt der Pegel, er erreichte einen Stand von 6,82 Metern, so das Bayerische Landesamt für Umwelt. Weitere Niederschläge würden derzeit nicht erwartet.

In Passau scheint das Schlimmste überstanden zu sein. In der überfluteten Dreiflüssestadt ging das Wasser der Donau fast drei Meter zurück. Die Innenstadt sei aber noch immer abgeschnitten, entlang der Ufer einige Straßen noch überflutet, teilte ein Sprecher mit. Man schaut jetzt aber nach vorn: "Langsam kommen wir weg von der Katastrophe und hin zum Hochwasser."

Der vom Donauhochwasser teilweise überschwemmte Landkreis Deggendorf hingegen ist nach der Teilsperrung der Autobahn 92 fast vollständig vom Umland abgeschnitten. Die Region sei nur noch über einige wenige Straßen für Helfer und Fahrzeuge zu erreichen, erklärte eine Landkreissprecherin. In der Nacht wurden weitere Häuser evakuiert - 50 bis 80 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. In der Region Deggendorf und Straubing hatten zuvor bereits 6000 Menschen ihre Häuser verlassen.

In Brandenburg steigen die Pegelstände der Elbe zwar an, trotzdem ist die Lage noch ruhig: "Ganz so heftig ist es noch nicht", sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Entlang der Elbe sei die höchste Warnstufe noch nicht erreicht - mit der für die nächsten Tage angekündigten Hochwasserwelle aber würden die Pegelstände deutlich steigen.

Unterdessen entspannte sich die Hochwasserlage in Thüringen mit fallenden Pegelständen weiter. Der Katastrophenalarm gilt hier nur noch für den Saale-Holzland-Kreis. In den meisten Landesteilen haben die Aufräumarbeiten begonnen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den Flutopfern bei einem Besuch in Greiz finanzielle Hilfe zugesagt. Das 100-Millionen-Euro-Soforthilfeprogramm des Bundes solle auch Privatleuten und Gewerbetreibenden zugutekommen. Sie würden nicht alleingelassen, sagte Merkel.

Das Deutsche Rote Kreuz warnte eindringlich davor, in den Hochwassergebieten die Deiche zu betreten. "Es besteht Lebensgefahr!", hieß es in einer Mitteilung des DRK-Landesverbandes Dresden. "Auch wenn das Interesse an den Wassermassen sehr groß ist, sollten Schaulustige sich und andere nicht unnötig in Gefahr bringen", hieß es.

Auch in Tschechien, Polen, Österreich und anderen Ländern gibt es schwere Überschwemmungen. Dort starben bereits mehr als zehn Menschen in den Fluten, mehrere weitere werden vermisst.

ala/dpa/AFP
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