Indischer Tycoon Eine Hochzeit, Abermillionen Euro - und jede Menge Ärger

Ein indischer Ex-Politiker, der auf Kaution frei ist, hat Abermillionen Euro für die Hochzeit seiner Tochter ausgegeben - zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Kritiker sprechen von einer "obszönen Zurschaustellung von Reichtum".
Brautpaar Rajeev und Bramhani Reddy

Brautpaar Rajeev und Bramhani Reddy

Foto: AFP/JANARDHANA REDDY FAMILY

Erst im vergangenen Jahr durfte Gali Janardhan Reddy das Gefängnis auf Kaution verlassen. Dem indischen Ex-Politiker wird unter anderem die Beteiligung an illegalen Minen-Geschäften vorgeworfen. Nun sorgt der 49-Jährige wieder für Schlagzeilen, und auch die dürften ihm wenig Freude bereiten.

Diesmal geht es um die Hochzeit seiner Tochter Bramhani. Am Mittwoch heiratete die 21-Jährige den vier Jahre älteren Rajeev Reddy. Zu dem Fest in Bangalore - Hauptstadt des indischen Bundesstaates Karnataka - waren Medienberichten zufolge rund 50.000 Gäste eingeladen, es fand in einem nachgebildeten Schloss statt.

Schon die Einladungen sollen ein kleines Vermögen gekostet haben: Die Gäste bekamen indischen Medienberichten zufolge  eine blaue Box mit einem LCD-Bildschirm zugeschickt, darauf war ein kurzes Video zu sehen , in dem Braut, Bräutigam und Familien das Event singend und tanzend ankündigten.

Reddy (M.) mit seiner Tochter (2.v.r.) und seinem Schwiegersohn (2.v.l.) während der Hochzeit in Bangalore

Reddy (M.) mit seiner Tochter (2.v.r.) und seinem Schwiegersohn (2.v.l.) während der Hochzeit in Bangalore

Foto: STRINGER/ AFP

Über die Kosten der gesamten Hochzeit gibt es sehr unterschiedliche Angaben, sie schwanken zwischen umgerechnet rund 14 Millionen Euro bis hin zu 75 Millionen Euro. Und das zu einer Zeit, in der die indische Bevölkerung sich noch von der jüngsten Ankündigung der Regierung erholt.

In der Nacht zu vergangenem Mittwoch hatte Indiens Premier Narendra Modi völlig überraschen alle 500- und 1000-Rupien-Banknoten für ungültig erklärt. Die alten Scheine können noch bis Ende des Jahres auf ein indisches Bankkonto eingezahlt oder gegen neue Rupien-Scheine mit zusätzlichen Sicherheitsmerkmalen umgetauscht werden. Die Abschaffung der hohen Rupiennoten soll dazu dienen, Schwarzgeld und Korruption zu bekämpfen. Die Schattenwirtschaft macht die verschiedenen Schätzungen zufolge ein Fünftel bis ein Viertel der indischen Wirtschaftskraft aus.

Lokale Medien kritisieren deshalb die Prunkhochzeit umso mehr. Während zahlreiche Menschen kaum genug Geld hätten, um Nahrung zu kaufen - und die Unsicherheit nach Modis Ankündigung anhält -, sei es extrem unangemessen, derart zu protzen, so der Tenor der Kritiker. Es sei eine "obszöne Zurschaustellung von Reichtum", zitiert der "Telegraph"  den Gesundheitsminister von Karnataka, Ramesh Kumar.

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Es gibt aber auch Menschen, die Reddy verteidigen. "Es ist sehr unglücklich, dass aus der Hochzeit einer Tochter eine Sache über Neid und Rivalität gemacht wurde", sagte der Gast Manju Swamy gegenüber der Nachrichteagentur AFP. Es sei ein besonderer Tag für die Eltern "und sie wollten die Hochzeit so feiern, dass es dem sozialen Status der Familie nützt".

Die Zeitung "Hindustan Times"  sieht in der Hochzeit nicht nur das Werk eines liebenden Vaters. Sondern auch den PR-Coup eines ehemaligen Häftlings. Es handle sich um eine "Machtdemonstration, die helfen wird, Reddys politische Karriere wieder zum Laufen zu bringen".

aar
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